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Aktuelles

10. Juli 2017 - WITTENBERG (EKM)

Schwerter zu Pflugscharen: in Wittenberg wurde 1983 geschmiedet

Themenwoche Frieden erinnert an Aktion und Symbol der Friedensbewegung

WITTENBERG - An historischem Ort mit Zeitzeugen sprechen: In der Themenwoche Frieden von Mittwoch, 12. Juli, bis Montag, 17. Juli gibt es im Lutherhof immer um 14:00 Uhr Interviews mit Zeitzeugen der Friedensbewegung in der ehemaligen DDR:

Die Gesprächspartner sind:

  • am Mittwoch: Michael Stolle, Wittenberg, Dirigent, Pianist, Musikpädagoge
  • am Donnerstag: Andreas Ilse, Finne (Thür.) Netzwerk ehemaliger Bausoldaten, Thüringer Archiv für Zeitgeschichte
  • am Freitag: Harald Bretschneider, Dresden, Oberlandeskirchenrat i.R.
  • am Sonnabend: Friedrich Schorlemmer, Wittenberg, Pfarrer i.R., Bürgerrechtler, Autor
  • am Sonntag: Wolfgang Geffe, Jena, bis 2013 Beauftragter für Friedensarbeit
    der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland
  • am Montag: Waltraut Zachhuber, Magdeburg, Pfarrerin, Superintendentin i.R.
     

Bild: Foto während einer Friedensaktion mit dem Zeichen "Schwerter zu Pflugscharen"

Am 24. September 1983 schmiedete Stefan Nau während des evangelischen Kirchentages in Wittenberg auf dem Lutherhof ein Schwert zu einer Pflugschar um. Das hat Aufsehen erregt: In der DDR und auch im Westen. Der damalige Regierende Bürgermeister und spätere Bundespräsident Richard von Weizsäcker war als langjähriges Präsidiumsmitglied des Deutschen Evangelischen Kirchentags zu Gast bei diesem Kirchentag. Zudem war eine hohe Zahl von westlichen Medienvertretern in Wittenberg. Der Journalist Peter Wensierski war einer der wenigen, die auch über die Aktion und nicht ausschließlich über den Besuch des designierten Bundespräsidenten berichtet haben: „Das war etwas, das viele in Westdeutschland auch verstanden hatten. Es war plötzlich klar, dass es auf beiden Seiten der Mauer ähnlich denkende Leute gibt.“

Begleitet und unterstützt wurde die Aktion des Wittenberger Schmieds Stefan Nau von Friedrich Schorlemmer, damals Prediger an der Schlosskirche Wittenberg und Dozent am Evangelischen Predigerseminar. Er las, während der Schmied arbeitete, biblische und politische Texte.
Grundlage dieses zur Friedensparole gewordenen Worts ist ein Zitat aus der Vision des Völkerfriedens beim Propheten Micha im hebräischen Teil der Bibel: „Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen. Kein Volk wird gegen das andere das Schwert erheben, und sie werden fortan nicht mehr lernen, Krieg zu führen. Ein jeder wird unter seinem Weinstock und Feigenbaum wohnen, und niemand wird sie schrecken.“

Das graphische Symbol „Schwerter zu Pflugscharen“ gab es schon vor der Aktion im Lutherhof: Der damalige Dresdner Jugendpfarrer Harald Bretschneider hatte es zusammen mit der Grafikerin Ingeborg Geißler entworfen und als Lesezeichen auf Vliesstoff drucken lassen. Weil es damit als „Textiloberflächenveredlung“ galt, war keine staatliche Druckgenehmigung erforderlich.

Später gab es das Symbol als Aufnäher im Osten wie im Westen. In der DDR war das Tragen verboten. Deshalb, so erzählen Zeitzeugen, präsentierten manche in ihrer Oberbekleidung kreisrunde Löcher in gleicher Größe.

An diese „Löcher“ erinnert die im März dieses Jahres im Lutherhof von Wittenberg errichtete mehr als drei Meter hohe Skulptur. „Ich bin mir sicher: Das Zeichen, das Friedrich Schorlemmer an diesem Ort 1983 gesetzt hat, ist eines der bedeutsamsten Symbole für alles, was danach passiert ist“, sagte Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) bei der Einweihung.

Der Amboss, auf dem das Schwert vorgeschmiedet wurde, ist während der Weltausstellung Reformation in der Präsenz „Württemberg in Wittenberg“ zu besichtigen. Direkt beim Lions Meeting Point, an dem der Lions-Club Wittenberg nicht nur die Mitglieder der weltweiten Vereinigung empfängt. Dort ist viel zu erfahren über die Geschichte der Friedensbewegung, aber auch zur Entstehung des Denkmals. Der Hallenser Künstler Michael Krenz hat die 3,2 mal 2 Meter große Stahlplastik entworfen. Die Kosten für den Kunstwettbewerb, bei dem Michael Kranz als Sieger hervorging, und die Erstellung des Denkmals trugen der Lions Club Wittenberg und weitere Lions Clubs aus Deutschland.

Weltausstellung Reformation: Themenwoche Frieden

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