Navigation überspringen

Aktuelles

12. April 2017 - ZWICKAU

Bibeltext in Gebärdensprache – ein signalhafter Beitrag zum Reformationsjubiläum

Wort Gottes gehörlosen Menschen in ihrer Sprache zugänglich machen

Bild: Achim Barth, Heimleiter Hermann-Gocht-Haus Zwickau, in Gebärdensprache
Achim Barth, Heimleiter Hermann-Gocht-Haus, in Gebärdensprache

ZWICKAU – Gebärdensprachdolmetscherstudenten der Westsächsischen Hochschule Zwickau und Mitarbeitende der Behindertenhilfe der Stadtmission Zwickau wagen sich am 12. April daran, einen Abschnitt aus dem neutestamentliche Hebräerbrief von der Lutherbibel in die Deutsche Gebärdensprache (DGS) zu übersetzen.

Eine solche Übersetzung aus der Bibel sei nach Ansicht der Dolmetscher eine durchaus harte Arbeit, was aber auch im Hinblick auf andere Übersetzungen nicht neu zu sein scheint. So äußerte sich Martin Luther bereits damals: "Uns ist es wohl oft begegnet, dass wir drei, vier Wochen haben ein einziges Wort gesucht und gefragt; habens dennoch zuweilen nicht gefunden. In Hiob arbeiten wir also (...) dass wir in vier Tagen zuweilen kaum drei Zeilen konnten fertigen."(1)  

Die heutige Übersetzungsübung in Zwickau steht im Bezug zum diesjährigen Reformationsjubiläum. Martin Luther übersetzte die Bibel vom Lateinischen ins Deutsche. Das Wort Gottes gehörlosen Menschen in ihrer Sprache zugänglich zu machen, ist Anliegen des Workshops, den die Gebärdensprachdozentin Susann Müller an diesem Tag leitet.

Bild: Das Projekt ist Teil der Themenreihe „Special 2017“ der Stadtmission Zwickau im Jubiläumsjahr der Reformation.
Das Projekt ist Teil der Themenreihe „Special 2017“ der Stadtmission Zwickau im Jubiläumsjahr der Reformation.

Die DGS- Übersetzer nehmen sich vier Stunden Zeit. Die Teilnehmer sind gespannt, ob der Paulustext weniger schwer zu übersetzen ist als Hiob. Das Ergebnis wird noch am gleichen Vormittag als Video aufgenommen und im Rahmen des Europäischen Stationenweges am 16. Mai 2017 vor dem Zwickauer Rathaus dem Reformationstruck übergeben und gelangt so nach Lutherstadt Wittenberg. Das Übersetzungsvideo wird zudem in der Ausstellung zur Reformation im Zwickauer Rathaus ab 8. Mai zu sehen sein.

Die Westsächsische Hochschule ist eine von fünf Studienstandorten für Gebärdensprachdolmetscher in Deutschland. Im Hermann-Gocht-Haus und in der Lukaswerkstatt der Stadtmission Zwickau e.V. wohnen und arbeiten gehörlose und mehrfachbehinderte Menschen. In Zwickau werden regelmäßig evangelische und katholische Gottesdienste in Deutscher Gebärdensprache gefeiert. 

So findet am Gründonnerstag, 13. April, um 16:30 Uhr im Hermann-Gocht-Haus (Samuel-Heinicke-Str. 16) ein Abendmahlsgottesdienst in Gebärdensprache statt. Den Gottesdienst hält Pfarrer Stephan Richter aus Schönau, der im Nebenamt die Gehörlosengemeinde Zwickau betreut.

Die Gehörlosenseelsorge ist ein Arbeitsfeld mit mehreren ehren-, neben- und hauptamtlich Mitarbeitenden, die in gebärdensprachliche Gemeinden zu Gottesdiensten, Gesprächskreisen und einer Vielzahl von Angeboten einladen. Die Landesleitung der Gehörlosenseelsorge in Sachsen hat Pfarrerin Kerstin Kluge aus Nossen inne.

(1) Martin Luther zit. in Lapide, Ist die Bibel richtig übersetzt, 2004, S. 27

Hermann-Gocht-Haus in Zwickau

Schriftgrösse
[A]
[A]
[A]
Link-Tipps