12. Februar 2010
Gründung der Bundesarbeitsgemeinschaft gegen Rechtsextremismus
Oberbürgermeisterin Orosz: Am Ende wird die Demokratie siegen

DRESDEN – Im Haus an der Kreuzkirche kamen am 12. Februar 2010 über 100 Teilnehmer zur Gründungsveranstaltung der Bundesarbeitsgemeinschaft „Kirche für Demokratie gegen Rechtsextremismus“ zusammen. „Der Anlass für diese Gründungsveranstaltung ist kein erfreulicher“, sagte Landesbischof Jochen Bohl und bezog dies auf die lange öffentliche Präsenz der neuen Nazis, nicht zuletzt in Sachsen durch den Wiedereinzug der NPD in den Landtag.

Für die Kirche sei dies Impuls, den Widerstand zu verstärken und kreative Aktivitäten zu entwickeln. So erinnerte er an das gerade zu Ende gegangene Aktionsjahr der sächsischen Landeskirche „Nächstenliebe verlangt Klarheit. Kirche für Demokratie – gegen Rechtsextremismus“.
Für eine klare Haltung der Kirche gegen die neuen Nazis gebe es gute Gründe. So sieht der Landesbischof im „unbußfertigen Umgang mit der Vergangenheit“ eine Gewissenlosigkeit, der sich Christen entgegenstellen müssten. Ein weiterer Punkt sei, dass die frohe christliche Botschaft allen Menschen gelte, da sie vom „Schöpfer gleichermaßen geschaffen und mit den gleichen unverlierbaren Rechten begabt und ausgestattet sind“. Das bedeute auch, dass Antisemitismus abzulehnen sei. Aufgrund des Bundes Gottes mit seinem Volk sei der Platz eines jeden Christenmenschen an der Seite der Juden. Zudem komme es immer wieder zu rechtsextremistisch motivierter Gewalt, die in den letzten Jahren vielen Menschen erleiden mussten.

Zur Veranstaltung, an der Pfarrer und Pfarrerinnen, Theologinnen und Theologen sowie kirchliche und nichtkirchliche Initiativen aus ganz Deutschland teilnahmen, sprachen u.a. auch die Dresdner Oberbürgermeisterin Helma Orosz und Superintendent (Dresden Mitte) Dr. Peter Meis. Orosz erinnerte an die Gewalttat am Mosambikaner Jorge Gomodai, der an den Folgen eines Übergriffs von Rechtsextremisten 6. April 1991 verstarb. Sie sieht aus dem „dramatischen Verbrechen“ die Verantwortung die zivilgesellschaftliche Basis der Gemeinschaft zu stärken. Die Oberbürgermeisterin misst der Bundesarbeitsgemeinschaft eine besondere Bedeutung bei der demokratischen Vernetzungsarbeit gegen neofaschistische Gruppen bei. Sie warb erneut für die geplante Menschenkette als ein „gemeinsames Auftreten der Anständigen“. Zum appellierte an das gemeinsame Engagement, denn dann werde am Ende die Demokratie siegen.
Im weiteren Programmverlauf der Gründungsveranstaltungen wurden in Kurzvorträgen das Anliegen der Bundesarbeitsgemeinschaft anhand von Beobachtungen aus der rechten Szene und entsprechende Gegenpositionen vorgetragen sowie im Erfahrungsaustausch Projektbeispiele besprochen. Am Ende standen der Entwurf eines Profils und die Perspektiven der Bundesarbeitsgemeinschaft. Im Kern geht es darum, deutschlandweit den innerkirchlichen Diskurs um rechtsextreme Erscheinungsformen sowie die Vernetzung in der praktischen Auseinandersetzung mit der extremen Rechten zu fördern.
Die Initiatoren der bundesweiten Arbeitsgemeinschaft - Aktion Sühnezeichen Friedensdienste, das Kulturbüro Sachsen e.V. Miteinander e.V. aus Sachsen-Anhalt – haben sich bewusst dafür entschieden, einen Tag vor dem befürchteten Neonaziaufmarsch in Dresden ein klares Signal des Engagements der Kirchen gegen Rechtsextremismus zu setzen.

Zu den Erstunterzeichnern des Aufrufes für die Bundesarbeitsgemeinschaft gehören neben Landesbischof Jochen Bohl auch die die Frankfurter Pröpstin Gabriele Scherle sowie der Hamburger Synodalpräsident Hans-Peter Strenge und der Eisenacher Oberkirchenrat Christhardt Wagner sowie die Generalsekretärin von Pax Christi e.V., Christine Hoffmann.


