31. Dezember 2008 - RADEBEUL
Diakonie Sachsen: Ein Rettungspaket für soziale Arbeit!
Bei akuten Notlagen dürfen Kosten den Zugang zur Hilfe nicht versperren

OKR Christian Schönfeld
RADEBEUL - „Wenn Banken und Wirtschaftsunternehmen Sozialhilfe beantragen, geht es ganz schnell. Bürgschaften, Rettungsschirme, Konjunkturpakete - Bund und Land gehen im Rahmen der Finanzkrise nahezu jeden Tag neue, milliardenschwere Verpflichtungen ein, um zu retten, was noch zu retten ist. Wie wäre es mit einem Rettungspaket für die soziale Arbeit in Sachsen? Egal ob in der Pflege, in der Beratungsarbeit oder im Krankenhaus: Die Arbeit für und am Menschen wird seit Jahren krank geschrumpft und jetzt ist die Schmerzgrenze überschritten“, sagte Diakonie-Direktor Christian Schönfeld, der gerade zu Weihnachten den Stellenwert diakonischer Arbeit für die Gesellschaft ins Gedächtnis rufen will.
So seien viele Angebote der Diakonie für die Betroffenen kostenlos wie u.a. die Beratungsdienste für arme, arbeitslose und wohnungslose Menschen, Suchtkranke, psychisch Kranke, Überschuldete, Frauen und Paare bei Schwangerschaftskonflikten oder für Menschen mit Problemen in der Familie. Gerade bei einer akuten Notlage dürften Kosten den Zugang zur Hilfe nicht versperren. Gleichzeitig würden diese Hilfen Menschen erreichen, die meist nur über sehr wenig Geld verfügen.
„Für den Kitt, der unsere Gesellschaft zusammenhält, ist dieses diakonische Engagement unersetzlich“, so der Direktor des Diakonischen Amtes. Dennoch würden diakonische Einrichtungen immer öfter an den Rand der Insolvenz gedrängt. Der Grund: Erbrachte Leistungen würden nicht mehr angemessen vergütet und auf dem Verhandlungsweg komme mit den Kostenträgern keine Einigung zustande. Gleichzeitig aber seien die gesetzlichen Anforderungen an die Qualität und die Dokumentationspflichten der Beratungsarbeit gestiegen, die entsprechenden Vergütungen dafür aber gesunken.
„Das kann nicht gut gehen“, warnt Schönfeld, denn „Diakonische Hilfen brauchten hohe Kompetenz und Sachverstand. Egal, ob bei Beratung oder bei der Pflege“. So seien ausgebildete Fachkräfte das A und O. „Die Güte unserer Arbeit im Sinne von Qualität und Fachkenntnis ist ebenso wichtig wie die Güte im Sinne von Zuwendung“. Hier noch weiter zu sparen hieße für den Diakonie-Chef Diakonische Einrichtungen müssten schließen und Personal müsste entlassen werden.
Schönfeld: „Wir müssen neu darüber nachdenken, welchen Wert wir sozialer Arbeit in unserer Gesellschaft beimessen wollen. Warum ist uns die Arbeit für und an Menschen weniger wert, als die Arbeit an Computern oder Maschinen?“ Die Diakonie Sachsen werde sich als einer der größten Arbeitgeber in Sachsen im Wahljahr 2009 ihr politisches Gewicht dafür in die Waagschale werfen, dass soziale Arbeit in Sachsen wieder einen größeren Stellenwert erhält.(DW)


