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Aktuelles

10. Dezember 2014

Sächsische Landeskirche unterstützt Winterhilfe für Flüchtlinge

Der Lutherische Weltbund hilft in Jordanien den dort untergebrachten Flüchtlingen aus Syrien und Irak

Bild: Über 80.000 Menschen leben im Za’atari Flüchtlingscamp und sind auf Hilfe angewiesen. (Foto: © DNK/LWB, F. Hübner)
Über 80.000 Menschen leben im Za’atari Flüchtlingscamp und sind dringend auf Hilfe angewiesen.

DRESDEN – Die sächsische Landeskirche ruft zu Spenden für dringend notwendige Ausrüstungen und für Kleidung für syrische Flüchtlinge in Jordanien auf. Aus dem Soforthilfefonds der Landeskirche werden für das Notprogramm des Lutherischen Weltbundes (LWB) 20.000 Euro über das Deutsche Nationalkomitee (DNK/LWB) zur Verfügung gestellt. Zudem unterstützt die Landeskirche mit 5.000 Euro Gemeinden der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Italien (ELKI), die sich in der Flüchtlingshilfe engagieren. Im oberitalienischen Turin ist mit Dekan Heiner Bludau auch ein sächsischer Pfarrer tätig, der sich mit seiner Gemeinde auch für Flüchtlinge einsetzt.

Bild: Zelte als notdürftiges Obdach bieten keinen Schutz gegen Kälte (Foto: © DNK/LWB, F. Hübner)
Tausende Familien fanden in Zelten Obdach

Die Hilfe für syrische Flüchtlinge in Jordanien ist deshalb so akut, weil den Hilfsorganisationen nach Angaben des UNHCR Geld für das Winterprogramm fehlt. Aufgrund der Bedrohung durch die beginnende kalte Jahreszeit hat sich der LWB in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Nationalkomitee entschlossen, besonders gefährdeten Menschen in Zelten und einfachen Behausungen Elektro- und Gas-Heizstrahler, Gasflaschen sowie Decken und Winterkleidung zur Verfügung zu stellen. Pro Familie kostet dies rund 75 Euro. Insgesamt müssten mindestens 15.000 Familien innerhalb und außerhalb der Lager auf den Winter vorbereitet werden. Unmittelbare Zielvorgabe des LWB ist die Versorgung von 1.500 bis 5.000 Familien durch Mittel der Mitgliedskirchen und Partnerorganisationen.

Neben den syrischen Flüchtlingen in und außerhalb des Flüchtlingslagers Za’atari hilft der LWB auch irakischen Christen in Jordanien.

Bild: Christen auf der Flucht bekamen Zuflucht Kirchen um Amman (Foto: © DNK/LWB, F. Hübner)

Über 6.000 Christen konnten sich vor den IS-Terrortruppen aus Syrien und dem Irak allein nach Amman retten. Viele sind notdürftig in Gemeindesälen von Kirchen untergekommen und werden von Hilfsorganisationen versorgt. Der LWB hat hier für räumliche Umbauten in Gemeindehäusern und für die Verbesserung der sanitären Einrichtungen und die Einrichtung von Küchen gesorgt.

Der Lutherische Weltbund ist seit 2012 in Jordanien aktiv und arbeitet eng mit der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Jordanien und im Heiligen Land sowie lokalen Hilfsorganisationen zusammen. Zwischen September 2013 und Dezember 2014 wurden insgesamt 200.000 Menschen erreicht. Das Programm hatte 2014 ein Gesamtvolumen von rund 5 Millionen US-$.

Spendenkonto des DNK/LWB:
IBAN: DE21 5206 0410 0000 4195 40,
BIC: GENO DE F1 EK1, Stichwort: Jordanien

www.dnk-lwb.de/spenden

Hilfe für verfolgte Christen aus dem Irak

Christin mit Kind aus dem Irak (Foto: © DNK/LWB, F. Hübner)

„Wir haben alles verloren“

Von Christa Roth und Florian Hübner

Gut sei es ihnen im Irak gegangen, erzählt Rivan Sabah. Die 29-Jährige arbeitete als Mathematiklehrerin, ihr Mann Nabil war in einer Behörde beschäftigt, die dem Agrarministerium unterstellt war. Die beiden hatten eine Eigentumswohnung in der Stadt Karakosch im Nordirak, die hauptsächlich von Christen bewohnt ist. Töchterchen Lara machte das Glück perfekt. Wenn Rivan Sabah an ihr früheres Leben zurückdenkt, kommen ihr die Tränen. Heute ist nichts mehr wie es war und wahrscheinlich wird es auch nie wieder so werden, fürchten die Sabahs.

Anfang August dieses Jahres mussten sie ihr Leben, wie sie es kannten, aufgeben und ein neues Dasein als Flüchtlinge annehmen. Als die Kämpfe der IS-Milizen um Karakosch zu stark wurden, flohen sie. Mit dem Auto und nur wenigen Habseligkeiten nach Erbil. Eine Strecke, die normalerweise in 40 Minuten zu bewältigen gewesen wäre, dauerte zwölf Stunden. Die halbe Stadt hatte sich aufgemacht, den unbarmherzigen Dschihadisten des „Islamischen Staates“ zu entkommen. Die Straßen waren heillos überfüllt.
„Wir hatten weder genug Essen und Trinken noch Kleidung oder sonst etwas bei uns“, erzählt Rivan Sabah. Ihr Mann Nabil zeigt mit dem Smartphone aufgenommene Bilder des kilometerlangen Staus. Lediglich ihre Reisepässe und umgerechnet 2 500 US-Dollar Bargeld hatte die Familie dabei – Geld aus der Kasse des Lebensmittelgeschäftes von Rivans Vater.

Zwanzig Tage hausten sie anschließend in Erbil in Zelten. Nicht genug Zeit jedoch, die in Mossul registrierten Autos zu verkaufen. „Die sind immer noch in Erbil“, sagt Nabil Sabah. Doch die Sabahs hatten Glück im Unglück: Mit dem Flugzeug konnten sie nach Amman fliegen und in Jordanien Flüchtlingsvisa beantragen.

Seit dem 24. August 2014 leben sie nun auf wenigen Quadratmetern in der Al Ashrafia-Kirche, einer syrisch-orthodoxen Kirche im Ostteil von Amman. Zusammen mit 17 anderen Familien in einem großen Gemeinderaum. Nur durch dünne Spannwände, die der Lutherische Weltbund (LWB) in den Gemeinderaum eingebaut hat, können die 52 Flüchtlinge in der Kirche einen Teil ihrer Privatsphäre behalten. Sämtliche Gegenstände sind Spenden der Caritas, des LWB oder lokaler Gemeindemitglieder.

Obwohl Rivan Sabah weiß, dass es ihr mit dem Asyl in der Kirche angesichts des bevorstehenden Winters besser geht als den syrischen Flüchtlingen in Lagern wie Za’atari, kann die junge Mutter ihre Verzweiflung nicht verbergen. „Wir haben alles verloren“, sagt sie mit tränenerstickter Stimme. Und darüber hinaus, klagt sie, sei ihre achtjährige Tochter nicht mehr wiederzuerkennen. Sie weine viel, sei ungehalten und sehr aufbrausend, erzählt Rivan Sabah. „Lara ist eine andere geworden.“ Nach einer Pause fügt sie hinzu: „Und wir wahrscheinlich auch.“

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