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Aktuelles

15. September 2015

Den Flüchtlingen beistehen als Gebot christlicher Verantwortung

Integrationsprozess der neuen Nachbarn gesellschaftlich und kirchlich begleiten

Bild: Café International wurde Ende März 2015 in Annaberg-Buchholz eröffnet (Foto: Projekt-Initiative Annaberg-B.)
Café International wurde Ende März 2015 in Annaberg-Buchholz eröffnet

DRESDEN - „Nach dem Vorbild unseres Herrn Jesus Christus sollten die Flüchtlinge unser Herz erweichen“, sagte der Landesbischof Dr. Carsten Rentzing im Gottesdienst am Begegnungstag für Aussiedler am 12. September in Schneeberg. Angesichts der derzeitigen Massenbewegung von Flüchtenden könne es für ihn nur eine europäische Lösung geben, die nicht auf Abschreckung, sondern auf Barmherzigkeit und Achtung der Menschenwürde angelegt sei. „Das ist das Gebot der Stunde angesichts der Menschen, die in diesen Tagen auf dem Wege stranden“, so der Landesbischof.

Er dankt den Initiativen der lutherischen Kirchen und deren Diakonie in Ungarn und der Slowakei für deren Engagement und die menschliche Zuwendung bei der Flüchtlingsbetreuung an den Bahnhöfen und Grenzstationen sowie für die Überlegung zur Integrationshilfe in den Ländern.
Der Landesbischof verweist zudem auf die notwendige Dauerhaftigkeit der Bemühungen in Deutschland, den Integrationsprozess der neuen Nachbarn gesellschaftlich und kirchlich zu begleiten.

Botschaft der Leitenden Geistlichen vom 15. September 2015

Bild: Unterzeichnete Erklärung Leitenden Geistlichen (Foto: PR ekd)

Dr. Rentzing ist einer der Unterzeichner der heute veröffentlichten Erklärung der Leitenden Geistlichen der 20 evangelischen Landeskirchen Deutschlands, worin es heißt: „Flüchtlinge willkommen zu heißen und aufzunehmen ist ein Gebot der Humanität und ein Gebot christlicher Verantwortung.“ Mit dieser Botschaft wenden sich die Leitenden Geistlichen an die deutsche und europäische Öffentlichkeit. „Unsere Gesellschaft steht vor einer großen Herausforderung, aber auch unsere Kräfte sind groß“, heißt es in dem heute in Brüssel und allen evangelischen Landeskirchen veröffentlichten Papier. „Wir sind dankbar für die vielfältige Hilfsbereitschaft!“

Die Leitenden Geistlichen unterstreichen die kirchliche Forderung nach legalen Zugangswegen nach Europa und rufen dazu auf, Fluchtursachen zu bekämpfen: Klimaveränderungen, Kriege, Verfolgung und extreme Armut seien Folge globaler Handelsbeziehungen, Waffenlieferungen und eines Lebensstils, der die Ressourcen der Erde verbraucht. „Eine Umkehr von diesen ungerechten Verhältnissen ist an der Zeit“, heißt es in dem Papier. Die Erklärung der 20 Leitenden Geistlichen ist die erste ihrer Art in der Geschichte der EKD. [Hinführung zur Erklärung]

Kanzelabkündigung und Kollektenaufruf am 12. September 2015

Bild: Kanzel und Gottesdienstbesucher

Aus sächsischer Sicht bedeutet dies für Kirche und Diakonie bei der Hilfe und Begleitung geflüchteter Menschen nicht nachzulassen. In einer Kanzelabkündigung, die am letzten Sonntag in den Kirchgemeinden verlesen wurde, wird jenen gedankt, die vor Ort praktische Hilfe für Geflüchtete leisten und ihre Kraft, ihre Zeit und ihr Engagement zur Verfügung stellen. Neben der Bitte, im Engagement für die Menschen in Not nicht nachzulassen und die örtlichen Verantwortlichen für die Flüchtlingshilfe zu unterstützen, sollten Christen auch mit den Menschen im Gespräch bleiben, die anderer Meinung sind.

Für „kluge Entscheidungen“ der Politiker und deren Akzeptanz in der Bevölkerung wurde gebetet. Die am letzten Sonntagsgottesdienst gesammelte Landeskollekte wird hauptsächlich der Flüchtlingshilfe zugutekommen. Die Mittel für den „Projektfonds Flüchtlingshilfe“ wurden um 100.000 Euro aufgestockt, da die bisher von der Landessynode freigegebenen 400.000 Euro für die Flüchtlingsarbeit aufgebraucht sind. Insgesamt werden damit zur Zeit 60 Projekte unterschiedlicher Formate gefördert. [Kanzelabkündigung]

‚Projektfonds Flüchtlingshilfe‘ der sächsischen Landeskirche

Bild: Kindertag in Freiberg (Foto: Willkommensprojekt Freiberg)

Das Landeskirchenamt hatte schon frühzeitig vor der dramatischen Zuspitzung der Flüchtlingsbewegungen eine „Richtlinie zur Förderung einer Willkommenskultur für Flüchtlinge“ (Projektfonds Flüchtlingshilfe) beschlossen. Damit sollte das Engagement insbesondere in Kirchgemeinden und Kirchbezirken unterstützt werden, die Ankunft und beginnende Integration von Flüchtlingen mit Hilfsangeboten zu begleiten sowie Anlässe und Räume der Begegnung und des Gesprächs zu schaffen.

Der größte Teil der bereitgestellten Mittel ist für niedrigschwellige Angebote bestimmt, die durch ehrenamtliches Engagement vor Ort getragen werden. Dabei geht es beispielsweise um Unterstützung im Alltag, Orientierungshilfen im neuen Lebensumfeld, Unterstützung bei bürokratischen Angelegenheiten, Freizeitgestaltung, Begegnungstreffen, Teilnahme am kirchlichen Leben und Sprachnachhilfe. Weiterhin stehen Mittel für umfangreiche Projekte oder für Vorhaben mit innovativen Ansätzen (Interreligiöser Dialog, Asyl-Cafés u.a.) zur Verfügung.

Bild: Beim Kindertag in Freiberg war auch der kleine Junge ganz groß (Foto: Willkommensprojekt Freiberg)

Zeitnah nahmen zunächst sechs fachkompetente regionale Koordinatoren in der Landeskirche ihre Arbeit auf, um Kirchgemeinden bei der zielgerichteten und bedarfsorientierten Flüchtlingshilfe zu unterstützen. Sie sind damit auch für die Anleitung für die Gewinnung von ehrenamtlichen Multiplikatoren, für Unterstützerschulungen, für Projektberatung und -begleitung, die Vernetzung mit anderen gesellschaftlichen Initiativen der Flüchtlingshilfe in ihrer Region zuständig sowie tätig in der Vermittlung zu staatlichen Stellen der Region.

Darüber hinaus sind Unterbringungsmöglichkeiten geschaffen worden. So hat der CVJM in Reichenbach in Kooperation mit dem Landratsamt eine größere Asylunterkunft geschaffen. Weitere Gemeinschaftsunterkünfte und Wohnprojekte werden von der Diakonie verantwortet, so beispielsweise die Stadtmission Zwickau mit einer Gemeinschaftsunterkunft oder die Diakonie Westsachsen mit einem Wohnprojekt von Einzelwohnungen. Ebenso ist die Diakonie in der Flüchtlingsbetreuung in sächsischen Landkreisen engagiert.

Über die angegebene Bankverbindung ist es möglich, die laufenden Projekte zur Flüchtlingshilfe in Sachsen finanziell zu unterstützen:

Bankverbindung:
Bank für Kirche und Diakonie - LKG Sachsen
Stichwort: „Flüchtlingshilfe Landeskirche“
BLZ 350 601 90 • Konto 16 00800 015
IBAN: DE06 3506 0190 1600 8000 15  /  BIC: GENO DE D1 DKD

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