9. Juli 2007
Verabschiedung von Harald Bretschneider in den Ruhestand
Er unterstützte das gesellschaftliche Engagement junger Menschen

Harald Bretschneider
DRESDEN - Der theologische Dezernent im Evangelisch-Lutherischen Landeskirchenamt Sachsens, Oberlandeskirchenrat Harald Bretschneider (64), geht Ende dieses Monats in den Ruhestand. Seine Verabschiedung erfolgt am 10. Juli im Haus der Kirche/Dreikönigskirche in Dresden im Kreise der Mitglieder des Landeskirchenamtes, Weggefährten seines Dienstes und Vertretern aus Politik und Gesellschaft. Bretschneider war seit zehn Jahren in seinem Amt mit politischen Grundsatzfragen, der diakonischen Arbeit, dem Aufgabenfeld der Evangelischen Jugend, dem Bildungsauftrag der Kirche im Zusammenhang mit evangelischen Kindergärten, Schulen, nichttheologischen Ausbildungsstätten sowie mit der Gemeinde- und Religionspädagogik befasst. Als Gebietsdezernent war er gleichzeitig zuständig für den ostsächsischen Bereich einschließlich des Kirchenbezirks Pirna. Die Nachfolge in seinem Amt tritt die bisherige theologische Referentin im Landeskirchenamt, Pfarrerin Almut Klabunde (52)*, an.
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Präsident Hans-Dieter Hofmann (r.) verabschiedet
Harald Bretschneider wurde am 30. Juli 1942 in Dresden geboren und wuchs nach der Zerstörung der Stadt im mittelsächsischen Leisnig auf. Nach der Schulzeit entschied er sich 1960 für ein Theologiestudium an der Universität Leipzig. Vor dem beruflichen Dienst in der Kirche wollte der Diplom-Theologe ausprobieren, „ob sich Gottes Lebendigkeit unter den ungläubigen Bauarbeitern erwies“, so Bretschneider in einem Rückblick. So begann er 1965 eine Lehre als Zimmerer und wurde dann zu den Bausoldaten einberufen. Diese Zeit des „Spatendienstes“ mit seinen Arbeiten an Militärobjekten stand in der Spannung zu seiner pazifistischen Grundeinstellung. Danach arbeitete er wieder als Zimmerer im Spezialbaukombinat Magdeburg auf Großbaustellen, bevor er beschloss, sich auf das Pfarramt vorzubereiten. Mit Abschluss des Predigerkollegs übernahm Bretschneider 1969 seine erste Pfarrstelle in Wittgendorf bei Zittau. Dort bezog er auch Nichtchristen im Rahmen der Kirchbausanierung mit ein und zeigte besonderes Engagement in der Kinder- und Jugendarbeit.

Begleitende Worte von Landesbischof i.R. Volker Kreß (r.)
Nach zehnjähriger Gemeindearbeit wurde Bretschneider 1979 durch die Landesjugendkammer zum Landesjugendpfarrer gewählt und von der Kirchenleitung berufen. In der darauf folgenden zwölfjährigen Tätigkeit als Landesjugendpfarrer unterstützte er das gesellschaftliche Engagement junger Menschen, die aus ihrer persönlichen Glaubensentscheidung heraus handelten und war bei der Gründung von Friedensgruppen beteiligt. Aufgrund seiner Initiative kam es Anfang der 80er Jahre zur Herstellung und Verbreitung des Symbols „Schwerter zu Pflugscharen“ als Textilaufnäher und seinen immer erneuten Versuchen, in der DDR einen Zivildienst einzuführen. Im Herbst 1989 hielt Bretschneider die Verbindung zwischen den Aktivitäten der Friedensgruppen in Leipzig und Dresden und kümmerte sich um die Betreuung von inhaftierten Demonstranten.

Festsaal im Haus der Kirche / Dreikönigskirche
1991 wurde Bretschneider Direktor des Diakonischen Werkes - Stadtmission Dresden und sorgte in der Dresdner Region für den schnellen Aufbau eines umfassenden Angebots der freien Wohlfahrtspflege in kirchlicher Trägerschaft. Nachdem Harald Bretschneider 1997 durch die Kirchenleitung zum Oberlandeskirchenrat berufen wurde, unterstützte er in seinem Ressort im Landeskirchenamt den weiteren Aufbau von evangelischen Schulen sowie die Einrichtung von evangelischen Kindergärten in Sachsen, setzte sich für den Ausbau des schulischen Religionsunterrichts ein und war mit strukturellen Veränderungen in der Hochschule für Soziale Arbeit (FH), der Evangelische Fachhochschule für Religionspädagogik und Gemeindediakonie und anderen Bildungseinrichtungen der Kirche befasst.
Er war seit seiner Berufung Mitglied der Kirchenleitung und 1997 als sächsisches Mitglied in die Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) gewählt worden. Darüber hinaus ist er Stiftungsratsvorsitzender der Evangelischen Schulstiftung der EKD, im Vorstand des Evangelischen Schulverbandes Sachsen und Vorsitzender der Bürgerstiftung Dresden. Bretschneider publizierte in zahlreichen Berichten und Büchern und wurde im Jahre 1999 mit dem Bundesverdienstkreuz und mit dem Goldenen Kugelkreuz der Evangelischen Jugend in Deutschland ausgezeichnet.
*Pfarrerin Almut Klabunde feiert am 10. Juli ihren 53. Geburtstag.
Die Anfänge der Friedensinitiative "Schwerter zu Pflugscharen"

Die Anfänge der Friedeninitiative "Schwerter zu Pflugscharen" liegen gut 25 Jahre zurück und verweisen nach Sachsen. Die Initiative erfuhr nach der Friedendekade im Herbst 1981 und dem damaligen Buß- und Bettag eine besondere Dynamik. Zahlreiche Jugendliche hatten mit den unwechselbar frisch aufgenähten runden Zeichen an den Jacken persönliche Konsequenzen zu tragen. Es standen in der damaligen DDR Strafandrohungen bis hin zu Schulentlassungen auf der Tagesordnung. Grund dafür waren die 200.000 Lesezeichen und Aufnäher aus Vliesstoff, die der damalige sächsische Landesjugendpfarrer Harald Bretschneider zuvor unter die Leute brachte und dann eine starke Verbreitung fanden. "Die Vertiefung und Zurüstung in friedensethischen Fragen am Ende dieser Dekade stärkte das persönliche Verhalten", erinnert sich der heutige Dresdner Oberlandeskirchenrat.
Die Konfrontation ab dem 18. November war damit vorprogrammiert, wo vor allem Mittel- und Oberschüler, aber auch Berufsschüler mit "schlimmen Folgen" zu rechnen hatten. Ihnen wurde "undifferenzierter Pazifismus als westlich importiert und verfassungsfeindlich vorgeworfen“, so Bretschneider. Ab Februar 1982 wurden aufgrund dieser Begründungen die staatlichen Gegenaktivitäten ausgeweitet, bis hin zu Maßnahmen, wo die Zeichen aus den Parkern herausgeschnitten wurden.
Aufmerksam wurden die Behörden schon vorher, als Abrüstungstage kirchlich initiiert, nicht dem verordneten Friedenwillen entsprachen. So kamen deutsch-deutsche Arbeitsgruppen zusammen, die Materialien und Impulse weitergaben. Aus dieser Arbeit ergab sich mit dem Buß- und Bettag 1980 der Zielpunkt für die erste Friedensdekade.
Um der gegründeten Friedensdekade ein öffentlichkeitswirksames Symbol zu geben, fiel dem damaligen sächsischen Landesjugendpfarrer die Skulptur von Jewgeni Wutschetitsch mit dem Titel "Wir werden die Schwerter zu Pflugscharen umschmieden" ein. Die Kopie des Originals in der Moskauer Tretjatow-Galerie steht vor dem UN-Gebäude in New York.
"Das war ein biblisches Symbol und damit unanfechtbar für das Friedenszeugnis der Christen und außerdem politisch nicht einseitig", so Bretschneider. Trotzdem war an eine normale Druckerlaubnis vor dem sich herausbildenden christlichen Friedensengagement nicht zu denken, so dass Bretschneider auf die Idee kam, über die genehmigungsfreie „Textiloberflächenveredelung“ durch eine Druckerei in Herrnhut das Motiv vervielfältigen zu lassen.
Das Zeichen begleitete daraufhin die Friedenarbeit der Kirchen in den 80er Jahren und wurde zum Symbol über die Gedenkgottesdienste ab dem 13. Februar 1982 an der Dresdner Frauenkirche hinaus. Die international beachtete Ökumenische Versammlung mit dem Motto „Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung“ in der Dresdner Kreuzkirche im April 1989 war schließlich ein Höhepunkt der Friedenskultur. Zusammen mit den Friedengebeten in der Leipziger Nikolaikirche stellten die kirchlichen Friedenskreise eine Voraussetzung für das Gelingen des demokratischen Aufbruchs am Ende der DDR-Zeit dar.


