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Aktuelles

13. Juli 2013 - ANNABERG-BUCHHOLZ

„Spuren suchen – Geschichte erleben“ - Bausteine für den Unterricht

Festwochenende unter dem Motto „Typisch evangelisch“ Anfang Mai 2014

ANNABERG-BUCHHOLZ – Die Kirchgemeinde in Annaberg-Buchholz gibt Unterrichtsmaterial für Mittelschulen und Gymnasien heraus, das auf die Reformationszeit eingeht. Als Beitrag für das regionale Geschichtsbewusstsein stellt es die besondere Bedeutung der damaligen Ereignisse in Annaberg für die Reformation in Sachsen heraus.

Erarbeitet wurde das Material als ‚Bausteine für den Unterricht‘ vom Bildungszentrum Adam Ries in Annaberg-Buchholz. Der Schulleiter Gert Töpfer, der auch Religionslehrer ist, ermöglichte das Projekt, das von Petra Spiegler, Fachlehrerin für Geschichte umgesetzt wurde. Bei ihren umfangreichen Recherchen erhielt sie Unterstützung vom Kirchenhistoriker Pfarrer i.R. Dr. Bernd Stephan aus Großrückerswalde.

Das in den vergangenen Monaten entstandene Material für den Schulunterricht mit dem Titel „Spuren suchen – Geschichte erleben“ wurde mit je einem Exemplar an Schulen im Erzgebirgskreis und in Chemnitz verteilt. Es ist geeignet, die Themen des sächsischen Lehrplanes zur Reformation mit regionalem Bezug zu ergänzen. Weitere Exemplare sind gegen eine Schutzgebühr von 10 Euro im Pfarramt der Kirchgemeinde erhältlich.

Die Kirchgemeinde Annaberg-Buchholz lädt zudem Schulklassen zu Besichtigungen in die St. Annenkirche ein, wo die Mitarbeiter auf deren besondere Themenwünsche eingehen wollen.
Im Rahmen des 475. Jubiläums aus Anlass der Einführung der Reformation im Herzogtum Sachsen 1539 beteiligt sich die Kirchgemeinde Annaberg-Buchholz mit einem Festwochenende vom 1. bis 4. Mai 2014. Geplant sind unter dem Motto „typisch evangelisch“ u.a. ein wissenschaftliches Kolloquium mit Referenten aus dem In- und Ausland sowie eine Theaterinszenierung, die das reformatorische Thema aufgreift.

Kirchgemeinde Annaberg-Buchholz

Hintergrund zum Fürstentreffen in Annaberg als Wegmarke zur Reformation

Bild: Ausstellung in Annaberg zur Reformation: alte Kanzel mit Melanchthon-Bild darüber
Philipp Melanchthon im Bild

Die Reformation nahm nach der  Thesenveröffentlichung  Martin Luthers am 31.10.1517 ihren Lauf durch die deutschen Länder. Dabei hing es vom jeweiligen Landesherrn ab, ob seine Untertanen die neuen Glaubenslehren ungehindert aufnehmen konnten oder nicht. Herzog Georg der Bärtige wurde zum eifrigen Beschützer des alten Glaubens und der geltenden Kirchenordnungen. Von 1519 bis zu seinem Tod 1539 versuchte er alles, um in Annaberg wie in seinem gesamten Herrschaftsbereich keine Reformation nach lutherischem Vorbild zuzulassen, die jedoch im benachbarten ernestinischen Buchholz rasch Fuß fasste.

Seit dem Erstarken des Schmalkaldischen Bundes, der protestantischen Fürsten sowie der Gründung des Nürnberger Bundes als sein katholisches Pendant, spitzte sich ab 1538 die Lage im Reich zu. Kurfürst Johann Friedrich von Sachsen unterstützte Georgs Bruder, Herzog Heinrich, und versicherte ihm notfalls jede Hilfe. Kurz nach Herzog Georgs Tod (am 17.4.1539) drohte Landgraf Philipp von Hessen der altgläubigen Partei im albertinischen Sachsen sogar eine militärische Intervention an.
Die spätere Drohung Königs Ferdinand aus Prag an Herzog Heinrich unterstreicht die Brisanz der Ereignisse.

Vom 3. bis 5. Mai 1539 kamen Kurfürst Johann Friedrich mit Gefolge, Herzog Heinrich, sein Sohn Moritz und andere Fürsten nach  Annaberg. Hier fand eine Art Gipfeltreffen zur Einführung der Reformation im albertinischen Sachsen statt. Philipp Melanchthon war ebenfalls hier und erstellte ein Gutachten zur Pfarrstellenbesetzung im Herzogtum.

Mit dem  Fürstentreffen in Annaberg wurde ein wichtiger Markstein der Reformationsgeschichte gesetzt. Die Entscheidungen und Demonstrationen der Macht durch die Fürsten und die diplomatischen Bemühungen Philipp Melanchthons haben dazu beigetragen, dass es im albertinischen Sachsen nach Herzog Georgs Tod zu keinen gewalttätigen Auseinandersetzungen bei Einführung der Reformation kam.
Die getroffenen Vereinbarungen wirkten sich kirchen- und kulturgeschichtlich weit über die Landesgrenzen aus.

Am 4. Mai 1539 erlebte das Fürstentreffen mit festlichen Gottesdiensten in St. Annen und in der Franziskanerkirche seinen Höhepunkt. Über 6.000 Menschen sollen damals in der  Annenkirche dem ersten evangelischen Gottesdienst mit Austeilung des Heiligen Abendmahls in beiderlei Gestalt beigewohnt haben.

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