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10. Februar 2010

Sparkurs des Sozialministeriums demoralisiert die „Arbeit mit Kindern und Jugendlichen“

Aufforderung an das Sozialministerium, die geplanten Kürzungen zu überdenken

Die beabsichtigten Einsparungen im Bereich der „Arbeit mit Kindern und Jugendlichen“ erreichen für die örtliche wie auch landesweite Jugendarbeit eine nie da gewesene Relevanz. Der geplante Kahlschlag von 30 % betrifft nicht nur einzelne wichtige Projekte und Angebote, sondern bewirkt die Zerstörung von Strukturen und Netzwerken mit unabsehbaren Auswirkungen auf die außerschulische Pädagogik und auf soziale Betreuungsangebote.

Die Einsparungen im Bereich der verbandlichen, offenen und mobilen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen werden die hier tätigen Sozialpädagogen und Jugendmitarbeiter genauso demoralisieren wie die bisher erreichten Kinder und Jugendlichen. Wie ist der heranwachsenden Generation zu vermitteln, dass ausgerechnet bei Kindern und Jugendlichen der „Rotstift“ unverhältnismäßig angesetzt wird?

Im landesweiten Jugendarbeitsbereich der Evangelischen Jugend käme es zu einer Kürzung von mindestens einer Personalstelle. Eine Personalstelle erreicht ca. 50 hauptamtliche Jugendmitarbeiterinnen und -mitarbeiter auf örtlicher bzw. regionaler Ebene. Diese wiederum kümmern sich um mehr als 2.000 Ehrenamtliche, welche vor Ort die Angebote für Jugendliche mit tragen. In einem verheerenden Schneeballeffekt wären allein im Bereich der Ev. Jugend letztlich tausende Jugendliche betroffen.

Darüber hinaus werden im landesweiten Fachverbund der evangelischen Jugendsozialarbeit (LAG SOJA) die geplanten Kürzungen der Jugendpauschale die Existenz von 15 der jetzt 50 Einrichtungen bedrohen. Immerhin erreicht jedes dieser Angebote im Durchschnitt 70-120 Kinder bzw. Jugendliche pro Woche.
Ein Beispiel: Ein Jugendzentrum organisiert 5 Tage in der Woche regelmäßig und zuverlässig verschiedene Angebote für Kinder und Jugendliche des Wohngebietes. Dazu kommen zusätzliche zeitbegrenzte Projekte und Aktionen (Wochenende, Ferien, Exkursionen…). Zurzeit wird dieses Jugendzentrum von einer Fachkraft hauptberuflich geleitet. Nun ist diese Stelle bedroht. Wird das Jugendzentrum schließen müssen?

Bereits jetzt sinken die Mittel der Jugendpauschale aufgrund des demographischen Wandels. Die nun geplanten landespolitischen Kürzungen ziehen auch den kommunalen Anteil nach unten, der der Landesförderung entspricht. Massive Einschnitte werden die Folge sein.

Das Ev.-Luth. Landesjugendpfarramt fordert im Namen der Landesjugendkammer das Sozialministerium auf, die geplanten Kürzungen zu überdenken. Es kann nicht hingenommen werden, dass ohne Blick auf die Auswirkungen pauschal gekürzt wird und zwar dort, wo es gerade geht. Das gilt umso mehr, wenn der relativ bescheidene Einsparungsbetrag ins Verhältnis zu den absehbaren Folgen gesetzt wird. Wir erwarten, dass die Wahrung des sozialen Friedens und die Investitionen in die heranwachsende Generation genauso ernst genommen werden wie die Rettung des Finanz- und Wirtschaftssystems!“

Tobias Bilz
Landesjugendpfarrer

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