Navigation überspringen

Forum

Hier ist Ihre Meinung gefragt. Reden Sie mit und tauschen Sie sich im Forum unter evangelisch.de mit anderen Menschen aus.

Chat

Kommen Sie ins Gespräch und finden Sie in unserem Chat neue Freunde!

Aktuelles

9. März 2010

Landeskirche sieht „Friedwald“-Vorhaben kritisch

Der kulturelle Grundwert der Wahrung der Totenruhe ist nicht gewahrt

Bild: Baumkronen
Der Mensch und sein Leben ist mehr als nur ein Teil eines ewigen naturhaften Kreislaufes

DRESDEN – Der neuerliche Anlauf zur Ausweisung eines Waldstückes im Landkreis Meißen zum Zwecke der Bestattung wird seitens der sächsischen Landeskirche kritisch gesehen. Die Geschäftsidee entstand vor Jahren in der Schweiz. In Sachsen konnte sie bislang nicht umgesetzt werden. Inwieweit es zu den meist von Altbaumbestand bewachsenen Friedhöfen tatsächlich eines solchen Bestattungsplatzes bedarf, bleibt fraglich, zumal auf den herkömmlichen Friedhöfen unterschiedliche Bestattungsformen auch hinsichtlich Grabpflege angeboten werden.
 
Mit dem Bestattungswald werden für die Trauerbegleitung und das Gedenken am Beisetzungsort Hürden aufgebaut. Wenn „die Natur die Grabpflege“ übernimmt, wie es verlockend heißt, bedeutet es gerade für ältere Menschen oder Menschen mit Behinderung einen erschwerten Zugang. Schon den Bestattungswald zu erreichen und den bestimmten Baum unter Bäumen zu finden ist nicht ohne weiteres möglich. Die Pflege herkömmlicher Trauerbräuche wie Blumenschmuck und Kerzen als Ausdruck der persönlichen Dankbarkeit und als Hilfe zur Trauerbewältigung sind hier unerwünscht, der unmittelbare Beisetzungsort nicht identifizierbar.

Bild: Grabmal - Engel tröstet
Beistand, Trost und Hoffnung der Auferstehung brauchen konkreten Ort und konkrete Zeichen

Angesichts von Sturm, Blitzschlag und Schädlingsbefall kann der versprochene 99-jährige Bestand eines konkreten Baumes nicht garantiert werden. Und der Ersatzbaum ist eben kein Ersatz für den vom Verstorbenen zu Lebzeiten gewählte und damit besondere Baum.
Die bei der Anlage eines neuen Bestattungsplatzes eingegangenen Verpflichtungen müssten jedoch nach einem möglichen Rückzug des Geschäftsunternehmens mit allen Folgekosten von der Kommune übernommen werden.

Die Beauftragte für Friedhöfe in der Landeskirche, Simone Meinel, sieht die „Friedwald“- Konzeption und ähnliche Angebote nicht im Einklang mit den grundlegenden Regelungen der Bestattungsgesetze. So werde als maßgebliches Wesensmerkmal für einen Bestattungsplatz gefordert, dass die Totenruhe gewährleistet und er nach außen ausreichend abgeschirmt und umfriedet ist. Wenn dies und der Schutz vor Tieren oder unangemessenem Freizeitverhalten im Wald nicht gewährleistet werden kann, sei für die Referentin der kulturelle Grundwert der Wahrung der Totenruhe nicht gewahrt.

 „Die „Friedwald“- / „Ruhewald“- oder „Ruheforst“- Konzeption verspricht weit mehr als sie einzulösen vermag“, beurteilt Meinel. Nach ihrer Meinung stehe diese Geschäftsidee im „Trend der Verdrängung des Sterbens und des Todes aus der Gesellschaft und in bewusstem Gegensatz zu der bisher in unserem Raum üblichen, auf christlichen Wurzeln beruhenden Bestattungskultur“. Daran könne auch die Verwendung christlicher Symbole nichts ändern. Alle Veränderungen im Bestattungs- und Friedhofswesen würden nachhaltige Wirkungen hervorrufen, so Meinel.

Hintergrund der kirchlichen Stellungnahme ist die seit einiger Zeit mit erstaunlicher Intensität geführte Diskussion um neue Bestattungsformen und Angebote, bei denen insbesondere individuelle Optionen an die Stelle von gemeinschaftsbildenden Traditionen treten. Die Kirche muss auf die Wünsche der Verstorbenen reagieren, darf aber die seelsorgerliche Verantwortung gegenüber den Hinterbliebenen nicht nachrangig betrachten Alle Verstorbenen haben zu Lebzeiten in einem sozialen Gefüge gelebt. Für dieses soziale Gefüge (Angehörige, Freunde, Nachbarn, Kollegen) ist der Friedhof in der Gemeinde individueller und öffentlicher Ort des Gedenkens, der Besinnung und des Gebetes. Für Hinterbliebene ist er zudem ein Ort der so wichtigen Anteilnahme und der eigenen und gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit Sterben und Tod.

Bestattung

Schriftgrösse
[A]
[A]
[A]
Link-Tipps