Navigation überspringen

Forum

Hier ist Ihre Meinung gefragt. Reden Sie mit und tauschen Sie sich in unserem Forum mit anderen Menschen aus.

Chat

Kommen Sie ins Gespräch und finden Sie in unserem Chat neue Freunde!

Aktuelles

Schriftzug des Sonntag

Noch viel mehr lesen Sie in der aktuellen Ausgabe des SONNTAG.



Papa hinter Gittern

Unter den 300 jugendlichen Häftlingen in Regis-Breitingen sind auch Väter. Für sie gibt es seit kurzem Familientage.

Bild: Für den kleinen Lennox ist es eine ungewohnte Umgebung: Er ist zu  Besuch im Jugendgefängnis von Regis-Breitingen bei seinem Papa – und der darf ihn heute  wickeln .   Foto : Steffen Giersch
Für den kleinen Lennox ist es eine ungewohnte Umgebung: Er ist zu Besuch im Jugendgefängnis von Regis-Breitingen bei seinem Papa – und der darf ihn heute wickeln . Foto : Steffen Giersch

Von Christine Reuther
und Stefan Körner

»Sie kommen!« Ehefrauen, Freundinnen, Väter, Mütter und kleine Kinder  sitzen erwartungsvoll an gedeckten Tischen im Schultrakt der  Jugendstrafanstalt Regis-Breitingen. Ihre Augen füllen sich mit  Tränen, als 23 junge Männer in dunkelblauer Kleidung plötzlich den  Raum füllen. »Schau, Papa kommt«, sagt eine Mutter zu ihrem Kind: Es  ist Familientag in Sachsens Jugend-Gefängnis.

Die 300 Insassen sind in der Regel zwischen 14 und 24 Jahre alt. Viele  von ihnen haben schon Nachwuchs, manche bis zu drei Kinder. Für sie  hat Gefängnisseelsorgerin Hannelore Teubner eine Vätergruppe  gegründet. Ziel sei es, den Jugendlichen Handwerkszeug für die  Kindererziehung an die Hand zu geben. »Viele kennen nur zwei  Möglichkeiten: Anschreien oder Schlagen«, sagt die Pfarrerin. Und sie  wünschten sich, ihre Kinder anders zu erziehen. Zuletzt haben sie über  Rituale gesprochen, zum Beispiel Singen vor dem Einschlafen. Heute  führen sie es vor. Und so singen 23 schwere Jungs »Hopp, hopp, hopp …«  und »Ein Männlein steht im Walde«.

Einen solchen Familientag hat Hannelore Teubner bereits zum zweiten  Mal organisiert, gemeinsam mit den Mitarbeiterinnen der Kunsttherapie.  Das Angebot, die Familien außerhalb der vorgesehenen sechs Stunden  monatlicher Besuchszeit hinaus zu sehen, werde gern angenommen, sagt  Kunsttherapeutin Dorit Schauroth. Doch sie weiß auch: »Die Zeit mit  ihren Kindern ist für manche belastend, vor allem, sie dann wieder  gehen zu lassen.« Oftmals sei der Kontakt zur eigenen Familie auch  gestört oder abgebrochen.

So wie bei Frank L. Die Ex-Freundin wolle es nicht, dass er sein Kind  sieht, sagt er. Trotzdem ist er dabei: Als Bühnenarbeiter für das  Theaterstück vom »Wolf und den sieben Geißlein«, das die jungen Väter  mit Begeisterung und zur lautstarken Freude der Kinder aufführen. Die  Kostüme und Masken haben sie mit den Kunsttherapeutinnen selbst  hergestellt.

Nach seiner Haftzeit, in der er den Hauptschulabschluss nachholt,  hofft der 21-jährige Frank L. auf eine Lehrstelle als Verkäufer.  Insgesamt gibt es für die jugendlichen Häftlinge hier eine  Realschulklasse, drei Hauptschulklassen, zwei Klassen für  berufsvorbereitendes Jahr. Aber auch einen ABC-Kurs für die, die noch  nicht Lesen und Schreiben gelernt haben.

In Zukunft sollen die Familientage monatlich stattfinden. Doch aus  finanziellen Gründen sei es vielen Familien nicht möglich, die  vorgesehene Besuchszeit auszuschöpfen, sagt Doris Schauroth. »Vielen  Angehörigen fehlt einfach das Geld, die Fahrt anzutreten, und  Zuschüsse gibt es nicht.«

Zur Arbeit mit den Angehöringen Strafgefangener gab es unlängst eine  Tagung in der Evangelischen Akademie Meißen. Hier forderten die  Teilnehmer mehr Aufmerksamkeit für deren Situation. Das läge auch im  Interesse der Resozialisierung der Straffälliggewordenen. Besuchsräume  in den Gefängnissen sollten ansprechender gestaltet werden, Seminare  mit den Partnerinnen der Gefangenen sollten angeboten werden, um auf  die Alltagssituation nach der Haft vorzubereiten.

In Regis-Breitingen tummeln sich unterdessen Väter mit ihren Kindern  auf den Matten im provisorisch eingerichteteten Spielzimmer. Ein Vater  nimmt seiner Frau das Baby aus der Hand. Heute ist er dran, seinen  kleinen Sohn zu wickeln.

 

Wort zur Woche - Andachten  auf mp3

Schriftgrösse
[A]
[A]
[A]
Link-Tipps