2. September 2009 - RADEBEUL
„Der Umgang mit Menschen - das wär's“
Bildungsjahr mit Freiräumen, Entfaltungs- und Experimentiermöglichkeiten
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Martin Wachtel machte Freiwilliges Soziales Jahr
Von Sigrid Winkler, Diakonisches Amt
Er gehört zweifellos zu den „global kids“: Abitur in Hoyerswerda, Jobben in London, Freiwilliges Soziales Jahr im Missionshof Lieske. Wie bitte? Von London in die Sächsische Provinz und mit Menschen mit Behinderungen arbeiten und leben? Geht das überhaupt? „Natürlich geht das. Und sogar sehr gut!“. Martin Wachtel muss lachen, die grünbraunen Augen blitzen: „Alles nur eine Einstellungssache“. Und im Grunde vereinigt der 20jährige nur die elterlichen Anteile:
Vom Vater, der als Anlagenbauer um die Welt tourt, das Fernweh. Von der Mutter, die bei der Diakonie in Kamenz in der Familienpflege arbeitet, die Hinwendung zum Menschen. „Ich habe angefangen, Maschinenbau zu studieren, weil mich die weltweiten Einsatzmöglichkeiten reizten. Aber dann habe ich ziemlich schnell begriffen, dass Technik nicht das ist, was mir liegt.“ Das Studium wurde abgebrochen und Martin Wachtel ging erst mal nach England. „Ich bin mit vier Bangladeshis in eine klitzekleine Wohnung mitten in London gezogen und habe auf Musikfestivals gejobbt.“ Das war anstrengend, aber auch aufregend.
Die lebensbiographisch eingebaute Reflexionsphase ergab: „Der Umgang mit Menschen, das wär´s für mich. Also Soziale Arbeit studieren. Aber ob und wie weit trägt diese Entscheidung?“ Martin Wachtel beschloss, seine Überlegungen auf Tragfähigkeit hin zu überprüfen. „So eine Entscheidung sollte ja gut unterfüttert sein und nicht wieder wie beim Maschinenbau-Studium die Quellen aus ganz anderen Motiven gespeist sein.“ Und was lag näher als ein Freiwilliges Soziales Jahr?
„Jugend ist eine eigenständige Lebensphase. Besonders kritisch sind die Übergänge von der Schule zu Ausbildung oder Studium – wenn es darum geht, sich festzulegen. Ein FSJ ist dann eine wunderbare Möglichkeit, noch einmal einen Freiraum zu nutzen, zu schauen: Wo will ich hin, was kann ich, was entspricht mir? Es ist ein Bildungsjahr, das Freiräume, Entfaltungs- und Experimentiermöglichkeiten bietet,“ sagt Christian Schönfeld, Chef der Diakonie Sachsen. Die Diakonie habe daher die FSJ-Plätze für 2009 auf 95 aufgestockt.
Die Teilnehmenden des Jahrgangs 2009 haben ihren Dienst bereits am 1. September angetreten; am Sonnabend, 5. September 2009, um 16:00 Uhr, werden sie mit ihren Eltern, Angehörigen und Freunden zu einem Eröffnungsgottesdienst in der Dresdner Dreikönigskirche eingeladen.
Die jungen Erwachsenen arbeiten in verschiedenen sozialen Einrichtungen, z.B. in der Alten- und Behindertenhilfe, der Kinder- und Jugendhilfe oder in Kirchgemeinden. Sie sind sozialversichert und erhalten ein monatliches Taschengeld sowie Sachbezüge für Unterkunft und Verpflegung. Vom FSJ-Referat der Diakonie Sachsen werden sie während der Zeit pädagogisch begleitet. Sie nehmen während der zwölf Monate an drei Bildungsseminaren teil.(Öffi_DW)


