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Aktuelles

28. Februar 2017

Siebenwöchige Passionszeit vor dem Osterfest

Entschleunigung mit „Augenblick mal! Sieben Wochen ohne sofort“

Bild: Labyrinth auf dem Gelände des Hauses der Stille in Grumbach (Foto: Rainer Oettel)
Labyrinth - Im 'Haus der Stille' in Grumbach: Vom 10. – 17. März Fasten und Meditation des Tanzes, Einkehr zur Stille, Tanz und ausgedehnte Spaziergänge begleiten das Fasten

DRESDEN – Am Aschermittwoch, der in diesem Jahr auf den 1. März fällt, beginnt die siebenwöchige Passionszeit. Dieser Tag, der mit Abendgottesdiensten und Andachten begangen wird, wird in Sachsen zugleich als Frühjahrsbußtag gefeiert. In den 40 Tagen vor dem Osterfest finden wöchentliche Passionsandachten statt. In dieser Zeit kommen auch zahlreiche Konzerte zur Aufführung, auf die sich die Chöre in den Kirchgemeinden derzeit vorbereiten.

Bild: Einladung zur liturgischen Orgelimprovisationsnacht

So erklingen beispielsweise in der Dresdner Kreuzkirche am Abend des Frühjahrsbußtages um 20:00 Uhr Werke von Marcel Dupré, Paul de Malaigreau, Jean Langlais. Das Konzert steht unter dem Thema „Die Passion Christi“. Am 2. März findet in der Leipziger Thomaskirche um 20:00 Uhr eine liturgische Orgelimprovisationsnacht mit musikalischen Klangbildern über fünf biblische Texte zur Passionszeit statt. Das Konzert steht im Zusammenhang mit BLUECHURCH, dem Festival für Jazz und Kirche 2017 im Rahmen des 21. Liturgiewissenschaftlichen Fachgesprächs an der Universität Leipzig.

Im Zwickauer Dom St. Marien erfährt der kunsthistorisch bedeutsame Wolgemut-Altar am Aschermittwoch um 18:00 Uhr eine Wandlung und er wird geschlossen. Bis in die Osternacht werden die Bildtafeln mit der Leidensgeschichte Jesu Christi (Passionsgeschichte) sichtbar sein. In der Annaberger Bergkirche wird der Frühjahrsbußtag mit einem Gottesdienst um 19:30 Uhr gefeiert, ebenfalls im St. Nicolai-Gemeindesaal in Aue.
In Leipzig wird um 19:00 Uhr in der Paul-Gerhardt-Kirche Connewitz ein Ökumenischer Gottesdienst, in der Auenkirche Markkleeberg-Ost eine Aschekreuzandacht und in der Immanuelkirche Probstheida ein Gottesdienst ebenfalls mit Austeilung des Aschekreuzes gefeiert.

Bild: Aktionsmotiv 7 Wochen ohne 2017

Mit Beginn der Passionszeit beteiligen sich Christen in Deutschland an Fastenaktionen. Der Auftaktgottesdienst für die evangelische Fastenaktion „7 Wochen Ohne“ wird in diesem Jahr am 5. März ab 9:30 Uhr aus der Gethsemanekirche in Frankfurt am Main live vom ZDF übertragen. Die Aktion steht in diesem Jahr unter dem Motto „Augenblick mal! Sieben Wochen ohne sofort“. Sie ruft dazu auf, die sieben Wochen bis zum Osterfest als eine Zeit der Entschleunigung, des Innehaltens und des Nachdenkens zu nutzen.

Im Berufsalltag, aber auch privat geht nichts mehr ohne „sofort“. Die E-Mail, die SMS oder die WhatsApp-Nachricht muss sofort gelesen und beantwortet werden. Gerade in Sozialen Netzwerken wie Twitter und Facebook wird erwartet, dass sofort reagiert wird. Da bleibt keine Zeit zum Nachdenken und Innehalten. Die diesjährige Fastenaktion möchte daran erinnern, dass es durchaus möglich ist, sich aus dem vermeintlich Zwanghaften zu lösen. Die Entschleunigung trägt dazu bei, sich wieder mehr auf sich selbst zu besinnen und sich nicht von Erwartungen hetzen zu lassen und abhängig zu machen.

Das zentrale Element der Aktion ist traditionell der Fastenkalender. Auf einer Doppelseite für jeden Tag begleitet er die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit Texten aus Kirche, Kultur und Alltagsleben durch die Fastenzeit.

Bild: Cover des Buches von Caritas Führer: "Seite an Seite – ein Wegbegleiter"
Caritas Führer: Seite an Seite – ein Wegbegleiter (Cover: Klaus Henker, Meißen)

Auch in einigen sächsischen Gemeinden beteiligen sich Christen an dieser Aktion. Entweder beschäftigen sie sich individuell mit dem umfangreichen Themen-Material oder sie suchen und probieren eigene Wege, schließen sich zu Fastengruppen zusammen bzw. organisieren Gemeindeveranstaltungen. Gedankenanstöße zum Innehalten und Meditieren gibt das neue Andachtsbuch „Seite an Seite – ein Wegbegleiter“ von Caritas Führer aus Dresden. Biblische Impulse und Alltagserfahrungen laden zu persönlichen Stilleübungen ein.

Die Spendenaktion „Hoffnung für Osteuropa“ startet in Sachsen am 5. März mit einem Gottesdienst in der Stadtkirche in Stolpen. In diesem Jahr wird Geld für soziale Projekte in Weißrussland und Rumänien gesammelt. So unterstützt der Oberlausitzer Verein GUMPO seit vielen Jahren In der weißrussischen Hauptstadt Minsk die Kinderkrebsklinik Barawljany. Mit den Spenden will GUMPO die kunsttherapeutischen Angebote ausweiten. Gesammelt wird außerdem für ein Hausaufgabenprojekt in Rumänien. In Zusammenarbeit mit der Roma-Kirche bietet der Verein projekt LEBEN aus Lauterbach bei Stolpen in vier Orten regelmäßig Hausaufgabenhilfe für Kinder aus Roma-Familien an. Hoffnung für Osteuropa ist eine Sammelaktion in Verantwortung der Diakonie Sachsen.

Bild: Salbungsgottesdienst (Foto: Rainer Oettel)

Die evangelische und die katholische Kirchgemeinde in Leipzig-Wahren laden im Rahmen des gemeinsamen lutherisch-katholischem Reformationsgedenken 2017 zu einer besonderen Veranstaltungsreihe ein. Am 8., 15. und 29. März finden jeweils um 19:30 Uhr Ökumenische Fastenpredigten in der Katholischen Kirche St. Albert (Georg-Schumann-Str. 336) statt sowie am 5. April zur gleichen Zeit in der Evangelisch-lutherischen Gnadenkirche (Opferweg5). Auf dem Programm stehen Themen des Glaubens, die miteinander bedacht werden sowie gemeinsames Singen und beten. Im Anschluss gibt es noch die Möglichkeit bei einer Suppe den Abend ausklingen zu lassen.

Als Zeit des Gedenkens an den Leidensweg Christi ist die Passionszeit eine stille Zeit, die Gelegenheit bietet, über sich selbst, sein Leben und Glauben nachzudenken. Passionsspiele und Passionskonzerte laden dazu ein, sich intensiver mit der biblischen Geschichte zu beschäftigen. Viele Gemeinden führen in dieser Zeit Glaubenskurse durch. So bietet beispielsweise die Frauenkirche und die Kreuzkirche in Dresden ab dem 22. Februar wieder den traditionellen Kurs „Religion für Neugierige“ an. Interessierte sind wieder eingeladen, über persönliche Fragen zu Gott und zum Glauben nachzudenken.

In der 40-tägigen Passionszeit werden sich zunehmend Konzertangebote des Themas Christi Sterben und Auferstehung zuwenden. Insbesondere kurz vor und während der Karwoche, die mit Palmsonntag (9. April) beginnt, führen die Kantoreien die bekannten Passionsoratorien auf. Häufig sind es die Matthäuspassion und die Johannespassion von Johann Sebastian Bach, die in den Kirchen erklingen. Mit Palmsonntag werden auch die Konfirmationssonntage beginnen, die bis zum Pfingstfest reichen.

Frühjahrsbußtag in Sachsen seit 21 Jahren am Aschermittwoch begangen

Bild: Blick auf ein romanisches Fenster in der Sakristei

Der sächsische Frühjahrsbußtag steht seit der Reformation in der Nachfolge zahlreicher Bußtage in der Vergangenheit. Seit 1830 waren nur noch zwei Landesbußtage im Frühjahr und Herbst angesetzt worden. In Sachsen ist der Buß- und Bettag im Herbst ein staatlich geschützter und arbeitsfreier Feiertag geblieben und bildet gleichzeitig den Abschluss der Friedensdekade. Der Frühjahrsbußtag, seit 1996 auf Aschermittwoch festgelegt, ist im Gesetz über Sonn- und Feiertage im Freistaat Sachsen ausdrücklich als religiöser Feiertag genannt.

In diesem Jahr kommen die Gedanken zu einer Predigt über 2. Petrus 1, 2-11 am Frühjahrsbußtag (Aschermittwoch) von Professor Dr. Christian Schwarke (Professor für Evangelische Theologie an der Technischen Universität Dresden), die für die Kirchgemeinden im Amtsblatt veröffentlicht wurden.

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