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9. Februar 2017 - MEISSEN

Letzte Ruhe in unruhigen Zeiten

Visuelle Installation des Grabes (Tumba) von St. Benno im Dom zu Meißen

Bild: Gedenkplatte am früheren Standort der Tumba (Foto: KB Meißen-Großenhain)

MEISSEN – Zwei Grablegen im Dom zu Meißen verweisen auf das Reformationsgeschehen im 16. Jahrhundert. Obwohl der Meißner Bischof Benno (1010 od. 1020 - 1106) und die 500 Jahre später lebende Anna von Sachsen (1544-1577) nichts miteinander zu tun hatten, kreuzten sich deren Schicksale in der Reformationszeit durch ihre Grabstellen im Meißner Dom. Ihr kurzes und bewegtes Leben als Tochter des Kurfürsten Moritz von Sachsen und Agnes von Hessen führte die Fürstentochter Anna als Frau von Wilhelm I. von Oranien-Nassau in die territorialen Auseinandersetzungen europäischer Fürstenhäuser in reformatorischer Zeit.
 

Bild: Interesse an der Anna-Gedenkplatte (Foto: KBZ Meißen-Großenhain)
Vor der Anna-Gedenkplatte

Als ihr Ehebruch vorgeworfen wurde, verbrachte man sie zurück zu ihrem Geburtsort nach Dresden und sperrte sie ein. Ohne Unterstützung der Familie verstarb sie am 18. Dezember 1577 kurz vor ihrem 33. Geburtstag. Namenlos wurde sie im Dom an der Seite ihrer Vorfahren bestattet, obwohl seit dieser Zeit der Freiberger Dom als neue Grablege des sächsischen Herrscherhauses diente.

Das ebenfalls bewegte, aber lange Leben des Bischof Benno endete nach vierzigjähriger Amtszeit vermutlich am 16. Juni 1106. Beigesetzt wurde er im Meißner Dom, allerdings im Gegensatz zur späteren Anna von Sachsen mit steigender posthumer Anerkennung. So erhob Bischof Withigo I. seine Gebeine Ende des 13. Jahrhunderts zur Ehre der Altäre, was Bennos bistumsweite Verehrung erhöhte.

So ließ Bischof Withego I. (1266 - 1293) das Grab öffnen und bestattete die Gebeine Bennos in einer in der Mitte der Kirche erbauten Tumba. Das verstärkte die Benno-Verehrung, doch erst in der Reformationszeit, am 31. Mai 1523, sprach ihn auf Betreiben von Herzog Georg des Bärtigen von Sachsen Papst Hadrian VI. heilig.

Bild: Projektion der historischen Ansicht von der Tumba (Foto: KBZ Meißen-Großenhain)
Superintendent Andreas Beuchel (r.)

Anlässlich der Erhebung der Reliquien am Benno-Tag (16. Juni) 1524 kritisierte Martin Luther mit seiner Schrift »Wider den neuen Abgott und alten Teufel, der zu Meißen soll erhoben werden« diese Heiligsprechung.

Aufgrund dieser Kritik und des Herrscherwechsels zum Protestantismus hin, wurde Bennos Grab (Tumba) zerstört. Zu Annas Lebzeiten retteten zwei Bischöfe die Reliquien samt Gewand, Mitra und Stab und versteckten sie. Nach mehreren Aufenthaltsorten in Sachsen kamen die Gebeine schließlich 1576 auf Umwegen zu den Wittelsbachern nach Bayern, wo sie 1580 in der Münchner Frauenkirche ihre letzte Ruhestätte fanden.

Um die häufig von Besuchern im Dom zu Meißen nachgefragten Grabstellen von Bischof Benno und Anna von Sachsen stärker in die Öffentlichkeit zu rücken, hatten der Dompfarrer, der Stiftssyndikus, der Dombaumeister und Domküster am 9. Februar zu einer Präsentation eingeladen. Neben historischen Erläuterungen gab es eine visuelle Installation des Grabes (Tumba) von St. Benno.

Dom zu Meißen

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