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Aktuelles

11. Februar 2017

Zukunft gestalten, gemeinsam erinnern

Kirchen in Dresden gedenken und mahnen mit vielfältigen Veranstaltungen

Bild: Versöhnungskirche Dresden-Plauen
Drei markante Fenster im Altarraum der Versöhnungskirche in Dresden-Plauen

DRESDEN - Zu einer musikalisch-literarischen Andacht unter dem Titel "Nacht über Plauen" lädt die Auferstehungskirchgemeinde Dresden-Plauen am Sonntag, 12. Februar, dem Vorabend des Dresdner Gedenktages, um 19:30 Uhr in die Auferstehungskirche (Reckestraße 6) ein. Die Andacht „Nacht über Plauen“ erinnert nicht nur an Krieg, Leid und Zerstörung im 20. Jahrhundert, sondern wird mit historischen Dokumenten und Zeitzeugnissen andere dunkle Stunden in der 550jährigen Geschichte der Kirche sowie des Dorfes Plauen und des späteren Stadtteiles Dresden-Plauen bewusst werden lassen. Ausgestaltet und vorbereitet wird sie von einem engagierten Kreis aus Gemeindemitgliedern.

Bild: Frauenkirche am Abend des 13. Februar
Auf dem Neumarkt vor der Frauenkirche

Der Abend ist ein leiser, nachdenklicher Auftakt zu einer Reihe von Veranstaltungen im Jahr 2017, die sich dem Jubiläum der ersten Kirchweihe in Plauen vor 550 Jahren widmen. Er ist zugleich eingebettet in eine Vielzahl an Veranstaltungen, die die Kirchen zum 13. Februar organisieren oder wo sie als Projektpartner mit involviert sind.

Mit zahlreichen Angeboten gestaltet die Frauenkirche Dresden das diesjährige Gedenken am Montag, 13. Februar, an Kriegsleid und Zerstörung. Sie erinnert dabei auch an den Einsturztag der Frauenkirche sowie an die wegweisenden Ereignisse des 13. Februars 1982.
„In diesen Tagen blicken wir wachen Auges auf die Geschichte und erinnern uns an das Leid, das Krieg und Zerstörung über die Menschen bringt“, erklärt Frauenkirchenpfarrerin Angelika Behnke. „Mit Klang, Worten und Momenten der Stille wollen wir um Frieden bitten und die Botschaft der Versöhnung aus der Frauenkirche hinaus tragen.“

Bild: Kerzen auf dem Neumarkt vor der Frauenkirche
Kerzen werden am Abend angezündet

Am 13. Februar steht die Frauenkirche ab 10:00 Uhr offen; um 12:00 Uhr und im Anschluss an die Menschenkette um 18:00 Uhr finden Friedensandachten statt. Die Mittagsandacht wird mit der Versöhnungsliturgie aus Coventry gestaltet, die Abendandacht wird durch den Bericht eines Zeitzeugen besonders geprägt.

Für 14:00 Uhr haben Studierende der Evangelischen Hochschule Dresden einen „Mahngang Täterspuren“ beginnend vom Wettiner Platz vorbereitet und laden zur Beteiligung ein.
In Dresden-Tolkewitz laden der Ärar des Elias-, Trinitatis- und Johannisfriedhofs, die 88. Oberschule Dresden-Hosterwitz und das Jugend- und Schulreferat des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge e.V. um 15:30 Uhr in die Feierhalle des Johannisfriedhofs (Wehlener Straße 13) zu einer Gedenkveranstaltung „Zünde eine Kerze an…“ zum 72. Jahrestag des Bombenangriffes auf Dresden ein.

Gedenken, erinnern, versöhnen

Die Gesellschaft zur Förderung der Frauenkirche Dresden e.V. lädt von 15:00 bis 22:00 Uhr wieder zum stillen Gedenken ein. Es wird Raum sein für Gespräche und Begegnungen aber auch für schweigendes Erinnern. Kerzen können sowohl um die Frauenkirche als auch auf einer eigens vorbereiteten Installationsfläche abgestellt werden.

Bild: Türme des Rathauses (l.) und der Kreuzkirche
Raushaus- und Kreuzkirchturm

Gegen eine Spende werden Kerzen und weiße Rosen bereitgehalten. Um 18:15 Uhr beginnt zudem der durch die Fördergesellschaft organisierte „Dresdner Gedenkweg“. Er beginnt im Innenhof der Dresdner Synagoge und führt über mehrere Stationen an ausgewählte Stätten, die in Dresden an die Schuld und das Leid der Deutschen im Zweiten Weltkrieg erinnern. Textlesungen leisten einen eigenen Beitrag wider das Vergessen.

Um 19:00 Uhr findet in der Trinitatiskirchruine Dresden-Johannstadt (Trinitatisplatz) eine Andacht mit Oberkirchenrat Christoph Seele statt. Anschließend, gegen 19:40 Uhr, gibt es im Keller der Ruine das literarisch-musikalische Programm "Die Bitterkeit auf meiner Zunge ...", zusammengestellt und vorgetragen von Christian Mögel und Team.
Der gemeinsame Ökumenische Friedensgottesdienst beginnt um 20:30 Uhr in diesem Jahr in der Kreuzkirche mit Dekan Norbert Büchner und Pfarrer Holger Milkau. Es predigt Elisabeth Naendorf vom Ökumenischen Informationszentrum Dresden. Nach dem Friedensgottesdienst werden zur Zeit des damaligen Beginn des Bombenangriffs traditionell alle Kirchenglocken läuten.
In die Zeit kurz vor dem Geläut lädt um 21:30 Uhr die Weinbergskirche in Dresden-Trachenberge zum Friedensgebet am 13. Februar mit Pfarrer Michael Rentsch ein.

Thematische Impulse zur Nacht der Stille

Bild: Altes verbogenes Kupperkreuz der Frauenkirche als ständiger Ort des Gedenkens
Altes verbogenes Kupperkreuz der Frauenkirche

Nachdem am späten Abend das gemeinsame Geläut verklungen ist, beginnt in der Frauenkirche ab 22:00 Uhr die „Nacht der Stille“. Dieses Angebot, das es seit nunmehr 20 Jahren gibt, steht unter der Überschrift »Gemeinsam Zukunft gestalten, gemeinsam erinnern« und wird zusammen mit der Evangelischen Jugend Dresden gestaltet. „Verschiedene Stationen in der Unterkirche lenken die Aufmerksamkeit der Besucher auf geschehenes und gegenwärtiges Unrecht“, erklärt Frauenkirchenpfarrerin Angelika Behnke. „Im Hauptraum sind die Gäste dann eingeladen, Friedenslichter zu entzünden und sich auf Musik und Begegnungen mit Menschen einzulassen, die sich für ein versöhntes, gerechtes und friedvolles Miteinander einsetzen.“

Erinnerung an zwei weitere bedeutende Daten

Bild: Menschenkette vor der Elbe gegenüber der Altstadt

Am 14. Februar greift die Frauenkirche eine weitere wichtige Facette des für Dresden so bedeutsamen Datums auf. Am 13. Februar 1982, also vor 35 Jahren, verweigerten sich unangepasste und pazifistisch eingestellte junge Menschen aus Dresden der staatlich verordneten Art, der Zerstörung Dresdens zu gedenken. Daran soll mit der Aufführung des Filmes »Come together. Dresden und der 13. Februar« erinnert werden. Die Gäste sind hierfür 19:00 Uhr ins Untergeschoss der Frauenkirche eingeladen und können im Anschluss an den Film unter der Moderation von Frank Richter mit Angelika Behnke, Harald Bretschneider, Justus Ulbricht und der Regisseurin Barbara Lubich ins Gespräch kommen.

Am 15. Februar, dem Jahrestag des Einsturzes der Frauenkirche, bringt Frauenkirchenorganist Samuel Kummer um 20:00 Uhr ein eigens dafür zusammengestelltes Programm zu Gehör. Es präsentiert Werke der vergangenen 150 Jahre, die das Thema Trauer musikalisch verarbeiten. Kompositionen, die sich auf die biblischen Klagelieder beziehen erklingen ebenso wie Max Regers »Trauerode« oder Franz Liszts Variationen über die Bach-Kantate »Weinen, Klagen, Sorgen, Zagen«. „Dieses Programm geht mir sehr nahe, weil es so viele Emotionen transportiert“, erklärt Frauenkirchenorganist Samuel Kummer. „Johann Nepomuk Davids Partita z.B. über »Es ist ein Schnitter, heißt der Tod« aus dem Jahre 1947 ist überaus eindrücklich. Der vorletzte Satz dieser Partita lässt den Organisten regelrecht einen Totentanz auf der Pedalklaviatur ausführen.“

Frauenkirche Dresden

 

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