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25. Dezember 2005

„Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht"

Bohl: „Nicht diejenigen vergessen, die in unserer Mitte von Dunkelheit umgeben sind“

Bild: Ausschnitt Deckenbemalung Frauenkirche
Die Tugend der Barmherzigkeit

„An diesem Festtag des Friedens wollen und werden wir nicht diejenigen vergessen, die in unserer Mitte von Dunkelheit umgeben sind", führte der sächsische Landesbischof, Jochen Bohl, in seiner Predigt am Heiligabend in der Dresdner Frauenkirche aus. Gott erwarte, dass Christen sich den Schwachen zuwenden, da er selbst in äußerster Schwäche in die Welt gekommen sei, so Bohl.

Jochen Bohl sprach in seiner Predigt beim ersten Weihnachtsfest in der wieder aufgebauten Dresdner Frauenkirche die Bereiche an, wo heutzutage das Dunkel die Welt beherrsche: „Wir erschrecken vor den Untaten eines blutigen Terrorismus und dem Wahn, der ihn treibt. Wir haben in unserem Land allzu viele von einer guten Entwicklung der Gesellschaft ausgeschlossen; nach zahllosen Enttäuschungen sind sie ohne Zuversicht, eine Arbeit zu finden. An diesen Weihnachtstagen fürchten sich Tausende vor dem drohenden Verlust ihres Arbeitsplatzes, und hören zugleich von großen Gewinnen, zu denen auch sie mit ihrer Arbeitskraft beigetragen haben. Das Ziel jeden Wirtschaftens ist aber nicht die maßlose Steigerung des Einkommens weniger, sondern dass alle Menschen ihren Lebensunterhalt erarbeiten können und mit ihren Kräften, Gaben und Fähigkeiten etwas beitragen können für eine Zukunft in Gerechtigkeit. Wir machen es den Jungen viel zu schwer, ihren Platz zu finden im Leben der Gesellschaft und drängen die Älteren unsinnig früh an den Rand. Wir gehen in die Irre, wenn wir meinen, es könne eine gute Zukunft geben ohne Kinder."

Dagegen werde an Weihnachten deutlich, was Gott mit seiner Welt wolle: „Die Weihnachtsbotschaft ist ein strahlendes, helles Licht in dieser Welt. Sie leuchtet klar, und jeder Mensch versteht sie: Fürchtet euch nicht, Friede sei mit Euch, das ist die Botschaft der Engel in Bethlehem. Zu dem Frieden, den Gott schenken will, sind wir  berufen; und wir werden zu Friedensboten, wo wir einander mit seinen Augen ansehen. Dann werden wir uns als Schwestern und Brüder erkennen, die sich zum Leben helfen und einander die Lasten des Lebens tragen. An diesem Festtag des Friedens wollen und werden wir nicht diejenigen vergessen, die in unserer Mitte von Dunkelheit umgeben sind. Gott will, dass wir uns den Schwachen zuwenden; er selbst ist ja in äußerster Schwäche in die Welt gekommen. Gott will, dass wir uns gegen den Hass in der Welt stellen und einander die Hand zur Versöhnung reichen. Der Tag der Geburt des Gotteskindes mahnt alle Völker, nicht auf die Stärke der Waffen oder der Machtmittel zu setzen, sondern zu vertrauen auf die Kraft, die der Bereitschaft zur Versöhnung innewohnt. An diesem Ort mit seiner Geschichte von Finsternis und strahlendem Licht hören wir die Weihnachtsbotschaft. Sie ruft zum Frieden, zur Versöhnung. > Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht. < Versammelt in der Frauenkirche, wissen wir, was gemeint ist. Dankbar sehen wir auf die Geburt Jesu Christi, und erkennen den Willen Gottes für uns: es soll Friede sein; und wir Friedensboten!"

Landesbischof Jochen Bohl predigte ebenfalls am 25. Dezember um 10:00 Uhr in der Diakonissenhauskirche an der Bautzner Staße in der Dresdner Neustadt. Den Neujahrsgottesdienst wird er in der Dresdner Kreuzkirche am 1. Januar 2006 um 9:30 Uhr halten.

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