29. Oktober 2005
„Hallo Luther“ – Reformationsfest in sächsischen Kirchgemeinden
Erster Reformationsgottesdienst in der Dresdner Frauenkirche nach über 60 Jahren

Dr. Martin Luther vor der Frauenkirche
DRESDEN - Die Kirchgemeinden der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens feiern am 31. Oktober mit Festgottesdiensten, besonderen Gemeindeversammlungen und Konzerten das Reformationsfest, das in den östlichen Bundesländern – ohne Berlin – als gesetzlich geschützter arbeitsfreier Feiertag begangen werden kann.
In diesem Jahr ziehen die Feierlichkeiten um die neugeweihte Dresdner Frauenkirche viele Blicke auf sich. Am Tag nach der Weihe wird am 31. Oktober zum ersten Mal wieder nach über 60 Jahren in der wiederaufgebauten protestantischen Kirche hinter dem Lutherdenkmal auf dem Neumarkt ein Reformationsgottesdienst gefeiert. Die Predigt hält Frauenkirchpfarrer Stephan Fritz, der insbesondere frühere Gemeindeglieder zum Abendmahlgottesdienst einlädt. Landesbischof Jochen Bohl wird traditionell um 10:00 Uhr in der sächsischen Bischofskirche, dem Dom zu Meißen, predigen.
In der Dresdner Zions-Kirchgemeinde hält ein pensionierter schwedischer Bischof zum dortigen Kirchweihfest um 10:30 Uhr die Predigt , da dieses Gemeindezentrum Anfang der 80er Jahre durch die Hilfe der Kirche Schwedens neu entstanden ist.
Nicht nur die Beendigung des 10-jährigen Wiederaufbauwerks der Dresdner Frauenkirche und ihre Weihe setzen die Menschen in Bewegung. In vielen Kirchgemeinden werden nach Erntedank und um den Reformationstag Kirchweihfeste begangen oder zurückliegenden Bauvorhaben vor dem Spätherbst beendet. Besondere Jubiläen feiern mit 350 Jahren beispielsweise die Erlöserkirche im erzgebirgischen Bärenstein und die Kirche in Boritz bei Riesa (300 Jahre). In Pockau (120 Jahre) sind rechtzeitig vor dem Festtag die drei neuen Bronzeglocken geweiht und aufwendig in den neuen Glockenstuhl gehoben worden. Für die St.-Jakobi-Kirchgemeinde in Stollberg werden am Reformationstag drei neue, kürzlich in Lauchhammer gegossene Glocken um 10:00 Uhr in einem festlichen Gottesdienst auf dem Marktplatz geweiht. In Großenhain feiert die Gemeinde am 30. Oktober einen Dankgottesdienst aus Anlass der gerade beendeten umfangreichen Außensanierung der St.-Marien-Kirche und am 31. Oktober lädt sie zu einem Konzert. Auch in Auerswalde bei Mittweida und in Augustusburg bei Zschopau erstrahlen die Kirchen nach Sanierungsmaßnahmen zum Reformationsfest neu.
In den meisten Kirchgemeinden laden Abendmahlsgottesdienste mit besonderer musikalischer Ausgestaltung die Gemeindeglieder ein. So gibt es einen Festgottesdienst mit den Leipziger Thomanern in der Thomaskirche sowie musikalische Gottesdienste in St. Nicolai in Aue, St. Georgen in Schwarzenberg, St. Nicolai in Pulsnitz. In die Leipziger Nikolaikirche wird um 17:00 Uhr unter dem Motto „Was würde Jesus heute sagen?“ ein Festgottesdienst angeboten, indem als Gast und Redner auch der frühere Bundesminister Heiner Geißler erwartet wird.
Extra Konzerte und Vespern am Nachmittag und Abend finden beispielsweise im erzgebirgischen Langenau bei Freiberg , Großolbersdorf, Hartenstein, Johanngeorgenstadt, Zöblitz sowie in Zwickau mit dem bekannten Orgelvirtuosen Matthias Eisenberg in der Lutherkirche statt. Weiterhin gibt es Konzerte in Bad Schandau, in der Weinbergkirche in Pillnitz, im mittelsächsischen Colditz, in Hartha, im vogländischen Jocketa und in Leipzig-Möckern, -Taucha, -Schleußig und -Gohlis. Während in Hinterhermsdorf bei Pirna ein Rep-Band-Gottesdienst moderne Töne anschlägt, wird ein bergmännischer Gottesdienst in der Schneeberger Kirche „Zu unser lieben Frauen“ mit der Bergbruderschaft Schneeberg und Neustädtel, dem Landesbergmusikkorps und dem Knappenchor eher für traditionelle und heimatliche Töne sorgen.
Neben Konzerten bietet der Feiertag in den Gemeinden auch Gelegenheit zu besonderen und außergewöhnlichen Gemeindeveranstaltungen. In diesem Jahr werden sich einige Gemeinden den in der ARD am 31. Oktober um 20:15 Uhr gesendeten Kino-Film „Luther“ gemeinsam anschauen. Für Kinder gibt es in Bockendorf bei Hainichen Unterhaltung mit dem Diakon und Zauberer Fritz Reschke unter dem Thema „Bezaubernder Glaube“. An anderen Orten wie in Hermannsdorf bei Annaberg mit dem Verkündigungsspiel „Ruth“ und der Spielschar Elterlein, finden Theateraufführungen und Kinder-Musicals statt wie in Lichtenberg bei Freiberg mit dem Stück „Die leibliche Geschichte von Josef und seinen Brüdern“. An einigen Orten wie in Mutzschen bei Grimma werden Reformationsbrötchen im Kindergottesdienst gebacken oder vorher gekauft und an die Kinder der Gemeinde verteilt.

Lutherrose
An einigen Orten wird der Feiertag auch mit Ökumenischen Gottesdiensten gemeinsam mit evangelisch-methodistischen und römisch-katholischen Christen begangen. Ansonsten wird traditionell an die Reformationsgeschichte gedacht, die in den historischen sächsischen und thüringischen Landen ihren Anfang nahm. 1517 war mit den 95 Thesen Martin Luthers zur Disputation über den Ablass und die Heiligenverehrung die Reformation in Windeseile über Wittenberg hinaus verbreitet worden. In Sachsen ist das Reformationsfest seit 1667 Feiertag. Es ist auch durch die sächsische Spezialität der „Reformationsbrötchen“ im Bewusstsein der Bevölkerung verankert. Ob nun Pfarrer- oder Bischofsmütze, Lutherrose oder Nagelkopf, die Herkunft dieses Reformationsgebäcks ist nicht eindeutig geklärt. Jedenfalls bieten zahlreiche Bäcker Sachsens, wie im Leipziger, Chemnitzer und Zwickauer Land die Brötchen an, während die Bäcker um Radebeul beispielsweise das größere „Lutherbrot“ ebenfalls aus leichtem Striezelteig und klassischen Stollenzutaten in den Tagen vor dem Fest anbieten.
In den evangelischen Nachbarkirchen auf dem Gebiet Sachsen-Anhalts startete eine Informationskampagne in Dessau und Magdeburg zum Reformationsfest und seiner Bezüge zu Martin Luther. Diese Aktion steht im Zusammenhang mit einer evangelischen Initiative „Hallo Luther“, die mit anschaulichen und sachlichen Informationen in lockerer Form den Umgang mit der gegenwärtigen Halloween-Kultur am Reformationsfest aufgreift.
"Hallo Luther" - Reformationsfest 2005 (Eine Aktion der Ev.-Luth. Landeskirche Hannovers)


