3. November 2005
Friedendekade vom 6. – 16. November unter dem Motto „Wer kriegt was?“
In dieser Zeit wird auch besonders des Novemberpogroms von 1938 gedacht

SACHSEN - Vom 6. bis 16. November 2005 laden Kirchgemeinden in Sachsen - wie in ganz Deutschland - im Rahmen der 26. Ökumenischen Friedens-Dekade zum Gebet für den Frieden ein. Kaum eine Gemeinde in Sachsen, die sich nicht traditionell mit täglichen Abendandachten, speziellen Themenabenden oder Gottesdiensten an der seit 26 Jahren stattfindenden Aktion beteiligt. Die diesjährige Dekade, die immer die zehn Tage vor dem Buß- und Bettag umfasst, steht unter dem Leitwort „Wer kriegt was?“. Das diesjährige Thema der Dekade will auf private Habsucht und Habgier, auf gesellschaftliche Ungerechtigkeit und Krieg aufmerksam machen, die dem Einzelnen und der Gesellschaft die Menschlichkeit und Würde rauben. Es soll aber nicht nur darauf hingewiesen werden, was den meisten Menschen in der Einen Welt vorenthalten wird, um menschenwürdig leben zu können, sondern auch auf die Verpflichtung des Teilens und Gebens mit der programmatischen Erkenntnis im Zusammenleben: „Geben befreit vom Kriegen“.
Für die konkrete Umsetzung in den Gemeinden wurden u.a. ein Faltblatt mit thematischen Impulsen für jeden Tag und ein 60-seitiges Materialheft herausgegeben. Durchgeführt wird die Aktion von einem „Gesprächsforum“, der sich aus Vertretern der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen und der Trägergruppe „Ökumenische Dekade Frieden in Gerechtigkeit“ zusammensetzt.
In Dresden wird vom 7. bis 16. November wieder die ökumenische Gebetskette der „100 Beter für den Frieden“ geschlossen, die jeden Tag zwischen 10:00 und 20:00 Uhr in der Kapelle im Haus der Kathedrale, Schlossstraße 14, die Friedens-Dekade begleitet. Die vom Ökumenischen Informationszentrum in Dresden organisierte Aktion wird dort von zahlreichen Christen aus den Kirchgemeinden Dresdens im Wachen und Beten unterstützt und endet am 16. November um 18:00 Uhr mit einem Ökumenischen Abschlussgottesdienst in der Evangelisch-reformierten Kirche an der Brühlschen Terrasse.
Am 8. November um 20:00 Uhr findet aus Anlass der Friedendekade im Luther-Gemeindehaus in Radebeul-Altkötzschenbroda ein Gespräch mit Dr. Hans-Georg Wiek, Botschafter a.D. aus Berlin, und Oleg Woltschek, dem Couragepreisträger 2004, statt.
Im Gemeindehaus der Heilig-Geist-Kirchgemeinde Dresden-Blasewitz wird am 9. November um 19:30 Uhr die filmische Dokumentation von der innerdeutschen Grenze „Halt! Zonengrenze“ gezeigt.
Aus Anlass der Reichspogromnacht von 1938 führt in Dresden die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, das Evangelische Stadtjugendpfarramt und die Katholischen Dekanatsjugendseelsorge vom 9.-13. November ein „Weg der Erinnerung“ mit Fahrrädern auf den Spuren jüdischen Lebens durch. Unter dem Thema „Ich habe diesen Engen gehabt, der mich aus den unwahrscheinlichsten Sachen herausgeholt hat“, wird den Spuren einer Dresdner Jüdin nachgegangen. Das historische Geschehen soll somit anhand eines Lebensweges verdeutlicht werden. Die Teilnehmer suchen einzelne Plätze auf, die im Leben von Johanna Krause, einer Jüdin ungarischer Herkunft, eine Rolle gespielt haben und an ihr Leid, aber auch an ihr Temperament und ihren Gerechtigkeitssinn erinnern.

Zu Beginn der Dekade treffen sich in Meißen in der Frauenkirche am 7. November um 18:00 Uhr Christen der Stadt zu einem Friedengebet, wo auch die Radler der evangelische Adventsaktion „Ein Fahrrad für Jesaja“ teilnehmen werden. Die Fahrrad-Werbetour beginnt am Morgen des selben Tages in der Fahrradkirche Wehlen elbeaufwärts, bis sie über mehrere Stationen zur Abendandacht in Meißen eintreffen werden, um anschließend über die Hilfsaktion zu informieren.
In Sebnitz lädt die evangelische Stadtkirchgemeinde am 13. November um 17:00 Uhr zu einer Klezmer-Musik mit dem Ensemble „Shoshana“ ein, wo in Hebräisch als auch in Jiddisch gesungen wird.
Eine „Lange Nacht des Friedens“ gestaltet die Junge Gemeinde des Kirchenbezirks Großenhain am 15. November in der Großenhainer Marienkirche, die um 19:30 Uhr beginnt.
In die katholischen Kirche in Burgstädt bei Chemnitz laden die Christen dieser Gegend, darunter auch die evangelische Kirchgemeinde in Hartmannsdorf, am 16. November (Buß- und Bettag) zu einem Ökumenischen Gottesdienst um 9:30 Uhr ein.
In Leipziger Kirchen werden zur Eröffnung der Friedensdekade am 6. November ebenfalls Bittgottesdienste für den Frieden gehalten. So lädt zum Gedenken an die Zerstörung der Synagogen und jüdischen Geschäftshäuser durch die Nationalsozialisten im Jahre 1938 die Jüdisch-christliche Arbeitsgemeinschaft 9. November 2005 um 17:00 Uhr zu einem Friedensgebet in die Nikolaikirche ein. Anschließend findet ein Kerzenweg zur Gedenkstätte in der Gottschedstraße statt.
Die Überlebende des Holocaust, Anita Lasker-Wallfisch, stellt um 19:00 Uhr in der Kirche Wiederitzsch ihre Lebenserinnerungen vor.
Um 19.30 Uhr findet in der Thomaskirche zusammen mit der Israelitischen Religionsgemeinde ein Gedenkgottesdienst statt. Es singt der Leipziger Synagogalchor unter Leitung von Kammersänger Helmut Klotz.
Zu einer besonderen Nacht für den Frieden unter dem Motto „Neues Leben. Komm“ laden die evangelische und katholische Jugend am 11. November ab 19:00 Uhr in die Nikolaikirche ein. Der Abend beginnt mit einem Konzert der Band „Stilbruch“. In der anschließenden Andacht setzt Steffi Semder, Teilnehmerin der Euroszene, zu Orgelimprovisationen von Jürgen Wolf das Märchen „Die zertanzten Schuhe“ tänzerisch um. Bis in die Nacht hinein gibt es in der Kirche Kreativangebote, Theater, Konzert und Taizégebete.
Musikalisch besonders gestaltet wird das Friedensgebet am Montag, 14. November, 17:00 Uhr in der Nikolaikirche. Es wirken der Los Angeles Cathedral Choir (USA), der Iwata Bach Choir (Japan) und der Daejeon Philharmonique Choir (Südkorea) mit.
Am Dienstag, 15. November, schließt sich um 20:00 Uhr in der Thomaskirche die „Nacht der Lichter“ mit Taizégebeten und -gesängen an.
Zum Abschluss der Friedensdekade am Buß- und Bettag, 16. November, feiern viele Gemeinden noch einmal besondere Bittgottesdienste, wie die Thomas- und Nikolaikirchgemeinde gemeinsam um 17:00 Uhr in der Nikolaikirche. Die Junge Gemeinde der Apostelkirche Großzschocher gestaltet um 19:00 Uhr einen besonderen Gottesdienst zum Abschluss der Friedensdekade. Musikalisch wirkt der Kammerchor Soiva Harmonia unter Leitung von Minna Raassina mit.

Symbol "Schwerter zu Pflugscharen"
Die Friedens-Dekaden gehen zurück auf einen Aufruf des Ökumenischen Jugendrates in Europa bei seiner Vollversammlung 1979 in den Niederlanden. Die Landesjugendpfarrer nahmen die Idee auf. 1980 wurde die erste Friedensdekade in den Kirchen der DDR begangen. Das Symbol "Schwerter zu Pflugscharen" hat hier seinen Ursprung und begleitet seitdem die gesamte, nicht nur die kirchliche Friedensarbeit. In der BRD wurde die Friedensdekade zeitgleich vor allem von kirchlichen und Friedens- Gruppen begonnen und getragen. Bis Anfang der 90er Jahre wurde sie in Ost- und Westdeutschland unterschiedlich begangen. Nach der Ökumenischen Versammlung 1989 beteiligte sich auch die Römisch-katholische Kirche in der DDR an der Friedensdekade.(2.11.5)


