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Aktuelles

8. August 2017 - ZITTAU

Ganz anders. Die Reformation in der Oberlausitz

Schau exquisiter Kunstwerke im einzigartigen zweischiffigen Kirchenraum

ZITTAU - Bis Anfang nächsten Jahres ist in der Zittauer Klosterkirche der Zittauer Epitaphienschatz zu sehen. Die große Ausstellung ist zugleich Abschluss des Gesamtvorhabens „Gesichter der Reformation in der Oberlausitz, in Böhmen und Schlesien“, 2012-17 im Kulturraum Oberlausitz-Niederschlesien. Die Epitaphien gestatten einen eindrucksvollen Blick in die Lebenswelten des Reformationszeitalters, sie zeugen somit auf intime und anrührende Weise vom Glauben und Hoffen, vom Schicksal und den Nöten der Menschen der damaligen Zeit:

Wie erlebten die Zittauer das Jahrhundert der Reformation? Was glaubten sie? Wie sahen sie die Welt? Die zahlreichen Epitaphien, die aus Zittaus Kirchen erhalten blieben, geben überraschend vielfältig Auskunft zu diesen Fragen. Sie stehen frisch restauriert im Zentrum der großen Zittauer Schau zur Reformation in der Oberlausitz. Neben den beiden Fastentüchern von 1472 und 1573 wird die Präsentation der Epitaphien ein weiterer Höhepunkt unter den Zittauer Kulturschätzen von überregionalem Rang.

Bild: Titel vom Ausstellungsfaltblatt

Der Epitaphienschatz

Eine Besonderheit Zittaus ist der überaus reiche und jüngst restaurierte Bestand an Epitaphien des 16. und 17. Jahrhunderts. Epitaphien wurden von Menschen und Familien in Auftrag gegeben, um ihr Andenken für die Nachwelt zu bewahren. Sie sind meist sehr kunstvoll gestaltet und bestehen aus Inschrift und Bild, oft sind die Familien dargestellt. Während in vielen Städten keine oder nur wenige dieser Gedächtnismale erhalten blieben, gibt es in Zittau bis zum heutigen Tage über 80 dieser Kunstwerke. Präsentiert wird der Epitaphienschatz in der zu diesem Anlass restaurierten Zittauer Franziskanerklosterkirche St. Peter und Paul.

Eine reichhaltige und aufregende Geschichte

Eingebettet werden diese herausragenden Kunstwerke in die Inszenierung der vielfältigen und ungewöhnlichen Reformationsgeschichte der Oberlausitz. Neben den meist schon früh zur Reformation übergetretenen Städten bestanden hier in unmittelbarer Nachbarschaft katholische Klöster (Marienthal, Marienstern) weiter. In ihrer ökonomischen Entwicklung waren sie eng miteinander verbunden. Auch durch die ehrgeizigen künstlerischen Ausstattungen der Kirchen gab es mannigfaltige gegenseitige Bezugspunkte. Dazu gesellten sich später böhmische Exulanten und die Herrnhuter Brüderunität, die die konfessionelle Vielfalt der Oberlausitz noch bereicherten. Dass man in Zittau bis weit nach Einführung der Reformation das große mittelalterliche Fastentuch – nach Luther eigentlich absolut unzulässig – bis ins späte 17. Jahrhundert weiternutzte und 1573 gar ein neues in Auftrag gab, mag aus heutiger Sicht überraschen, ist aber nur ein weiterer Beleg für die vielen ungewöhnlichen Entwicklungen in der Reformationszeit.

Die Schau der exquisiten Kunstwerke in dem einzigartigen zweischiffigen Kirchenraum ist das zentrale Ausstellungserlebnis 2017 in der Oberlausitz. So ist neben dem reichen Epitaphienschatz wird ein weiteres Ausstellungshighlight der Nesensche Lutherpokal sein, der den Städtischen Museen Zittau für die Dauer der Sonderausstellung vom Grünen Gewölbe geliehen wird.

Wilhelm Nesen (1493-1524) traf Martin Luther 1521 in Frankfurt und folgte ihm 1523 nach Wittenberg. Luther schenkte seinem Freund einen Trinkbecher aus Kristall. Wilhelm starb aber schon 1524 bei einer Bootsfahrt. Der Professor hinterließ keine Söhne und so ging das Geschenk des Reformators an dessen Bruder Konrad Nesen (1495-1560, Bürgermeister), der von Luther und Melanchthon nach Zittau entsandt wurde, um dort den protestantischen Glauben zu festigen. Das Trinkgefäß nahm er in seine neue Heimat mit. Fortan wurde die Kostbarkeit genau 260 Jahre innerhalb der Familie Nesen in Zittau weitervererbt, bis die männliche Linie der Nesens mit Christian Friedrich Nesen 1793 ausstarb. Dieser vermachte den Pokal dem Grünen Gewölbe in Dresden. Mit der Sonderausstellung gelangt der Nesenpokal nun an den Ort zurück, an dem er jahrhundertlange verwahrt und geschätzt wurde. 

Ausstellung mit ausstellungsbegleitenden Veranstaltungen

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