15. November 2008 - CHEMNITZ
Jüdische Gemeinde in Chemnitz weiht neue Thorarolle ein
Bürgerschaft sammelte für die Neuanschaffung rund 25.000 Euro Spenden
CHEMNITZ - Die jüdische Gemeinde in Chemnitz weiht am 16. November ihre erste neue Thorarolle seit der Reichspogromnacht von 1938 ein. Zu der Feier in der Synagoge hätten sich zahlreiche Rabbiner angekündigt, sagte Gemeindevorsitzende Ruth Röcher am 12. November auf epd-Anfrage. Zur Einweihung gehöre, die Rolle symbolisch zu vollenden, indem die letzten Buchstaben geschrieben werden. Danach werde sie in den Thoraschrein gehoben, sagte Röcher.
Die Thorarolle wurde in Jerusalem hergestellt. Ein vor zehn Jahren nach Chemnitz gekommener jüdischer Emigrant, der inzwischen in Israel lebt, habe sie ausgesucht. Zur Finanzierung der Schriftrolle hätten Mitglieder der jüdischen Gemeinde 5.000 Euro zur Verfügung gestellt. Auf Initiative des evangelischen Superintendenten von Chemnitz, Andreas Conzendorf, wurden in der Bürgerschaft weitere 25.000 Euro Spenden für die Neuanschaffung gesammelt. Die unmittelbaren Kosten der Rolle betrugen nach Gemeindeangaben 20.000 Euro.
Die Chemnitzer Synagoge wurde von den Nationalsozialisten gebrandschatzt und zerstört. In der DDR erhielt die Gemeinde vier gebrauchte Thorarollen als Geschenk. Diese sind inzwischen stark abgenutzt, sollen Röcher zufolge aber vorerst in der Synagoge bleiben. Die Thorarollen enthalten die fünf Bücher Mose. Im Gottesdienst wird aus ihnen gelesen. Der jüdischen Gemeinde in Chemnitz gehören 650 Mitglieder an. Die neue Synagoge wurde 2002 eingeweiht. ( epd© 12.11.08 )


