8. September 2004
Sächsischer Gemeindetag für Aussiedler
In Auerbach findet das größte Aussiedlertreffen in Sachsen statt

Festgottesdienst in der St. Laurentiuskirche in Auerbach am 11. September 2004
AUERBACH - Seit Januar laufen die Vorbereitungen für den 8. Gemeindetag für Aussiedler, der in diesem Jahr unter dem Motto > Wege zueinander < im vogtländischen Auerbach stattfindet.
Am 11. September 2004 werden gut 1.500 Teilnehmer erwartet. Viele kirchliche und ehrenamtliche Mitarbeiter sind in die Planung einbezogen, darunter Vertreter der Caritas. Der durch die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens veranstaltete Gemeindetag findet seit 1996 jährlich - mit Ausnahme im Jahr der Flut 2002 - an verschiedenen Orten Sachsens statt. Am Gemeindetag hatten bisher rund 10.000 Aussiedler teilgenommen, für die aus diesem Anlass Fahrten mit PKW, Bussen und Bahnen organisiert werden.
Die Programmeröffnung in Auerbach erfolgt durch einen Festgottesdienst um 10:00 Uhr in der Auerbacher Stadtkirche St. Laurentius mit der Predigt von Landesbischof Jochen Bohl und einem parallel stattfindenden Jugendgottesdienst in der Turnhalle der Seminarschule.
Neben Beratungs- und Informationsangeboten sowie einer Gebetsversammlung werden weitere Veranstaltungen speziell für Kinder und Jugendliche auf dem Programm stehen. In einem Gesprächsforum um 13:30 Uhr im Evangelisch-methodistischen Gemeindehaus in der Rathenaustraße stellen sich Vertreter des Bundesinnenministeriums, des sächsischen Staatsministeriums des Innern, der Agentur für Arbeit in Sachsen und der sächsische Ausländerbeauftragte Heiner Sandig aus Dresden den Anliegen und Fragen der Aussiedler.
Nach den Erfahrungen zurückliegender Gemeindetage, zuletzt in Großenhain im letzten Jahr, hat sich die sächsische Landeskirche erneut mit dieser Einladung an die Kirchgemeinden gewandt, damit sie auf die Aussiedler zugehen und mit ihnen zum Gemeindetag kommen. Ziel dieser Veranstaltung ist es auch, die Zugezogenen zu ermutigen sowie eine breite Öffentlichkeit in Kirche und Gesellschaft über die aktuellen Aufgaben der Eingliederung von Aussiedlern in Sachsen zu informieren und zu sensibilisieren. Im letzten Jahr sind nach Angaben der Diakonie Sachsen über 4.700 Zuzüge in den Freistaat erfolgt, das entspricht der Aufnahmequote von 6,5 Prozent der Sachsen zugewiesenen Personen.
Neben einigen Zuwanderern aus Tschechien, Rumänien und Polen kommen die Aussiedler fast ausschließlich aus den GUS-Staaten der ehemaligen Sowjetunion. Von den Aussiedlern bezeichneten sich hinsichtlich der Religionszugehörigkeit 43 Prozent als "evangelisch".
Im Vogtlandkreis, wo der diesjährige Aussiedlertag stattfindet, wurden seit dem Jahr 2000 über 1.600 Personen aufgenommen. Davon waren Ende Juni 2004 in vier Übergangswohnheimen 247 Personen untergebracht.
Neun evangelischen Dienste des Jugendgemeinschaftswerkes betreuten die jungen Aussiedler mit Integrationsangeboten. Bei den Beratungen ging es hauptsächlich um Sprachkurse, Schul-, Ausbildungs- und Berufsfragen.
Der seit drei Jahren zu beobachtende gesamtdeutsche Rückgang von ungefähr 8.000 Aussiedlern pro Jahr (Gesamtzahl: 98.484 - 2001; 72.885 - 2003) wird auf gesetzliche Veränderungen zurückgeführt, die ein Deckeln der Zuzugszahlen vorsieht, aber auch durch nichtbestandene Sprachtests im Herkunftsgebiet, die Grundlage für eine Genehmigung darstellen.(8.9.4)
Integrationsarbeit in der Kirchgemeinde
Luisa Heckel - ein Porträt

Luisa Heckel
Luisa Heckel (41) arbeitet in der Integration von Aus- und Spätaussiedlern in der Kirchgemeinde Dresden-Prohlis. Das kirchliche Projekt umfasst Sprachkurse, Begleitung der Aussiedler bei Behördengängen und die Organisation gemeinsamer Treffs. Nach einer dreijährigen ABM-Maßnahme geht diese Integrationsarbeit nur auf Projektbasis weiter, obwohl fünf parallele Sprachkurse die hohe Nachfrage nicht decken können. Von den 160 gemeldeten Familien in Prohlis besuchte Luise Heckel bereits 110 und findet hinsichtlich ihrer kommunikativen Art schnellen Zugang zu den Problemen der meist russischen Neuankömmlinge. Dabei hilft ihr die eigene Biografie, denn sie kam als gestandene Deutschlehrerin 1992 selbst aus Kasachstan nach Deutschland. Deutschsein war für sie und die Familie in Kasachstan damals eine Selbstverständlichkeit. Die Familie mit fünf Personen kam schließlich 1993 an den Wunschort Dresden, wo sich Luise Heckel auch noch heute wohl und zu Hause fühlt.


