1. November 2008 - MEISSEN
Das „neue“ Triumphkreuz im Dom zu Meißen
Das Bild des Gekreuzigten als Mittelpunkt in der Kirche

Festgottesdienst zum Reformationstag
MEISSEN - Im Domgottesdienst zum Reformationsfest wurde zum ersten Mal das neu über dem Lettner aufgehängte Triumphkreuz mit einer mittelalterlichen lebensgroßen Christusfigur der Öffentlichkeit vorgestellt Die in den letzten zwei Jahren aufwendig restaurierte Figur aus Lindenholz wurde in der Meißner Wolfgangskirche entdeckt und stammt aus der Zeit um 1500. Der Gottesdienst, in dem auch der Domchor sang, war gleichzeitig ein zentraler Gottesdienst für die Gemeinden in Meißen. Das Domkapitel kam zu seiner traditionellen Tagung an diesem Tag zusammen.
Das „neue“ Kreuz im Meißner Dom solle neben seiner liturgischen und ikonologischen Aufgabe daran erinnern, dass es seit der Mitte des 13. Jahrhunderts bis weit in das 16. Jahrhundert hinein im Dom immer schon ein Triumphkreuz oder eine Triumphkreuzgruppe gegeben habe, sagt Dombaumeister Günter Donath, der im Zusammenhang mit der Restaurierung dieser Christusfigur über vergleichbare Darstellungen forschte. „Das Bildnis des gekreuzigten ist der Mittelpunkt aller evangelisch-lutherischen und katholischen Kirchen“, so der Architekt.

Neben der Restaurierungsleistung durch den Domrestaurator Peter Vohland war es eine Herausforderung, die über 185 cm große Figur über dem Lettner zur Geltung zu bringen. Dazu wurde die Neuanfertigung eines Auflagekreuzes notwenig, welches jetzt zusammen mit dem Korpus noch größer 260 Kilogramm wiegt und an zwei dünnen Seilen die Blickrichtung über der Raumteilung bestimmt. Die Kosten der Gesamtmaßnahme wurden vom Hochstift Meißen, dem Dombau-Verein sowie durch private Spenden aufgebracht.
Der Weg des Kreuzes in den Dom war letztlich nahe liegend, nachdem das Hochstift Meißen die zuletzt als Baumateriallager genutzte Wolfgangskirche im Meisatal erwarb und 1998 das gefährdete Kruzifix in das Kunstlager des Doms überführte. Das Kreuz war im Zuge der Erneuerung der Kirche in den 1940er Jahren aus den Beständen des Sächsischen Altertumsvereins hierher gelangt. Dieser hatte das Kreuz wiederum rund 100 Jahre zuvor aus einer sächsischen Dorfkirche übernommen.


