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Aktuelles

5. Mai 2017

Über Gott sprechen beim Bier

Nicht-Christen und Christen diskutieren beim Leipziger Kirchentag auch in Kneipen

Ein Kirchentag für alle: Bei »Kneipengesprächen« sollen Christen und Nichtchristen in Leipzig ins Gespräch über Gott und die Welt kommen. Das wünscht sich Organisator Olaf Schmidt. © Wolfgang Zeyen
Ein Kirchentag für alle: Bei »Kneipengesprächen« sollen Christen und Nichtchristen in Leipzig ins Gespräch über Gott und die Welt kommen. Das wünscht sich Organisator Olaf Schmidt. © Wolfgang Zeyen

Der Kirchentag auf dem Weg soll auch für alle Leipziger da sein. Und viele Leipziger stehen der Kirche fern. »Ich begreife das als Chance«, sagt Olaf Schmidt, der mit für die Organisation des Programms zuständig ist. Sein Wunsch: Die Unvoreingenommenen und auch die Skeptiker sollen mit diskutieren. Dazu bedarf es neuer Formate und Ideen.

»Kneipengespräche« heißt deshalb ein Programmpunkt des Leipziger Kirchentages und die Idee klingt simpel: interessante Gesprächspartner werden in Kneipen eingeladen und kommen dort in lockerer Atmosphäre mit Gästen ins Gespräch. Das Konzept wurde bisher nur in kleinen Rahmen auf dem Leipziger Katholikentag getestet. Zum Kirchentag auf dem Weg sollen nun 35 solcher Gespräche stattfinden. Die beteiligten Kneipen und Kulturorte haben die Veranstaltung mit in ihr Programm aufgenommen. Somit sind nicht nur Kirchentagsgäste, sondern auch Leipziger zu erwarten. Deshalb werde es auch keine Kontrollen der Eintrittskarten für den Kirchentag geben und bei gutem Wetter sollen einige Gespräche unter freiem Himmel abgehalten werden.

»Disput heißt eines der drei Worte im Motto des Leipziger Kirchentages auf dem Weg und dieses Wort wollen wir ernst nehmen«, so Schmidt. Die Moderatoren sind dazu angehalten, Kontroversen zuzulassen und die Themen sind durchaus so angelegt.

Beispielsweise wird in der linksalternativen Kneipe »Noch Besser Leben« der Pfarrer Thomas Bohne mit den Gästen über Atheismus diskutieren. Und die Leipziger Kulturbürgermeisterin Skadi Jennicke, die zum Katholikentag noch gegen die städtischen Subventionen gestimmt hatte, wird in der Schaubühne Lindenfels über die freie Kulturszene ins Gespräch kommen. Neben den typischen Kirchentagsthemen wie Luther, Friedliche Revolution, Politik und theologische Debatten sind auch ungewöhnliche Themen zu finden. So dreht sich an einem Abend alles um christliche Dichtung. Markus Nierth wird in der »naTo« über seine Erfahrungen als Tröglitzer Ortsbürgermeister und den Konflikt um eine Flüchtlingsunterkunft berichten.

Besonders Nichtchristen könnten auf diese Weise angesprochen werden, sich Gedanken zur Reformation zu machen und sich mit Luther und dem Christentum zu beschäftigen, so Schmidt. Eine Blackbox nennt er dieses Format. Man wisse noch nicht, wie es angenommen werde. Doch er sei sehr gespannt, wie es funktionieren wird.

Thomas Linke
DER SONNTAG, Nr. 18 | 7.5.2017

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