Navigation überspringen

Forum

Hier ist Ihre Meinung gefragt. Reden Sie mit und tauschen Sie sich im Forum unter evangelisch.de mit anderen Menschen aus.

Chat

Kommen Sie ins Gespräch und finden Sie in unserem Chat neue Freunde!

Aktuelles

7. Mai 2009

Wort der Kirchenleitung zu 20 Jahre friedliche Revolution in Dresden vorgestellt

Rückblick auf die Rolle der Kirche in der damaligen Konfliktbewältigung

Bild: Landesbischof i.R. Hempel und Bohl
Landesbischof i.R. Hempel (l.) und Landesbischof Bohl

DRESDEN – Landesbischof Jochen Bohl hat am 7. Mai in Dresden das Wort der Kirchenleitung zu 20 Jahre friedliche Revolution und 20 Jahre Ökumenische Versammlung vorgestellt und erläutert. „Wir stehen zur friedlichen Revolution. Als Christen nehmen wir es als besondere Gnade Gottes an, dass damals kein Mensch zu Tode kam“, sagte er. Ebenfalls mit Dankbarkeit vermerkte er, dass innerhalb eines Jahres die Grenzen verschwunden und dass heute keine Gefühle der Rache und des Hasses zu verspüren seien.

„Die jahrzehntelange Religionsfeindschaft hat dem Volk geschadet“, stellt Bohl rückblickend fest. Aus dem Umbruch sei kein Aufbruch zum Glauben erwachsen. Dennoch stünde die Kirche weiterhin in der Mitte der Gesellschaft. Im Wort der Kirchenleitung unterstrich er die Verantwortung der Kirche zu gesellschaftspolitischen Fragen. Beispielsweise stünde die Mahnung an eine gerechtere Weltwirtschaftsordnung auf Tagesordnung. Außerdem sei gerade vor dem historischen Kontext einer Politikverdrossenheit entgegenzuwirken, so Bohl.

Bild: Landesbischof i.R. Dr. Johannes Hempel
Dr. Johannes Hempel

Landesbischof i.R. Dr. Dr. h.c. Johannes Hempel stellte in seiner persönlichen Rückschau nüchtern fest, das die Leitungsgremien der Kirche in der Außenwahrnehmung vor dem Umbruch als „Helden“ und später als „Mitgestalter im Staatssozialismus“ angesehen wurden. „Beides waren wir nicht“, stellte Hempel klar und verwies enttäuscht darauf, dass die kirchliche Begleitung der Menschen zu DDR-Zeiten gar nicht mehr Erwähnung finde. Tatsächlich aber ging es damals wöchentlich um Konfliktbewältigung in Schule, Ausbildung, bei Ausreiseanträgen und in Fragen des Militärdienstes. Der Altbischof verwies auf die geöffneten Räume der Kirche, die von staatlicher Seite als verfassungsfeindliche Aktion gewertet wurden und die eine „Überlebensfrage“ für verschiedene Gruppen gewesen seien.

In dem DDR-Gesellschaftsaufbau einer „monarchistischen Oligarchie“ sei nach Aussage von Hempel die Kirche in einer „paradoxen Rolle“ gewesen. So musste sie um der Menschen willen mit den Staatsvertretern verhandeln, aber im Grunde wollte sie es nicht. In dieser Zwangslage konnte die Kirche nur „unvollkommen“ handeln, aber eine Verweigerungshaltung hätte bedeutet, „die Menschen fallen zu lassen“.

Bild: Pressegespräch

Elisabeth Naendorf, Referentin für Ökumene im Ökumenischen Informationszentrum in Dresden erinnerte an die Ökumenische Versammlung 1988/89 mit der Veröffentlichung von Grundsätzen zur Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung. Hier seien Grundlagen erarbeitet worden, die damals politische Forderungen unterstützten und die heute angesichts der Weltlage immer noch Gültigkeit hätten. „Damals wurden die Überlebensfragen aufgegriffen“, resümiert Naendorf. Das Dresdner ÖIZ als „Kind“ der Ökumenischen Versammlung wurde im Sommer 1990 gegründet.

Der Dresdner Pfarrer Andreas Horn sah in den Auseinandersetzungen um die Auszählungen bei der Kommunalwahl vor genau 20 Jahren zum ersten Mal ein „Umkippen des allgemeinen Unmuts ins Politische“. Er war selbst Beobachter der Wahl und hing seine Auszählung in einen Schaukasten seiner Gemeinde. Bereits Anfang April hatte die Frühjahrssynode der Landeskirche einen Aufruf an alle Gemeinden gegeben, die anstehenden Wahlen zu thematisieren und im Blick zu behalten. Die Synode erhob Kritik am Wahl- und Auszählungsverfahren und dem Manko keiner ordentlichen Kandidatenauswahl.

Schriftgrösse
[A]
[A]
[A]
Link-Tipps