2. Oktober 2009
Evangelischer Bund zu seiner 101. Generalversammlung in Leipzig
Sächsische Kirchenleitung auf der Generalversammlung in Leipzig

LEIPZIG - Bis zum 4. Oktober werden sich in Leipzig-Plagwitz die rund 150 Teilnehmenden der 101.Generalversammlung des Evangelischen Bundes mit dem Thema „Missionsland Deutschland“ beschäftigen. In Vorträgen, Bibelarbeiten und Arbeitsgruppen geht es um den missionarischen Auftrag des Protestantismus.

Präsidentin und Vizepräsident: Prof. Dr. Gury Schneider-Ludorff (r.) und Propst Dr. Sigurd Rink. (Foto: EB/Genthe)
„Wer nicht darüber Auskunft geben kann, was ihn im Leben begeistert, hält und trägt, wer nicht mehr über sich selbst hinausweisen möchte, der hat nichts mehr zu sagen und dem droht auf Dauer die Bedeutungslosigkeit“, so eröffnete die Präsidentin des Evangelischen Bundes, Gury Schneider-Ludorff, am Abend des 1. Oktober die 101. Generalversammlung in der Heilandskirche in Leipzig-Plagwitz. Zwanzig Jahre nach der friedlichen Revolution tagt das Konfessionskundliche und Ökumenische Arbeitswerk der Evangelischen Kirche in Deutschland in Leipzig. „Wir sollten die vielfältigen Traditionen, die wir vorfinden, erinnern, neu deuten, aktualisieren und fortschreiben. Die Gesellschaft in der Bundesrepublik und die Gesellschaft in Europa muss und darf mit den Protestantinnen und Protestanten rechnen.“ Darin sieht die Kirchenhistorikerin auch die Verpflichtung für den Evangelischen Bund.

Versammlung im Telekom Training Tagungshotel
Neben dem evangelischen Landesbischof Friedrich Weber (Wolfenbüttel) referiert der Leipziger Theologe Peter Zimmerling. Der katholische Bischof Joachim Reinelt (Bistum Dresden-Meißen) wird am Sonnabend eine Bibelarbeit halten.
Bereits am Donnerstagnachmittag stellte der Generalsekretär des Evangelischen Bundes, Pfarrer Dr. Walter Fleischmann-Bisten, im Rahmen der Mitgliederversammlung den Ökumenischen Lagebericht 2009 vor. Unter dem Titel „Ehrlichkeit und Mut. Jubiläen im ökumenischen Kontext“ stellte er damit ökumenische Entwicklungen und Perspektiven 2008/2009 dar. Aus den vielfältigen Jubiläen des Jahres (500 Jahre Johannes Calvin, 400 Jahre Baptismus, 100 Jahre Berliner Erklärung, 75 Jahre Barmer Theologische Erklärung) folgert der Theologe und Historiker: „Ehrlichkeit in der Auseinandersetzung mit dem ökumenischen Partner und Mut zum eigenen Bekenntnis mit allen Konsequenzen gehören untrennbar zusammen.“

Landesbischof Jochen Bohl begrüßt die Generalversammlung und stellt die Landeskirche vor. Insbesondere das kirchliche Engagement in Kindergärten und Schule in Leipzig hob er hervor.
„Wer auf Christus hört, der lebt nicht in den Tag hinein, sondern gestaltet das Morgen.“ In einer Eröffnungsandacht zur Generalversammlung wies Landesbischof Jochen Bohl in der Heilandskirche auf den Zusammenhang von Mission und Gottvertrauen hin. Das biblische Wort „Sorget nicht!“ steht immer im Zusammenhang mit der Aufforderung „Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes, so wird euch alles andere zufallen.“ Diese Orientierung am Wort Gottes eröffnet neue Perspektiven auch in einer vordergründig perspektivlos erscheinenden Situation.
Ort, Zeit und Thema der Generalversammlung, so Bohl, sind kongenial gewählt: „Leipzig ist die richtige Wahl zu diesem Thema und zu dieser Zeit. Hier sind Christen eine Minderheit. Das hat sich auch nicht durch die große Bedeutung geändert, die die Protestanten in der Wende von 1989 gewonnen hatten.“

Pirnaer Superintendentin Uta Krusche-Räder
Superintendentin Uta Krusche-Räder aus Pirna beschrieb in einer Bibelarbeit den Tauf- und Missionsbefehl des Matthäusevangeliums (Mt 28). Die zentrale Erfahrung der Bibel ist die Wahrnehmung, „wie sich Menschen begeistern können für die Sache Jesu“. Das, so die einzige Frau an der Spitze einer sächsischen Superintendentur, sei die bleibende Essenz des Evangeliums, denn „das Wort Gottes ist immer Einladung und Auftrag zugleich.“ Dabei orientiere sich Mission im Alltag, ob in fernen Ländern oder in der Gemeinde und im Umfeld vor Ort immer an wirklichen Menschen in wirklichen Lebenssituationen: „In Jesu Reden geht es nicht um Theologie, sondern um die Veränderung von Lebenswirklichkeiten.“ Deshalb erschöpft sich eine evangelische Mission nicht in der Taufe oder der kirchlichen Lehre allein, sondern ist immer die Verbindung von beidem.(Öffi_Ev. Bund)
Der Evangelische Bund widmet sich in Veranstaltungen, Seminaren und Publikationen aktuellen Themen der Konfessionskunde, der Ökumene und der Weltanschauungsfragen. Durch das Konfessionskundliche Institut berät und unterstützt er Gemeinden, Einrichtungen und Kirchenleitungen im Bereich der Evangelischen Kirche in Deutschland und der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa.


