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Aktuelles

11. September 2007

Begegnung des Landesbischofs mit sächsischen Abgeordneten

Bohl: Begriff der Menschenwürde nicht nur bloße rhetorische Geste

Bild: Landesbischof referiert vor den Abgeordneten
Landesbischof Bohl (r.) nach dem Referat

DRESDEN -  Landesbischof Jochen Bohl hat sich gegen eine „Inflationierung“ des Begriffs der Menschenwürde ausgesprochen. Bei rechtlichen und ethischen Auseinandersetzungen  könne der vorschnelle Verweis auf die Menschenwürde zu „neuen Irritationen in der Gesellschaft“ führen. Bohl nahm seine Beobachtungen zum Anlass, um mit evangelischen Abgeordneten am 10. September über Fragen der Ethik in Politik und Gesellschaft zu reden.

Beim Politikertreffen, wo Mitglieder des Landtages, des Bundestages und des Europaparlaments zu einem abendlichen Treffen in die Evangelische Jugendbildungsstätte Bad Weißer Hirsch eingeladen waren, entwickelte sich eine lebhafte Diskussion um die Bedeutung des biblischen Menschenbildes sowie um das evangelische Profil in der christlichen Ethik. An dem Treffen nahmen u.a. die Staatsminister a.D. Steffen Heitmann, Dr. Matthias Rößler und die Ausländerbeauftragte Friederike de Haas teil.

Bild: Diskussionsrunde
Im Medienhaus im Dresdner Jugendbildungszentrums

Der Landesbischof führte Beispiele auf, wie mit dem Begriff der Menschenwürde versucht werde, zur Abwehr unliebsamer Vorschläge, argumentative Schwächen zu überdecken. Subjektive und zeitgebundene Inhalte in diesen Begriff zu legen, berge das Risiko, „dass er seine normative Kraft verliert und zur bloßen rhetorischen Geste wird“. In der Erarbeitung des Grundgesetzes sei ganz bewusst die Menschenwürde als ein nicht ‚begründungsbedürftiges Regulierungsprinzip‘ verstanden worden.

Angesichts des Wertepluralismus der Gesellschaft bestehe die Gefahr, dass der Begriff der Menschenwürde inhaltsleer werde. Der Landesbischof verwies auf einen biblischen Psalmvers, der in seiner Grundaussage Gottes Beziehung zu den Menschen in den Vordergrund rückt. Im christlichen Sinne seien „Unbedingtheit und Unverfügbarkeit“ Ausdruck dafür. Damit sei die Würde des Menschen nicht an seine bestimmten Eigenschaften gebunden, sondern an „das Menschsein selbst und an die Begrenzung zu Gott“, so Bohl. Die einführenden Worte des Bischofs standen unter der Überschrift „Wenig niedriger als Gott. Von der Zerbrechlichkeit der Menschenwürde“. Bei den regelmäßigen Treffen mit evangelischen Abgeordneten soll sich eine Vergewisserung bei den zukünftigen politischen und gesellschaftlichen Herausforderungen  entwickeln.

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