1. November 2010 - ANNABERG-BUCHHOLZ
Manufaktur der Träume® in Annaberg-Buchholz eröffnet
Weltweit größte Sammlung erzgebirgischer Volkskunst

ANNABERG-B. - Mit einer traumhaften Inszenierung wurde am vergangenen Wochenende die Manufaktur der Träume - Sammlung Erika Pohl-Ströher in Annaberg-Buchholz eröffnet. In der Annaberger Altstadt, auf dem Annaberger Markt, im Haus des Gastes Erzhammer und in der Ausstellung selbst wurden Erzgebirgsträume wahr. Musikalische und kulinarische Träume, Volkskunst und Kunsthandwerk standen im Mittelpunkt. Besondere Glanzlichter waren die gigantische Multimediashow, die 1.500 Besucher in ihren Bann zog und die Eröffnungsveranstaltung am 29. Oktober für die Manufaktur der Träume - Sammlung Erika Pohl-Ströher.

Oberbürgermeisterin Barbara Klepsch sagte: „Ein Traum führte zur Stadtgründung von Annaberg. Nach über 500 Jahren ist nun erneut ein Traum zur Wirklichkeit geworden. Für uns als Stadt, für ganz Sachsen und all seine Gäste ist die Sammlung Erika Pohl-Ströher ein echter Schatz. Die Manufaktur der Träume nimmt den Besucher mit hinein in den Zauber der Erzgebirgsweihnacht, in die geheimnisvolle Untertagewelt, in ein wunderbares Spielzeugland. Sie spricht alle Sinne an. Mit Augen und Ohren, mit Herz und Verstand entdecken Besucher handwerkliche und künstlerische Schätze des Erzgebirges und anderer Regionen. Schönheit, Vielfalt, Buntheit, Glanz und Pracht der Stücke, aber auch Erfindungsgabe, Einfallsreichtum und Improvisationstalent von Künstlern und Handwerkern stehen im Mittelpunkt der eindrucksvollen Präsentation“.

Ministerpräsident Stanislaw Tillich (l.)
Und Ministerpräsident Stanislaw Tillich, der eigens aus Dresden angereist war, fügte hinzu: „Diese Ausstellung bereichert die Kulturlandschaft Sachsens und überwindet Grenzen. Sie zeigt Bürgersinn und hervorragendes Mäzenatentum. Sie stellt die Arbeit, die Tradition und die Volkskunst der Menschen im Erzgebirge in wunderbarer Weise dar“.
Außergewöhnliches Ausstellungskonzept – wunderbare Inszenierungen
Das Erlebnismuseum Manufaktur der Träume in Annaberg-Buchholz bildet die Heimstatt für 1.000 außergewöhnliche und seltene Exponate, die Frau Dr. Erika Pohl-Ströher in jahrelanger Arbeit zusammengetragen hat. Spielzeug- und Weihnachtsproduktion, bergbauliche und sakrale Themen, Schnitzkunst, Weihnachtsberge und Pyramiden, Lichterträger und Massefiguren bilden dabei besondere Schwerpunkte. Wunderbare Kinderspielzeuge, voll funktionsfähige Weihnachtsberge, uralte Buckelbergwerke und Flaschenpyramiden, ganze Bergparaden, eine begehbare Weihnachtsvitrine und ein großer Engelschor bieten außergewöhnliche Einblicke in die Volkskunst und das Handwerk des Erzgebirges. Auf Kinder und Familien hat sich die Manufaktur der Träume besonders eingestellt.

Historische Spielzeuge, Entdeckertunnel für die Jüngsten und interaktive Stationen, an denen Kinder selbst aktiv werden können laden dazu ein, das Haus mit allen Sinnen zu erleben.
Darüber hinaus sind der christliche Glaube und seine Reflektion in der Volkskunst ein besonderes Thema. Ein echter Glanzpunkt ist dabei der große Weihnachtsberg mit seinen acht mechanischen Ebenen. In einer elfminütigen Inszenierung zeigt er Jesu Leben von der Geburt bis zur Aussendung der zwölf Apostel. Er ist Teil eines außergewöhnlichen Ausstellungskonzeptes: Geheimnisvolle Welten inspirieren, laden zum Entdecken, Entspannen und Verweilen ein. Unter dem Motto: Sehen – Machen – Staunen ist die gesamte Sammlung gestaltet worden.

So nehmen interaktive Installationen, eine bunte Annaberger Kät, Miniaturwelten und Bergparaden die Gäste hinein in echte Traumwelten. Kindheitserinnerungen werden wach gerufen, das Erzgebirge mit seinen vielfältigen Traditionen wird lebendig. Töne, Lichteffekte und Geräusche setzen die Ausstellungsstücke in Szene. Besucher werden selbst aktiv, gehen auf Entdeckungsreise, lassen sich verzaubern, kommen ins Träumen und Schwärmen angesichts der wunderbaren und einzigartigen Stücke. Multimedia-Stationen, Informationstafeln, Filme und Audio-Stationen vertiefen die Eindrücke der Sammlung.
Jan Wünsche von der Gestaltungsfirma KOCMOC.net schwärmt: „Spannende Inszenierungen zeigen in der Manufaktur der Träume das Herz und die Seele der Erzgebirger“. Diese Meinung vertritt auch Jürgen Ellert, Betreiber der Erzgebirgsstube in Schönfeld und erster Besucher, wenn er sagt: „Diese Ausstellung muss man unbedingt kennen“. Andere Besucher sehen das ebenso. Bereits am Freitagabend und am Sonnabend wurden knapp 1.600 Gäste in der Manufaktur der Träume gezählt.

Mit ihren knapp 1.500 Exponaten stellt die Sammlung Erika Pohl-Ströher die weltweit größte Privatsammlung erzgebirgischer Volkskunst dar. Insgesamt besitzt die Manufaktur der Träume auf vier Etagen etwa 1.800 Quadratmeter Nutzfläche, davon rund 1.100 Quadratmeter Ausstellungsfläche. Ein gläserner Treppenturm erschließt alle Etagen. Gekrönt wird das neue Haus von einer Terrasse, die einen traumhaften Ausblick über die Stadt bis hin zum Fichtelberg bietet.
Für Stadt und Museumsleitung stellt die Eröffnung der Manufaktur keinen Endpunkt, sondern vielmehr einen Startpunkt dar. „Künftig wird die Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Familien einen Schwerpunkt bilden. Ihnen wollen wir die Inhalte der Sammlung zielgruppenspezifisch vermitteln. Fantasie und Entdeckerfreude sollen angeregt und Wissen spielerisch vermittelt werden.
Derzeit werden museumspädagogische Angebote entwickelt, die der jungen Generation die Inhalte der Manufaktur der Träume auf vielfältige Weise nahe bringen werden. Workshops zu den Themen „Kinder lernen im Museum“ und „Museum und Schule“ haben dafür erste Grundlagen gelegt. Darüber hinaus wird es eine enge Zusammenarbeit zwischen der Schokoladenmanufaktur und der Manufaktur der Träume geben“, so Dr. Silke Kral, Leiterin der städtischen Museen in Annaberg-Buchholz.
Und Dr. Peggy Kreller, Fachbereichsleiterin für Kultur, Marketing und Tourismus ergänzt: „Für Reisegruppen und Touristen wollen wir neue interessante „Pakete“ schnüren, die einen Aufenthalt in Annaberg-Buchholz und im Erzgebirge attraktiv machen“. Der nächste Höhepunkt steht unmittelbar bevor: Am 11. November wird der Verband erzgebirgischer Kunsthandwerker um 18.00 Uhr in der Manufaktur der Träume die Preisträger des diesjährigen Wettbewerbs „Tradition und Form“ auszeichnen. Gleichzeitig wird eröffnet die renommierte Künstlergruppe ExponaRt ihre Sonderausstellung „In Bewegung“
Spannende Ausstellungsgeschichte – Referenz an das Erzgebirge
Die Geschichte der Sammlung führt vom Erzgebirge über das Vogtland und Westdeutschland in die Schweiz und wieder zurück ins Erzgebirge. Entstanden ist sie im Andenken an Marie Ströher, die Großmutter der Sammlerin. Die Vorfahren der Familie Ströher stammen aus dem Erzgebirge. Anfangs in Böhmen beheimatet, kamen sie im 17. Jahrhundert als evangelische Glaubensflüchtlinge nach Sachsen.
Ein Vorfahre der Familie gehörte zu den Mitbegründern der erzgebirgischen Bergbaustadt Johanngeorgenstadt. Später ließ sich die Familie in Oberwiesenthal nieder. Franz Ströher, der Großvater der Sammlerin Dr. Erika Pohl-Ströher, gründete 1880 in Oberwiesenthal eine Perückenmacherei. Ab 1904 führte er im vogtländischen Rothenkirchen das Unternehmen als Franz Ströher AG weiter. Nach 1945 mussten die Ströhers ihre Heimat verlassen und bauten im hessischen Hünfeld die Firma WELLA auf. Später verlegte die Firma ihren Sitz nach Darmstadt.
Im Jahr 2003 übernahm der Konsumgüterkonzern Procter & Gamble die Firma WELLA. Heute lebt Dr. Erika Pohl-Ströher in der französischen Schweiz. Während der Flucht aus Ostdeutschland rettete sie nur einen Koffer mit erzgebirgischem Spielzeug. Dieser bildete den Grundstock für die spätere Sammlung. Ihre Liebe zum Erzgebirge blieb. Nach dem Fall der Mauer intensivierte sie ihre Sammlertätigkeit.
Eckhart Holler, ein passionierter Chemnitzer Sammler unterstützte sie dabei. „Eines Tages stand Frau Dr. Pohl-Ströher in meinem Laden und fragte nach erzgebirgischen Artikeln. Seither habe ich sie ganz praktisch, durch die Restaurierung wertvoller Stücke und mit fachlichen Ratschlägen unterstützt. Daraus ist diese wunderbare Sammlung geworden, die wir nun in der Manufaktur der Träume in Augenschein nehmen können“.
Neben den 1.000 Exponaten in Annaberg-Buchholz werden ab November 2011 etwa 300 Exponate im Regionalmuseum Chomutov und etwa 200 Exponate im Regionalmuseum Most ausgestellt. In Freiberg hat Erika Pohl-Ströher mit der Terra mineralia bereits der TU Bergakademie Freiberg eine wertvolle Sammlung als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt. Im Frühjahr 2011 plant sie einen Besuch in Annaberg-Buchholz.


