6. Juli 2010 - FREIBERG
Abendmusik vom 7. Juni 1945 erfährt eine Neuauflage
Im Rahmen des Gedenkens an das Kriegsende erinnert Freiberg an die Wiederaufnahme der Abendmusiken nach dem Zweiten Weltkrieg

Silbermann-Orgel im Dom St. Marien
FREIBERG – In der Reihe der Freiberger Abendmusiken wird am 8. Juli um 20:00 Uhr ein besonderes Konzert zu erleben sein. Domkantor Albrecht Koch wird gemeinsam mit der Geigerin Beate Voigt und dem Domchor genau das Programm darbieten, welches der vormalige Domorganist Arthur Eger am 7. Juni 1945 im ersten Nachkriegskonzert im Freiberger Dom aufgeführt hat. Auf Initiative von Rainer Frommann, der eine umfangreiche Reihe zum Gedenken an das Kriegsende vor 65 Jahren organisiert, soll dieses Besondere Konzert eine Wiederholung erfahren.
Arthur Eger, von 1926 bis 1967 Domkantor in Freiberg, hatte noch bis 1944 regelmäßig die wöchentlichen Abendmusiken an den beiden Silbermannorgeln durchgeführt. Dann wurde auch er an die Front eingezogen. 1945 kam er, schwer erkrankt, zu Fuß vom damaligen Aussig über das Erzgebirge nach Freiberg zurück. Unterwegs erfuhr er, dass die Stadt nicht zerstört und damit die einmalige Große Silbermannorgel nicht verloren gegangen war. Eger schreibt selbst: „Zuletzt wollte das marschieren nicht mehr gehen. Ich zwang mich, jedes Mal 500 Schritte zu laufen und dann eine Ruhepause einzulegen.“

Freiberger Dom St. Marien
Zwischen Nassau und Mulda fasste er den Entschluss, so schnell wie möglich wieder mit den Abendmusiken zu beginnen und überlegte sich das erste Programm. Drei Tage nach seinem Eintreffen in der Bergstadt wurde der Domorganist ins Krankenhaus eingeliefert. Dort ereilte den Kranken die Bitte der Militäradministration, doch sofort mit den Abendmusiken zu beginnen. Auch wenn ihm das noch nicht möglich war, nahm er diesen Wunsch freudig auf und es wurde der 7. Juni als erstes Konzertdatum genannt. Noch im Krankenhaus rief Eger seinen Domchor zusammen und probte für das Konzert, in welchem nur Werke von Johann Sebastian Bach erklingen sollte.
Am 7. Juni 1945 war der Dom bis auf den letzten Platz besetzt. In den Gängen drängten sich die Leute, 3.000 sollen es damals gewesen sein, hunderte mussten umkehren, weil sie keinen Platz mehr fanden. Das Konzert eröffnete Bachs berühmte Toccata und Fuge d-Moll. Die Zeitungen berichteten im ganzen Land von diesem besonderen Konzert, viele Heimkehrer aus der Gefangenschaft erzählten Eger später, wie ihnen diese Nachricht Kraft gegeben hätte.
65 Jahre später nun erklingt erneut das Konzertprogramm in einer Abendmusik. Neben zwei großen Bach-Orgelwerken werden die Sonate G-Dur und die Sonate e-Moll für Violine und Orgel erklingen, damals von der Geigerin Käthe Lehmann gespielt. Zwei Choralvorspiele in Egers Programm zeigen inhaltlich die Last der Zeit auf: „Ach bleib bei uns, Herr Jesu Christ“ aus den Schübler-Chorälen und „Wenn wir in höchsten Nöten sein“ aus dem Orgelbüchlein, wo es in einem Vers heißt: „Drum kommen wir, o Herre Gott, Und klagen dir all unsre Not“. Der Domchor sang wahrscheinlich diese beiden Choralsätze am Ende des Konzertes, genaues ist dazu leider nicht überliefert. Das Programm liegt aber im Stadtarchiv vor und gab den Anhaltspunkt für die Rekonstruktion des Konzertes.
Diese besondere Abendmusik schließt sich als ein Höhepunkt dieses Jahres an die Jubiläumsabendmusik zum 70-jährigen Bestehen der Reihe im September 2009 an. Am Abend vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges begann Arthur Eger mit regelmäßigen Musikalischen Abendfeiern am Donnerstagabend. Keinen Monat nach der Kapitulation Deutschlands griff er diese Tradition wieder auf, bis heute ist sie lebendig und findet beim Publikum regen Zuspruch. Die gerade erst generalüberholte Große Silbermannorgel von 1714 wie auch die Kleine Silbermannorgel auf dem Lettner von 1719 werden dem Konzert einen würdigen Rahmen geben.
Karten gibt es im Vorverkauf im Domladen und in der Freiberger Touristinformation, in Dresden in der Konzertkasse Societaetstheater sowie am Konzerttag ab 19:00 Uhr an der Abendkasse.


