28. Mai 2007
Ehrenamtsakademie der Landeskirche feierlich am Pfingstmontag eröffnet
Thema des Tages: Das Ehrenamt- eine tragfähige Säule in Kirche und Gesellschaft


Daniela Hahn und Joachim Wilzki (l.)
DRESDEN - In seiner Pfingstpredigt sprach sich Landesbischof Jochen Bohl im Meißner Dom am 28. Mai gegen eine rückwärtsgewandte und resignative Verklärung der Kirche vergangener Tage aus. Vielmehr sehe er „ermutigende Zeichen der Gegenwart Gottes“, dass sich in den letzten Jahren die Zahl der ehrenamtlich tätigen Gemeindeglieder vergrößert habe. Die lutherische Konfession spreche vom Priestertum aller Gläubigen, die durch den Geist Gottes gerufen, die Verantwortung für das Leben der Gemeinde wahrnehmen würden. Bohl: „Nicht nur die Pfarrerinnen und Pfarrer, jeder getaufte Christenmensch ist ein Zeuge der Liebe Gottes.“ Er bezeichnete Pfingsten als das „liebliche Fest“, wo der Geist Gottes gefeiert würde, der helfe, Kirche Jesu Christi zu leben. Für den Anlass der Eröffnungsfeier der Ehrenamtsakademie der sächsischen Landeskirche in Meißen gäbe es daher keinen besseren Tag. Für Bohl sei der „Begriff Ehrenamt eine Grundstruktur im Reich Gottes“ und eine „Ehre“ für jeden Christenmenschen, daran Anteil zu haben.
Im Anschluss an die Predigt erhielten die Mitarbeiter der Geschäftsstelle, Daniela Hahn und der Leiter Joachim Wilzki, von Oberlandeskirchenrat Horst Slesazeck den Segen für ihren Dienst.

Landesbischof nach dem Gottesdienst
Mittags eröffnete Slesazeck als der für die Evangelische Ehrenamtsakademie zuständige Dezernent im Landeskirchenamt die Festveranstaltung in der Meißner Frauenkirche. Für ihn sei das Ehrenamt Segensgeschichte und Problemfeld zugleich. Er erinnerte an frühere Vorhaben, die ehrenamtliche Mitarbeit in der Kirche effektiver zu unterstützen. „Was können wir tun, damit es den Ehrenamtlichen gut geht?“, fragte der Oberlandeskirchenrat in die Runde und gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass jetzt mit der Ehrenamtsakademie im Zusammenspiel von Gaben und Kräften ein erfolgreicher Neustart gelinge.
Die musikalische Umrahmung der Veranstaltung übernahmen Sänger des Gospelchores der Neuen Kantorei St. Afra Meißen.

Horst Slesazeck (l.) befragt Joachim Wilzki auf der Festveranstaltung in der Meißner Frauenkirche
Das Hauptreferat hielt der Reformpädagoge und Diplom-Psychologe Otto Herz, der ein Plädoyer für das Lernen hielt. Alle sollten lernen und immer, wobei er das Lernen im Kontext des Zusammenlebens ansprach. So bezeichnete er es als eine „Überlebensfrage des 21. Jahrhunderts“. Der Erziehungswissenschaftler stellte nicht die Bildung des Gemeinwesens in den Vordergrund, sondern die Einflussmöglichkeiten auf die eigene Person, die dann wiederum hilfreich auf die Umwelt wirken könne. Herz sprach positive und negative Grundeinstellungen der Menschen an, die in den ersten sechs Lebensjahren geprägt würden. Spätere Veränderungen in Richtung „Hoffnung auf Erfolg“ dauerten länger und könnten nur bei „vielen positiv emotionalen Erlebnissen“ zum Ziel führen. „Lernen müsse gute Erfahrung sein“, resümiert der Pädagoge und stellte am Schluss sein A-B-C der guten Schule vor, um dieses zu erreichen. Das persönliche Lernen sei die Voraussetzung um bekennen und bezeugen zu können, auch gegen den Strom der Zeit.

Otto Herz zu Bewertungen von Milieuprägung
Der Nachmittag gab im Bereich des Akademiegeländes Raum für Gespräche und Begegnungen. Eine Ausstellung über die Landeskirche und die jeweilige Präsentation der Arbeitsfelder verschiedener kirchlicher Einrichtungen sowie der Leiteinrichtungen der Ehrenamtsakademie waren in der Barbara-Kapelle und im Kreuzgang an der St.-Afra-Kirche zu sehen. Um 16:00 Uhr hat ein Podiumsgespräch mit Otto Herz von der Stiftung Civil Courage sowie mit haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern stattgefunden, die von der Radio PSR-Kirchenredakteurin Friederike Ursprung moderiert wurde.
Die Ehrenamtsakademie der sächsischen Landeskirche hatte im letzten Jahr ein Programmheft mit 67 Bildungsangeboten herausgegeben. Dieser Wegweiser durch Seminare und Kurse gibt einen Überblick in acht thematischen Schwerpunkten.

Der Stand der Evangelischen Jugend in Sachsen
Die Geschäftsstelle der Ehrenamtsakademie, Freiheit 15, verstünde sich als „Drehscheibe“ zwischen den Einrichtungen und den Ehrenamtlichen, sagte Geschäftsführer Joachim Wilzki im Vorfeld des Ehrenamtstages. Für bestimmte Aufgaben und Themen, wie beispielsweise Seelsorge durch Ehrenamtliche sowie Leitungsverantwortung, seien Einrichtungen der Landeskirche als Leiteinrichtungen beauftragt worden.
So soll die Ehrenamtsakademie in der sächsischen Landeskirche bestehende Bildungsangebote für Ehrenamtliche besser aufeinander abstimmen und weiterentwickeln. Ziel sei es, so Wilzki, ehrenamtlich Mitarbeitende für ihre Aufgaben in den Gemeinden sowie in regionalen und landeskirchlichen Arbeitsfeldern zu unterstützen und zu qualifizieren.


