Navigation überspringen

Aktuelles

18. Mai 2017 - BAUTZEN

„Denken im Zwiespalt“ - Lotze-Ausstellung und wissenschaftliche Tagung

Eröffnung der Sonderausstellung zu Rudolph Hermann Lotze am 19. Mai 2017

Bild: Faltblatt mit dem Programm der Tagung

BAUTZEN - Das Museum Bautzen veranstaltet anlässlich des vor 200 Jahren in Bautzen geborenen Philosophen Rudolph Hermann Lotze am 20. und 21. Mai eine wissenschaftliche Tagung mit Referenten aus dem In- und Ausland. Das Denkgebäude des Universalgelehrten findet in gewisser Weise in seiner Religionsphilosophie den Schlussstein, der es zusammenhält.

Der am 21. Mai 1817 in Bautzen geborene Lotze galt lange als einer der bedeutendsten deutschen Philosophen des 19. Jahrhunderts. Seine Philosophie versuchte eine Synthese von naturwissenschaftlichem Realismus einerseits und idealistischer Wertorientierung andererseits. Dass der Begriff „Wert“ in die Philosophie eingeführt wurde, ist im Wesentlichen sein Verdienst. Lotzes breitgefächerten Arbeiten bezogen Gebiete der Metaphysik, Naturphilosophie und -Geschichte, Physiologie, Psychologie, Ethik, Geschichte, Logik und Ästhetik ein.

Eine internationale Tagung, die am 20. und 21. Mai stattfindet wird diese und anderen Aspekte seines Denkens in den Mittelpunkt rücken. Die Wirkungsgeschichte Lotzes in Europa und den USA wird von hochkarätigen Referenten aus dem In- und Ausland beleuchtet und es wird der Frage nach seiner heutigen Bedeutung nachgegangen. Die Tagung schließt sich der Eröffnung der Sonderausstellung an, die am Freitag, 19. Mai, um 19:00 Uhr im Bautzen Museum (Kornmarkt 1) eröffnet wird.

Der weitaus größte Teil der Ausstellung beschäftigt sich anhand von anschaulichen künstlerischen und zum Teil interaktiven Modellen und Versuchsanordnungen mit dem Inhalt von Lotzes Werk – mit den philosophischen Problemen und Fragestellungen selbst. Diese größtenteils räumlichen Verbildlichungen ermöglichen es, auch dem philosophisch interessierten Laien die Gedankengänge Lotzes nahezubringen.   Bücher, Briefe, Dokumente, Fotos etc. geben außerdem über seine Biografie, Veröffentlichungen und sein universitäres Umfeld Auskunft.

Bild: Philosoph Rudolph Hermann Lotze (Quelle: Bautzen Museum)
Rudolph Hermann Lotze

Für Rudolph Hermann Lotze liege das Verdienst des Christentums vor allem darin, dem Geist des einzelnen Menschen ewige Bedeutung zuzugestehen, weil die unmittelbare Beziehung zu Gott, die jedem „gläubigen Gemüt“ möglich sei, den Menschen weit darüber hinaushebe, nur ein Beispiel seiner Gattung zu sein. Jedem Einzelnen verleihe das Christentum einen „unaufheblichen Wert“, in jedem gab es jetzt „ein Unberechenbares, ein Heiligtum, das Schonung verlangte.“ Deshalb müsse auch die Anerkennung der göttlichen Geheimnisse der „Interpretation jedes einzelnen gläubigen Gemüts“ überlassen bleiben, was es andererseits nötig macht, dass „einestheils die theologische Gelehrsamkeit, anderntheils die irreligiöse Naturwissenschaft nicht so sehr vieles genau zu wissen behaupten, was sie weder wissen noch wissen können.“ (Grundzüge der Religionsphilosophie, Leipzig 1894, § 96)

Unter anderem in diesem Sinne ist wohl auch die Wirkung Lotzes auf die Theologie einzuschätzen: Albrecht Ritschl und sein Schüler Wilhelm Hermann stützten sich (außer auf Kant) wesentlich auch auf Lotze, als sie die protestantische Theologie aus ihrem sinnlosen Konflikt mit den Naturwissenschaften herausführten.

Tagungsprogramm

Schriftgrösse
[A]
[A]
[A]
Link-Tipps