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Aktuelles

23. August 2005

Diakonie Sachsen: „Kein Mensch darf verloren gehen“

Diakonische Perspektiven gegen die Arbeitslosigkeit

RADEBEUL - 40.000 Zusatzjobs hat das Diakonische Werk bundesweit in diakonischen Einrichtungen geschaffen. Auch in den Mitgliedseinrichtungen der  Diakonie Sachsen arbeiten derzeit etwa 1.500 Menschen in Zusatzjobs. „Diese Angebote lösen keinesfalls das Problem der Massenarbeitslosigkeit, denn der Sprung von der qualifizierenden Zusatzbeschäftigung in den regulären Arbeitsmarkt gelingt nur selten“, resümiert Christian Schönfeld, Direktor der Diakonie Sachsen, die Erfahrungen des ersten halben Jahres mit den umstrittenen Ein-Euro-Jobs. Dies sei freilich nicht verwunderlich, denn solange der erste Arbeitsmarkt keine Stellen biete, könnten die Hartz IV-Reformen auch nicht greifen.

Doch auch wenn die Zusatzjobs leider nicht zu mehr Chancen auf dem ersten Arbeitsmarkt führten, böten sie doch oftmals die Möglichkeit zusätzlicher Qualifizierung. „Außerdem tragen sie zur seelischen Stabilisierung bei – Arbeit verhilft wieder zu Struktur und neuem Sinn. Die zusätzlichen Angebote können  ein Gewinn für alle sein.“
Als besonders problematisch schätzt der Diakonie-Chef allerdings die beschränkte Dauer der Zusatz-Jobs von sechs Monaten ein. „Je näher das Ende rückt, umso häufiger fragen die Betroffenen, was danach kommt – und wir haben oft keine Antwort.“

Anders bei der Kirchlichen Erwerbsloseninitiative Zschopau (Mitglied bei der Diakonie Sachsen): Dort habe die zuständige Arge (Arbeitsgemeinschaft aus Landkreis und Arbeitsagentur) zusammen mit der Diakonie ein Modell entwickelt, bei dem statt der Ein-Euro-Jobs reguläre sozialversicherungspflichtige Arbeitsgelegenheiten für ein ganzes Jahr geschaffen wurden. „Solche Modelle müssen Schule machen, die bestehenden Argen in Sachsen und die sechs optierenden Kommunen müssen da nachziehen“, fordert der Diakonie Chef.

Auch die stärkere Förderung arbeitsloser Jugendlicher ohne Schulabschluss und Berufsausbildung mahnt Schönfeld an. In den Berufsbildungswerken der Diakonie könne nur bedingt das nachgeholt werden, was in den Schulen versäumt wurde. „Wenn jeder vierte jugendliche Arbeitslosengeld-II-Bezieher keinen Schulabschluss hat und zwei Drittel ohne Berufsausbildung ist, dann ist da vorher einiges schief gelaufen“, meint Schönfeld. "Wir dürfen und können uns das als Gesellschaft nicht leisten: Kein Mensch darf verloren gehen."(DW-23.8.5)

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