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Aktuelles

28. September 2014

„Reformation und Politik“ in Oschatz

Festwochenende mit Gottesdiensten, Konzerten und Luther-Ausstellung

Bild: Blick in die St. Aegidienkirche während des Festgottesdienstes

OSCHATZ - Aus Anlass des Festwochenendes in Oschatz zu „475 Jahre Landeskirche Sachsens“ stellte Landesbischof Jochen Bohl Kernaussagen des reformatorischen Geschehens vor fast 500 Jahren heraus. Am 26. September sagte er im Abendgottesdienst in der Stadtkirche St. Aegidien, dass sich die Reformation auf das Wesentliche konzentriert habe. Damals wie heute würden Menschen nach einer Wahrheit suchen, die Bestand habe.

Bild: Landesbischof Bohl hielt die Predigt

Die Hinwendung zu Christus bedeute allein aus Gnade, denn durch ihn seien alle Menschen gerecht und jeder hätte vor Gott das gleiche Ansehen. Diese Gnade könne niemand verdienen oder erkaufen. Selbst das Friedlose und das, was von Gott trenne, sei von Gottes Gnade umfasst. Die Bibel öffne Gottes Wahrheit und lenke den Blick zum Nächsten. Das bewirke der Glaube. Allein aus Glauben bedeute, dass es keinen Unterschied zwischen oben und unten gibt. „Der Glaube macht uns alle gleich“, sagte Bohl.

Diese reformatorische Erkenntnis war auch Gegenstand von Martin Luthers damaligen Brief an die Oschatzer, der „dankbare Zustimmung“ erfuhr. Die lutherische Kirche habe seitdem eine „reiche Geschichte im Guten, wie im Bösen“, so der Landesbischof. Er erinnerte an ihren fehlenden Widerspruch vor Beginn der Weltkriege, aber auch im Guten an die Erweckungsbewegung, das diakonische Handeln oder an den Schatz der kirchenmusikalischen Tradition.

Bild: Lutherfenster in der Kirche
Lutherfenster in St. Aegidienkirche

Der Kirche sei eine Verheißung gegeben, denn „der Herr ist mit der Kirche auf allen Wegen“, so Bohl.

Das Reformationsfest solle als Glaubensfest gelebt werden. Ohne Personenkult und auch ohne „antikatholische Gesten“, weil die Fortschritte in der Ökumene sichtbar und das theologisch Trennende weitgehend überwunden seien. Der Landesbischof dankte dem katholischen Dekan Ludger Kauder für seine Teilnahme am Gottesdienst. Für Bohl sei es im Rahmen des gemeinsamen Glaubensbekenntnisses der Christen folgerichtig, „die Mission voranzutreiben und Christus zu bezeugen und das Verhalten so auszurichten, dass wir danach gefragt werden. Glaube, Hoffnung und Liebe macht das Glück aus“, sagte der Landesbischof ermutigend zur Gemeinde.

Bild: Bläser auf dem Markt vor dem Rathaus mit Landesposaunenwart J.-M. Schlegel (r.)
Bläserserenade vor dem Oschatzer Rathaus

Nach Annaberg-Buchholz, Leipzig, Dresden und Chemnitz feierte auch Oschatz 475 Jahre Einführung der Reformation im albertinischen Sachsen mit einem Festwochenende mit Gottesdiensten, Vortrag, Konzert und Ausstellung vom 26. bis 28. September.
Am Freitagnachmittag begannen die Festtage mit einer Bläserserenade unter Leitung von Landesposaunenwart Jörg-Michael Schlegel auf dem Oschatzer Neumarkt. Im Anschluss fand der Festgottesdienst mit Landesbischof Jochen Bohl in der St. Aegidienkirche Oschatz statt.
Die Reformation hielt mit Beginn der Visitation von Oschatz und Umgebung am 15. August 1539 Einzug in die Stadt. Erster Superintendent war Johann Buchner.

Bild: Blick auf Markt, Rathaus und St. Aegidienkirche

Die Oschatzer Bürgerinnen und Bürger waren zuvor von Herzog Georg bedrängt und gemaßregelt worden. Martin Luther hatte deshalb bereits am 20. Januar 1533 ein Trostschreiben an sie gerichtet.

Der Kirchenbezirk Leisnig-Oschatz verbindet das Reformationsjubiläum gleichzeitig mit dem zentralen Jahresthema der Lutherdekade „Reformation und Politik“.
Im Rahmen des Themenjahres 2014 fand am Sonnabend der Festvortrag mit Dr. Günther Beckstein, Vizepräses der EKD-Synode und bayerischer Ministerpräsident a.D., im Altarraum der St. Aegidienkirche Oschatz statt.
Dass Politik und Reformation zusammen gehören zeigt sich am Stadtbild in Oschatz, denn die Türme der St. Aegidienkirche und des Rathauses stehen neben einander und sind schon in der Ferne sichtbar. „Nicht nur eine bautechnische Nähe besteht, sondern es gibt auch eine inhaltliche Nähe zwischen Kirche und Politik in Oschatz. Das zeigt sich an der guten Zusammenarbeit zwischen beiden“, so Ortspfarrer Christof Jochem von St. Aegidien.

Bild: „Mensch Martin, Hut ab!“ - Ausstellung in der Kirche

Der Sonntag begann mit einem Gottesdienst. Die politische Kanzelrede hielt Annekathrin Giegengack von ‚Bündnis 90/Die Grünen‘. Sie thematisierte den alttestamentlichen Bibelspruch „Suchet der Stadt Bestes“. Am Nachmittag erklang in St. Aegidien „Ein deutsches Requiem“ von Johannes Brahms mit Solisten, dem Kammerchor Böhlen und dem Leipziger Sinfonieorchester unter der Leitung von Andreas Moritz. Gleichzeitig war das Konzert der Auftakt zum Oschatzer Musikherbst, der vom Förderverein „Rettet St. Aegidien e.V.“ initiiert wurde.

Begleitet wird das Reformationsgedenken von der Wanderausstellung „Mensch Martin, Hut ab!“, die bis zum 15. Oktober in der St. Aegidienkirche Oschatz zu sehen ist. Dort werden die Besucher der Ausstellung an acht Stationen durch das Leben Martin Luthers geführt und dabei von der Dohle Dora zu Leisnig begleitet. Konzipiert und verantwortet wird die Ausstellung durch die gemeindepädagogischen Mitarbeiter der Kirchenbezirke Leisnig-Oschatz und Leipziger Land.(28.9.2014)

Bild: Unterstützung für den baulichen Erhalt auch in Zukunft
Es geht mit dem Musikherbst weiter

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