15. Juni 2010
Sommerempfang der Landeskirche
Festvortrag beim diesjährigen Sommerempfang: „Die Mauer fiel in Prag“

Präsident Dr. Kimme, Synodalpräsident Guse, Landtagspräsident Dr. Rößler, Landesbischof Bohl
DRESDEN – Präsident Dr. Johannes Kimme begrüßte am Abend des 15. Juni zum diesjährigen Sommerempfang der Landeskirche zahlreiche Gäste aus Politik, Gesellschaft, Kirche und den Medien in der Dresdner Dreikönigskirche. Unter ihnen waren Bischof Joachim Reinelt (Bistum Dresden-Meißen), Dr. Markus Dröge, Ev. Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, der sächsische Landtagspräsident Dr. Matthias Rößler, die sächsische Staatsministerin für Soziales und Verbraucherschutz Christine Clauß, die Staatsminister Prof. Dr. Roland Wöller (Kultus und Sport) und Dr. Jürgen Martens (Justiz) sowie die Präsidentin des Sächsischen Verfassungsgerichtshofes, Birgit Munz. Der Präsident des Landeskirchenamtes erinnerte an den 15. Juni 1990, wo ein „großes Kapitel“ im damaligen Einigungsvertrag zum Amt für offene Vermögensfragen unterzeichnet wurde. Damit sei ein neues Rechtsgebiet aufgetan worden, so Dr. Kimme.

Kreuzchor vor den Gästen in der Dreikönigskirche
Landesbischof Jochen Bohl erinnerte ebenfalls in seinem Geistlichen Wort an den Aufbruch vor 20 Jahren und bezeichnete ihn als „wunderbares Ereignis“. Er zitierte den Lehrtext aus den Losungen dieses Tages: „Durch den Glauben gingen sie durchs Rote Meer wie über trockenes Land“. Das biblische Wort bezieht sich auf den Auszug Israels aus Ägypten in die Freiheit. Es gebe Segnungen die zum Leben gehören, sagte Bohl ganz persönlich. Von den Losungen würden „Impulse in die weite Welt bis heute wirken“. Er verwies damit auf den 250. Todestag Graf von Zinzendorfs in diesem Jahr. Die Ereignisse im Herbst 1989, die Maueröffnung bis hin zur deutschen Einheit seien ebenfalls ein Weg in die Freiheit. Bohl schloss den Bogen und würdigte die Ereignisse von damals entsprechend, dass es passender sei, von ‚Wunder’ zu sprechen als von ‚Wahnsinn’.

Dr. Franz Bertele
Wie deutlich diese Bewertung aus einer anderen Richtung untersetzt werden kann, machte der letzte Leiter der Ständigen Vertretung der Bundesrepublik Deutschland in der DDR, Dr. Franz Bertele, im anschließenden Festvortrag deutlich. Er führte aus, dass der Weg zur deutschen Einheit eine „Gratwanderung“ gewesen sei, die auch hätte scheitern können. Er nannte es nun Fortune was Deutschland in seiner Geschichte mal widerfuhr. Dr. Bertele erinnert sich an Misstrauen und damalige Widerstände im Ausland, bis hin zu intriganten Versuchen von diesen Freunden, den Prozess zur Einheit zu stoppen. Aufhänger des Vortrags war der Hinweis, dass sich die DDR-Führung bereits fünf Tage vor dem Berliner Mauerfall genötigt sah, ihren in der CSSR befindlichen Bürgern eine direkte und ungehinderte Ausreise nach Bayern zu gestatten. So seien ohne Botschaftsbesetzungen in Prag alleine vom 4. bis 6. November 20.000 Menschen genehmigungsfrei in die Bundesrepublik gelangt. Das sei der eigentliche Mauerfall gewesen, so der damalige Botschafter.

Tischrunde am Rebecca-Brunnen
Der Landtagspräsident überbrachte seitens des Freistaates Sachsen ein Grußwort und erinnerte an die Neugründung des Freistaates eng im Zusammenhang mit diesem Ort (Dreikönigskirche), wo sich die konstituierende Sitzung des ersten Sächsischen Landtages vollzog. Dr. Matthias Rößler verwies auf die Rolle der Kirche, unter der sich damals demokratische Verhaltensweisen entwickeln konnten und das Heimatliche bewahrt wurde. Zudem erinnerte er an die damaligen Ökologie-Gruppen sowie an die Ökumenische Versammlung in Dresden als erste „Volksansprache“. Darüber hinaus sei es in den letzten 20 Jahren den Kirchen gelungen, ihrer Verantwortung in der Gesellschaft gerecht zu werden, so Rößler.
Während der Veranstaltung in der Kirche sorgten Organist Maximilian Beutner sowie der Dresdner Kreuzchor unter Leitung von Roderich Kreile für die musikalische Gestaltung. Auf dem Platz hinter dem Kirchenturm rund um den Rebecca-Brunnen gab es anschließend Gelegenheit zum persönlichen Gespräch der zahlreichen Gäste.



