4. Juni 2006
Geist der Welt mit Vielfalt und Widersprüchlichkeiten des Lebens
Pfingsten drängt auf Gerechtigkeit, ruft zum Frieden und ermutigt zur Liebe

LEIPZIG - Landesbischof Jochen Bohl ging in seiner Pfingstpredigt am 4. Juni 2006 in der Leipziger Thomaskirche auf die Widersprüchlichkeiten dieser Welt ein, indem er den Reichtum vieler Länder dem Elend anderer Regionen gegenüberstellte.
Er zeigte auf Widersprüche im eigenen Land, wo Ängste und Abstieg längst in die Mitte der Gesellschaft hineinreichen würden und zugleich „eine gierige Jagd nach neuem Reichtum im Gange“ sei. Viele hätten neben den materiellen Versuchungen vergessen, „was wirklich zählt“. So ließen sich „Liebe und Vertrauen nicht für alles Geld der Welt kaufen“, so Bohl.
Vor dem Hintergrund der bevorstehenden Fußball-WM machte er auf Menschen mit anderer Hautfarbe aufmerksam, die sich unsicher fühlten oder „gar um Leib und Leben fürchten“ müssten. Die Ursachen für die ausländerfeindlichen Tendenzen sieht der Landesbischof in der Wirksamkeit politischer Rattenfänger, die sich die Not junger Menschen zu Nutze machten. Denn neben dem Eingeständnis, dass viele Zuwanderer nicht integriert werden konnten, gäbe es selbst bei den Deutschen, die hier geboren und aufgewachsen sind, das „erschreckende Phänomen von Ausschluss und Desintegration“. Er bezeichnete es als „schwere Hypothek“ in einer Wissensgesellschaft sowie als „Dokumentation des Versagens in Erziehung und Bildung“, wenn 10 Prozent der Jugendlichen in Sachsen keinen Schulabschluss erreichen würden.
Der Predigt des Landesbischofs lag der Paulus-Text aus dem 1. Korintherbrief zugrunde, wo Paulus über die Unterschiede des Geistes dieser Welt und des Geistes Gottes schreibt. Nach Bohls Eindruck sei trotz manchem Wandel vieles geblieben, was die Zeiten überdauerte, so auch die Widersprüche der Lebenswirklichkeit durch Ungeist oder gutem Geist.
Ein positives Beispiel für den versöhnenden Geist Gottes vor dem Hintergrund des Pfingstfestes leitet der Landesbischof aus seiner Besuchsreise nach Papua-Neuguinea ab, die er zu Beginn dieses Jahres unternahm. Das ferne und fremde Land, wo die Leipziger Mission seit über 50 Jahren tätig sei, konnte mit der hiesigen Wirklichkeit nicht unterschiedlicher sein. Trotzdem, so Bohl, hätten im selben Bekenntnis des Glaubens die Grenzen der Fremdheit durch den heilenden Geist Gottes überschritten werden können.
Bezogen auf Gerechtigkeit und Nächstenliebe könnte aus dieser Erfahrung ein Programm der christlichen Weltverantwortung entstehen. Bohl: „Mit der Aufteilung der Welt unter viele Arme und wenige Reiche werden wir uns also nicht abfinden, weil jedem Menschen seine Würde von Gott selbst gegeben ist.“ So dränge Pfingsten auf Gerechtigkeit, weil Christus mahnt, „dass wir die Werke der Barmherzigkeit ihm selbst schuldig sind“.
Pfingsten rufe zum Frieden, so der Landesbischof, und er nimmt damit Bezug auf den Ungeist des Krieges beispielsweise im Irak. Weil Pfingsten auch zur Liebe ermutigt, sollte angesichts der „Kindvergessenheit unserer Gesellschaft“ nach seiner Ansicht die Aufmerksamkeit und jede Anstrengung der Zukunft den Jungen gelten, damit Freude geweckt wird, das Leben „mit ihnen zu teilen und sie zu erziehen und zu bilden“.


