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Wenn Wunder scheitern

Trauerort für ungeborene Kinder wird in Pegau eröffnet

Friedhofsverwalter und Ideengeber Walter Zink am  neuen Trauerort auf dem Friedhof Pegau.     Foto: Arche Pegau
Friedhofsverwalter und Ideengeber Walter Zink am neuen Trauerort auf dem Friedhof Pegau. Foto: Arche Pegau

Von Roger Dietze

Am Anfang stand die Geschichte einer Frau mit ihrem Schmerz über ihr tot geborenes Kind. Weil es nicht in einem Grab beigesetzt wurde, hatte sie sich zum Trost eine kleine Erinnerungsstätte eingerichtet.

»Diese Geschichte war für mich Anlass, mir Gedanken über einen öffentlichen Gedenkort für ungeborene Kinder zu machen«, berichtet Walter Zink, der vor elf Jahren mit seiner Frau Hanna in Pegau die Seelsorge und Lebensgemeinschaft »Arche Pegau« gründete. Und der darüber hinaus den Pegauer Friedhof betreut, auf dem am Ewigkeitssonntag seine Idee eines Gedenkortes praktisch eingeweiht wird.
Eine vom Pegauer Bildhauer Rainer Pleß aus Holz und Sandstein geschaffene Skulptur zweier Hände, die einen Fötus umschließen, wird künftig das Zentrum des kleinen Areals bilden, auf dem Eltern mit erlittenen Fehl-, Totgeburten oder Abbrüchen ihrem Bedürfnis zum Trauern nachkommen können. »Die Informationen zu den Möglichkeiten für betroffene Eltern sind zum einen nur spärlich verfügbar, zum anderen sind Menschen in einer solchen solchen Situation hinsichtlich ihres Handelns nicht selten überfordert«, berichtet der christliche Psychologe. »Nachdem ich mich im Rahmen des etwa zweijährigen Entstehungsprozesses des Gedenkortes auch bei Bestattungsinstituten kundig gemacht habe, gehe ich davon aus, dass es zumindest in der Leipziger Region keinen vergleichbaren Ort gibt«, so der 52-Jährige, der in Rainer Pleß einen Partner zur Umsetzung seiner Idee fand.

Obgleich sich der 63-jährige Künstler erst unlängst taufen ließ, beschäftigt er sich laut eigener Aussage seit vielen Jahren mit der christlichen Religion im Allgemeinen und dem Umgang der Kirche mit ungetauften Neugeborenen im Besonderen. »Im Mittelalter hat die Kirche den Standpunkt vertreten, dass diese Neugeborenen nicht in den Himmel kommen können. Im Gespräch mit unserem Pfarrer habe ich mir Klarheit über diese Frage sowie weitere mich seit langer Zeit bewegende Themen verschafft, was Voraussetzung für meine Taufe war«, so der Künstler.

Die Geburt eines Kindes hält er für eines der letzten Wunder auf dieser Welt. »Aber auch Wunder funktionieren leider nicht immer, und weil die anstehende Geburt eines Kindes in aller Regel mit großer Freude erwartet wird, bringt es, wenn es schiefgeht, die Betroffenen in eine ganz schlimme Situation«, so Rainer Pleß. Deshalb sei für ihn das Mitwirken an der Schaffung des Gedenkortes »ein inneres Bedürfnis« gewesen. »Die dargestellten Hände sind einerseits als schützende, andererseits als betende Hände zu verstehen.«

 

Einweihung am 23. November im Anschluss an den Gottesdienst in der Friedhofskirche gegen 11.30 Uhr.

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