Navigation überspringen

Aktuelles

19. Juli 2017 - Mšeno (CZ)

Tschechisch-deutscher Reformationsgottesdienst

Bild: Pfarrer Dr. Michael Führer auf einem Felsstein spricht zur Gemeinde (Foto: privat)
Pfarrer Dr. Michael Führer

Aus einer Beschreibung von Pfarrer Dr. Michael Führer entnommen

Mšeno | Dresden - „Ich bin sehr froh, ein evangelischer Christ zu sein. Ich stehe in einer großen Tradition. Sie reicht zurück bis in die Tage von Jesus aus Nazareth.“ Mit diesen Worten stellte sich der Dresdner Pfarrer Dr. Michael Führer den ca. 60 Personen vor, die mitten im Wald nahe der tschechischen Kleinstadt Mšeno lagerten. Sie waren der Einladung des evangelischen Pfarrers Michal šimek gefolgt. Und sie erlebten am Nachmittag des 1. Juli einen „Gottesdienst in den Felsen“, der das 500-jährige Reformationsjubiläum zum Thema hatte.

Dort hatte die deutsch-tschechische Predigt ein besonderes Echo, standen doch die Pfarrer exponiert und angeseilt auf großen Felsblöcken der „Daubener Schweiz“. „Evangelisch und reformatorisch sein heißt, ich habe die Freiheit und sogar die Pflicht, alles aus der kirchlichen Tradition und auch die kirchliche Lehre zu prüfen. Und das, was nicht zur Bibel passt, wird beiseitegelegt“, so die zentrale Aussage der Predigt.

In anschließenden Gesprächen wurde deutlich, dass die klaren Worte von Pfarrer Führer protestantisches Selbstbewusstsein anregten: „Wenn wir mit Gott reden wollen, brauchen wir dazu keinen Priester, keinen Bischof, keinen Papst. Und beim Heiligen Abendmahl ist nicht die Kirche oder der Priester der Gastgeber, sondern Gott persönlich. Protestantischer Glaube führt in die Freiheit der Kinder Gottes. Ja: Kinder Gottes sind von Gott abhängig. Aber das ist tausendmal besser, als abhängig zu sein von Politikern und Kirchenfürsten...“, so die selbstbewusste Auslegung. Immerhin bezog sie sich auf die Stelle im Römerbrief (8,14) des Paulus: „Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder“. Der positive Impuls initiierte auch nach dem Gottesdienst einzelne Gespräche, was christliches Leben in Tschechien und Deutschland dieser Tage charakterisiert.

Dass Luther an Bemühungen von Jan Hus angeknüpft hat, unterstrich šimek in seiner Rede über den deutschen Reformator und sein Hineinwirken in die böhmischen Länder. Luther habe sich bei seiner Disputation im Juli 1519 in Leipzig ausdrücklich zu Hus bekannt, so šimek, der Martin Luthers Ausspruch und Selbstbeschreibung mit den Worten zitierte: „Unwissentlich sind wir alle Hussiten.“

Dass es Beziehungen zwischen den evangelischen Kirchgemeinden Mšeno und Dresden-Gruna-Seidnitz gibt, hat sich aus persönlichen Begegnungen der Pfarrersfamilien ergeben. Und einzelne Dresdner Gemeindeglieder zeigen sich interessiert an einer weiteren Ausgestaltung solcher Partnerschaft. Dass immerhin sechs Deutsche den durchweg zweisprachigen Gottesdienst mitgefeiert haben, war ein Anfang. Bei denen, die Sprachbarrieren nicht überwinden konnten, war freundliches Händereichen zum Abschied eine gute Geste in Zeiten, wo man eher zu ausländischen Nachbarn Abstand hält. - Und wie man „Ein feste Burg“ auf Tschechisch singt, sei allemal hörenswert, fasst Dr. Führer seine Eindrücke zusammen.

Schriftgrösse
[A]
[A]
[A]
Link-Tipps