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Aktuelles

7. Oktober 2006

Ökumenischer Gottesdienst zu zehn Jahren Polizeiseelsorge

Bohl: Aufgabe der Polizei dem Bösen zu wehren und den Schwachen zu ihrem Recht zu verhelfen

Bild: Einladung

DRESDEN – Die sächsische Polizeiseelsorge feierte am 6. Oktober ihr 10-jähriges Bestehen mit einem Ökumenischen Gottesdienst in der Dresdner Dreikönigskirche.
Am Gottesdienst nahmen rund 200 Polizisten teil, in dem Landesbischof Jochen Bohl und der katholische Bischof Joachim Reinelt, Bistum Dresden-Meißen, gepredigt haben.
Bohl sprach in seiner Predigt das tägliche Erschrecken über Meldungen von Gewalttaten an, „die in das Leben einbrechen“. Er ging auf die Entwicklung ein, dass aufgrund „wachsender Gewaltfaszination“, gerade bei einem Teil der Jugendlichen, die Gewaltkriminalität zwischen 1993 und 2005 um ungefähr 30 Prozent gestiegen ist. So sei nach Bohl das Böse eine „alltägliche Realität unseres Lebens“, da Menschen an anderen Menschen böse handeln. In der allerdings insgesamt rückläufigen Kriminalität sieht der Landesbischof auch einen anerkennenswerten Verdienst durch die Polizeiarbeit. Bohl hält es für notwendig und unentbehrlich, dass die Aufgabe der Polizei im christlichen Verständnis darin liegt, „dem Bösen zu wehren und den Schwachen zu ihrem Recht zu verhelfen“. So hätte die Polizei aus der biblischen Sicht einen wichtigen Dienst an der Gesellschaft bei der Deeskalation und bei der Überwindung von Gewalt. Die Polizeiseelsorge sei, so der Landesbischof „ein Angebot der Kirche zur Hilfe und Unterstützung in schwierigen Situationen, die mit dem Beruf des Polizisten verbunden sind“. Bohl dankte ausdrücklich allen Seelsorgern in diesem Dienst.

Bild: Talar zwischen Polizeiuniform am Kleiderhaken

Der Polizeichor und das Blechbläserquintett des Polizeiorchesters umrahmten die Feier musikalisch. Anschließend hatten die Organisatoren zu einem Empfang im Haus der Kirche/Dreikönigskirche eingeladen, wo unter anderen Landespolizeipräsident Klaus Fleischmann ein Grußwort und der frühere Polizeichef und heutige Präsident des sächsischen Landesamtes für Verfassungsschutz einen Festvortrag gehalten haben. In dem Vortrag unter dem Titel „Suchet der Stadt Bestes“ ging Verfassungsschutzpräsident Rainer Stock auf die Anfangsjahre dieses Sonderseelsorgebereichs ein.

Durch einen Vertrag des Freistaats mit den evangelischen und katholischen Kirchen begann am 30. September 1996 die gemeinsame Arbeit. Die Polizeiseelsorger treten seitdem als Lehrkräfte in der Ausbildung an den Polizeifachschulen im berufsethischen Unterricht auf, begleiten Polizisten beim Überbringen von Todesnachrichten und sind in besonderen Krisen- und Katastrophensituationen präsent. Sie helfen die polizeiliche Arbeit zu reflektieren und zu verarbeiten. Aufgrund ihres unabhängigen Status üben die Seelsorger als Vertrauenspersonen eine beachtliche Entlastungsfunktion innerhalb der Polizei aus.

Im Landeskirchenamt der  Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens ist Pfarrerin Almut Klabunde für den Bereich Seelsorge zuständig. Externe Seelsorge in Krankenhäusern, in Justizvollzugsanstalten, der Bundeswehr, dem Bundesgrenzschutz und bei der Polizei nimmt einen beachtlichen Teil ihrer Arbeit ein. Sie kennt die Schwierigkeiten und Belastungen der Seelsorger, die oft „Übermenschliches“ leisten müssten. Physische Erholung, individuelle oder kollektive Supervisionen seien Bewältigungsmechanismen, so Klabunde. Darüber hinaus seien nach ihrer Beobachtung gerade bei dieser Berufsgruppe jenseits des Polizeialltags entspannende Aktivitäten wie Wandern, Musizieren oder Lesen besonders wichtig, um „abschalten zu können“.

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