10. Mai 2006
Gedenken zum 35. Todestag von Landesbischof Gottfried Noth
Landesbischof Jochen Bohl würdigte das Wirken Noths als "Zeugnis für das Evangelium Christi"

Gedenken am Grab auf dem Trinitatisfriedhof
DRESDEN - Auf dem Trinitatisfriedhof in Dresden-Johannstadt ist am 9. Mai 2006 des früheren sächsischen Landesbischofs D. Gottfried Noth (1905-1971) gedacht worden. An seinem 35. Todestag versammelten sich um 14:00 Uhr an der Grabstelle der jetzige Landesbischof Jochen Bohl, die Mitglieder des Landeskirchenamtes, Vertreter der Landessynode sowie ehemalige Mitarbeiter und Angehörige, darunter die Frau Gottfried Noths, um an die Verdienste des früheren Landesbischofs in seiner 18-jährigen Amtszeit dankbar zurückzuschauen. Musikalisch umrahmt waren die Gedenkminuten durch einen Bläserchor der Sächsischen Posaunenmission.
Als vierter sächsischer Bischof erhielt Noth bei seiner Amtseinführung am 21. Oktober 1953 von seinem Amtsvorgänger Landesbischof Hugo Hahn im Dom zu Meißen das Bischofskreuz, mit dem er schon in der Zeit der Bekennenden Kirche eng verbunden war. Landesbischof Jochen Bohl erzählte davon, dass er in seiner Amtszeit immer wieder auf das Wirken Noths stoße. Noth sei eine „geistlich geprägte Persönlichkeit" gewesen, die zu einem „Zeugnis für das Evangelium Christi" wurde. Bohl brachte seine Anerkennung zum Ausdruck, wie Noth seine Verantwortung zu Beginn seines Bischofsamtes in der „Stunde großer Herausforderungen" annahm.

Landesbischof Jochen Bohl hält die Andacht am Grab des Bischofs
So war 1953 ein Jahr harter Auseinandersetzungen innerhalb der DDR. Das Verbot der Jungen Gemeinde war ein Zeichen der verstärkten atheistischen und antikirchlichen Propaganda, der zahlreiche Verhaftungen von Oberschülern und Studenten folgte. Nachdem 1954 die Jugendweihe eingeführt wurde, rief er in der Dresdner Annenkirche alle sächsischen Pfarrer zusammen und betonte die Unvereinbarkeit von Konfirmation und Jugendweihe. Gottfried Noth hat durch seine theologische Klarheit, seinen seelsorgerlichen Rat und die Entschiedenheit gegenüber dem atheistischen Staat die Landeskirche in diesen schweren Jahren geprägt und erhöhte damit das Vertrauen in die Führung der Kirche. Die Generalvisitationen zwischen Ostern und Pfingsten waren Schwerpunkte seines Verkündigungsdienstes und der Begegnung mit den Gemeinden. 1954 hielt er die Eröffnungspredigt beim gesamtdeutschen Evangelischen Kirchentag in Leipzig. Zur Schlussversammlung auf der Wiese im Rosental versammelten sich damals 600.000 Menschen.

D. Gottfried Noth +
Gottfried Noth wurde am 26. Januar 1905 als Sohn des einstigen Konrektors der Dresdner Kreuzschule geboren und studierte nach seinem Abitur 1924 evangelische Theologie in Leipzig und Erlangen. Die 2. Theologische Prüfung legte er 1930 in Dresden ab und war Hilfsgeistlicher in der Dresdner Diakonissenanstalt, wo er auch ordiniert wurde. Ab 1932 versah er den Pfarrdienst in Zethau im Kirchenbezirk Freiberg und trat 1933 dem Pfarrernotbund und der Bekennenden Kirche bei.
Zwischenzeitlich war er Referent im Landeskirchenamt, bevor er von Zethau in eine Pfarrstelle in der Dresdner Trinitatiskirchgemeinde (1942-19444) wechselte und in dieser Zeit Mitglied des Landesbruderrates der Bekennenden Kirche wurde.
Nach dem Krieg war Noth neben dem Pfarrdienst in der Trinitatiskirchgemeinde Oberlandeskirchenrat im Landeskirchenamt, bevor er 1953 in das Amt des Landesbischofs eingeführt wurde. 1955 erhielt er die Ehrendoktorwürde der Theologischen Fakultät der Universität Erlangen und 1957 die der Capital University Columbus im amerikanischen Ohio. Von 1954 bis 1971 war er Mitglied des Zentralausschusses des Ökumenischen Rates der Kirchen und weiterer wichtiger ökumenischer Gremien. D. Gottfried Noth starb nach kurzer und schwerer Krankheit am 9. Mai 1971 in der Dresdner Diakonissenhausanstalt.


