13. September 2007
Zentraler Begegnungstag für Aussiedler in Löbau
In einem Forum werden Fragen zur Eingliederung zur Sprache kommen

LÖBAU - Der Begegnungstag für Aussiedler findet am 15. September unter dem Motto „Zusammen wachsen“ im ostsächsischen Löbau statt. Zum umfangreichen Veranstaltungsprogramm an verschiedenen Orten der Innenstadt werden erstmals 1.700 Teilnehmer in Gruppen oder einzeln aus Sachsen erwartet. Um 10:00 Uhr werden die Teilnehmer am Begegnungstag in der Löbauer Nikolaikirche begrüßt, wo um 15:00 Uhr ein zweisprachiger Gottesdienst mit Oberlandeskirchenrat Dr. Christoph Münchow (Dresden) stattfindet.
Für Jugendliche ist ein anspruchsvolles Parallelprogramm mit Jugendgottesdienst, Band-Musik, Workshops, Talks und Bühnenshow in der Pestalozzischule in der Pestalozzistraße 17 vorgesehen.
Nach den Erfahrungen zurückliegender Begegnungstage, zuletzt in Pirna im letzten Jahr, hat sich die sächsische Landeskirche erneut mit dieser Einladung an die Kirchgemeinden gewandt, damit sie auf die Aussiedler zugehen und mit ihnen zum Gemeindetag kommen. Ziel dieser Veranstaltung ist es auch, die Zugezogenen zu ermutigen sowie eine breite Öffentlichkeit in Kirche und Gesellschaft über die aktuellen Aufgaben der Eingliederung in Sachsen zu informieren.
In einem Pressegespräch im Vorfeld des Gemeindetages stellte Katharina Schmidt die Arbeit des Vereins "Neue Heimat" (Löbau) vor. Frau Schmidt, selbst 2003 aus Russland nach Sachsen zugezogen, berichtete vom Bemühen des Vereins, durch Publikationen und durch Veranstaltungen über die Situation und den persönlichen Hintergrund von Aussiedlern zu informieren. Kantor Christian Kühne nahm als Vertreter der örtlichen Kirchgemeinde teil, die sich in bemerkenswerter Weise um die Organisation des Begegnungstages kümmert.

Ökumene-Beauftragter, Pfarrer Friedemann Oehme (l.); Kantor Christian Kühne (Löbau) und Katharina Schmidt (r.) vom Verein "Neue Heimat"
Auch in diesem Jahr wird daher wieder ein Gesprächsforum stattfinden, wo sich Vertreter von Behörden und Einrichtungen, die mit den Problemlagen der Aussiedler befasst sind, den Anliegen und Fragen der Neuhinzugezogenen stellen. Der von der sächsischen Landeskirche initiierte Aussiedlertag ist das größte Treffen und die einzige landesweite Veranstaltung speziell für diese Personengruppe, die fast ausschließlich aus den GUS-Staaten kommt. 41 Prozent von denen geben bei der Konfessionszugehörigkeit „evangelisch“ an. Alleine in Löbau leben 800 Aussiedler, von denen ungefähr 300 evangelische Gemeindeglieder sind.
In den letzten sechs Jahren kamen bis einschließlich Juli dieses Jahres fast 23.600 Spätaussiedler nach Sachsen, von denen jeweils 51 Prozent jünger als 30 Jahre waren. Im letzten Jahr zogen noch 410 Spätaussiedler und ihre Familienangehörigen hinzu. Im Vorjahr (2005) waren es noch knapp 1.904, wobei ein kontinuierlicher und starker Rückgang bereits seit 2002 festzustellen ist. Vor fünf Jahren sind noch knapp 6.000 Zuzüge von Spätaussiedlern nach Sachsen zu verzeichnen gewesen.
Die Gründe für den deutlichen Rückgang werden in den strikteren Zuzugsregelungen des Bundes gesehen. So bestehen unter anderem zahlreiche Personen nicht die geforderten Sprachtests in den Herkunftsländern der GUS-Staaten der ehemaligen Sowjetunion.

Jugendprogramm
Die Situation bei der Eingliederung ist aber dadurch nicht nur wegen sprachlicher Hürden nicht leichter geworden. Häufig kommen hierzulande dringend benötigte Sprachkurse wegen zu geringer Teilnahmezahlen nicht zustande. Junge Frauen aus Spätaussiedlerfamilien heiraten zudem häufig junge Männer in Kasachstan, Russland und anderen Regionen, was aufgrund der Rechtslage einige Schwierigkeiten bereitet.
Seit drei Jahren sind aufgrund einer Neukonzeption des Bundes die bisherigen Spätaussiedlerberatungsstellen und die Ausländerberatungsstellen zu Migrationserstberatungsstellen zusammengeführt worden. Im Bereich des Freistaates berät die Diakonie Sachsen in zehn Landkreisen und kreisfreien Städten. Für Jugendliche gibt es in zwölf Landkreisen und kreisfreien Städten Jugendmigrationsdienste. Dreiviertel der Personen, die erstmals eine Migrationsberatungsstelle aufsuchen, sind im Jahre 2005 oder davor eingereist. Das bedeutet, dass nach der ersten Orientierung ein Beratungsbedarf besteht, der den Zugezogenen neue Perspektiven eröffnet.


