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Aktuelles

13. Mai 2017

Kirchentag probt direkte Demokratie

Prominente Gäste wie Frank Richter, Antje Hermenau oder Hans-Joachim Maaz

Bild: Besucher können mit Antje Hermenau in Connewitz ins Gespräch kommen. (Foto: © Steffen Giersch)
Bild: Besucher können mit Antje Hermenau in Connewitz ins Gespräch kommen. (Foto: © Steffen Giersch)

Demokratie fühlbar machen – das ist Anspruch des Themenpunktes »Demokratie und Zivilgesellschaft« auf dem Leipziger Kirchentag auf dem Weg. Damit wollen die Organisatoren Zeichen setzen gegen Demokratieverdrossenheit und Rechtspopulismus. Gleichzeitig soll an die besondere Geschichte Leipzigs im Herbst 1989 angeknüpft werden. Mit dabei sind unter anderen die ehemalige sächsische Grünen-Fraktionschefin Antje Hermenau, der Direktor der evangelischen Akademie Meißen Johannes Bilz oder der Vorsitzende der Stiftung Frauenkirche Dresden Frank Richter.

Das Experiment besteht aus drei Teilen, die über zwei Tage dauern. Start ist Freitag Vormittag: Die Kirchentagsbesucher werden auf dem Neumarkt zur Eröffnung von »Demokratie erleben« unter der Leitung von Entertainer Tim Thoelke über politische Fragen diskutieren und abstimmen. Direkte Demokratie wird spielerisch erprobt und konkrete Auswirkungen der Entscheidungen erlebbar. Dann wird ein Film von Schülern des Evangelischen Schulzentrums Leipzig zur Leipziger Stadt-Realität gezeigt. Die Teilnehmer werden abschließend in vier Gruppen zu je einem Stadtteil eingeteilt und sind dann eingeladen, am Freitagnachmittag und Samstagvormittag in diesen Leipziger Stadtteilen Gespräche zu politischen Themen zu führen. Themen und Stadtteile sind aufeinander abgestimmt: So wird auf der Eisenbahnstraße Polizeiseelsorger Stephan Bickhardt über Einwanderung diskutieren und in Connewitz Antje Hermenau über Debattenkultur.

»Uns ist klar, dass nicht jeder Kirchentagsbesucher, der auf der ersten Veranstaltung gewesen ist, sich in die Straßenbahn setzt und bis nach Grünau fährt«, so der organisatorische Leiter Olaf Schmidt. Doch sei es eine Einladung, Demokratie dorthin zu tragen, wo sie hingehört: in den öffentlichen Raum. Bewusst wurden daher die Stadtteilgespräche nicht an kirchliche Orte gelegt, damit keine Hemmschwelle für nichtkirchliche Leipziger entsteht.

So wird es in Gohlis im Mediencampus Villa Ida mit Rolf Spink, Leiter der Volkshochschule, um Populismus gehen. Der letzte Teil mündet dann in einer Kirche: Am Samstag Nachmittag werden unter dem Motto »Freies Wort in freier Gesellschaft« in der Nikolaikirche die Erfahrungen aus den Stadtteilgesprächen auf einem Podium ausgewertet.

Neben den Moderatoren der vier Gespräche werden auch weitere Personen des öffentlichen Lebens zu Wort kommen – darunter der Oberbürgermeister Burkhard Jung, der Psychologe Hans-Joachim Maaz oder Superintendent Martin Henker. Entscheidungen fühlbar machen, mit den Leuten vor Ort ins Gespräch kommen und die verschiedenen Perspektiven und Erfahrungen verbinden: das kann zum Kirchentag auf dem Weg erprobt werden, so die Kirchentags-Organisatoren.

Thomas Linke
Quelle: DER SONNTAG, Nr. 19 | 14.5.2017
 

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