28. Oktober 2007
Reformationsfest 2007 in Sachsen
Borna – Kirchentransport Sinnbild für Kirche in Bewegung an diesem Tag

ARD-Fernsehgottesdienst am Reformationstag aus der Wittenberger Marienkirche mit GAW-Jubiläum
DRESDEN – Mit dem Reformationsfest 2007 beginnt für die evangelischen Kirchen in diesem Jahr die Dekade zur 500-Jahrfeier 2017 zum Gedenken an Dr. Martin Luthers Thesenanschlag an der Wittenberger Schlosskirche. Bis zu diesem besonderen, auch international bedeutsamen Datum, werden die lutherischen Kirchen mit zahlreichen Veranstaltungen auf das Wirken der Reformation bis in die Gegenwart aufmerksam machen.
In Sachsen wird in den Kirchgemeinden am 31. Oktober in Festgottesdiensten, mit Konzerten, Kirchweihfesten und Einweihungen der Reformationstag gefeiert, der in den östlichen Bundesländern, mit Ausnahme Berlins, als staatlich geschützter und arbeitsfreier Feiertag begangen wird. Landesbischof Jochen Bohl wird an diesem Tag um 10:00 Uhr traditionell im Dom zu Meißen predigen. Gleichzeitig findet dort die Herbsttagung der Domherren des Hochstifts Meißen statt. Die Kollekte am Reformationstag in den Gottesdiensten ist für das Gustav-Adolf-Werk bestimmt, dass evangelische Gemeinden im Ausland unterstützt.

Aktuell: Emmaus vor St. Marien
Die Blicke der breiten Öffentlichkeit werden sich ähnlich wie zur Weihe der Dresdner Frauenkirche vor zwei Jahren am 30. Oktober nach Sachsen gerichtet sein, wo in diesem Jahr die Dorfkirche von Heuersdorf nach einem spektakulären zwölf Kilometer langen Transport südlich von Leipzig in Borna erwartet wird. Am Tag darauf (31. Oktober) wird die Emmauskirche auf dem Martin-Luther-Platz nach dem Festgottesdienst in der Bornaer St. Marienkirche ihren neuen Standort einnehmen. Um 14:00 Uhr werden dazu die Schirmherren der Umzugsaktion, Landesbischof Jochen Bohl und Ministerpräsident Prof. Georg Milbradt , erwartet. Die 750 Jahre alte Bruchsteinkirche musste in Heuersdorf dem voranschreitenden Braunkohleabbau weichen. Sie wird somit als größtes Denkmal für die Baulichkeiten des Dorfes und der 23 bis dahin durch den Bergbau verschwundenen Ortschaften und der elf Kirchen für die Bevölkerung als Erinnerungsstätte erhalten bleiben.

Jehmlich-Orgel in der Trinitatiskirche in Riesa
In Bautzen beginnt am 31. Oktober die Festwoche zur Wiedereinweihung der Kirche St. Michael mit einem abendlichen Gottesdienst. Die Bauarbeiten begannen mit der Turmsanierung im Jahr 2005. Dach, Fassade und Innenraum folgten bis zur jetzigen Fertigstellung. Im Kirchweihgottesdienst am 4. November wird Landesbischof i.R. Volker Kreß predigen.
In Medingen nördlich von Dresden werden zwei neue, in Lauchhammer gegossene Bronzeglocken geweiht. Der Ersatz der Glocken stand hier ebenfalls im Zusammenhang mit einer Sanierung der Kirche an Dach und Dachreiter. Die Medinger Kirche gehört zu den ältesten Kirchen im Dresdner Umland.
Bei einem Benefizkonzert zugunsten der Jehmlich-Orgel (17:00 Uhr) in der Trinitatiskirche in Riesa erklingen Werke von Bach bis Brahms für Orgel und Violine sowie Orgelimprovisationen. In Chemnitz findet im Rahmen der christlich-jüdischen Zusammenarbeit ein Thora-Lerntag zu Hagar und Sara im der jüdischen Gemeindehaus gemeinsam mit dem Evangelischen Forum statt.

Lutherfenster in St. Thomas, Leipzig
Neben besonderen Konzerten und musikalischen Gottesdiensten in Bad Schandau, der Harthauer Kirche bei Chemnitz, in Fuchshain bei Grimma und der Grimmaer Frauenkirche sowie in Kirchen von Dresden, Leipzig, Wurzen und Zwickau, feiern an diesem Tag Kirchenchöre wie in Brunndöbra bei Auerbach oder Bläserchöre wie in Markranstädt - beide das 100-jährige - verschiedene Jubiläen.
Die Evangelische Jugend in Sachsen begeht in Niederbobritzsch bei Freiberg unter dem Motto „47-67-2007 – Ja, da stimmen wir alle ein“ ihren Behindertendienst, der seit 60 Jahren ehrenamtlich und seit 40 Jahren mit hauptamtlichen Mitarbeitern arbeitet.
Das Dresdner Stadtjugendpfarramt lädt am Abend zuvor zur „Nacht der Lichter“ ein, die mit einem Gottesdienst nach der Liturgie von Taizé in der katholischen Herz-Jesu-Kirche beginnt. In Wurzen gibt es ein Reformationskonzert mit dem Westsächsischen Symphonieorchester.
Gleichzeitig finden am Reformationstag zahlreiche Lutherfeste wie in Großnaundorf bei Kamenz sowie Singspiele wie in Lichtenberg bei Freiberg oder Kinder-Musicals oder Lutherspiele statt.

Lutherrose
An einigen Orten wird der Feiertag auch mit Ökumenischen Gottesdiensten gemeinsam mit evangelisch-methodistischen und römisch-katholischen Christen begangen. Ansonsten wird traditionell an das Reformationsgeschehen gedacht, das in den historischen sächsischen und thüringischen Landen ihren Anfang nahm. In Sachsen ist das Reformationsfest seit 1667 Feiertag. Es ist auch durch die sächsische Spezialität der „Reformationsbrötchen“ im Bewusstsein der Bevölkerung. Ob nun Pfarrer- oder Bischofsmütze, Lutherrose oder Hagelknopf, die Herkunft dieses Gebäcks ist nicht eindeutig geklärt. Jedenfalls bieten zahlreiche Bäcker Sachsens wie im Leipziger, Chemnitzer und Zwickauer Land die Brötchen an. Die Bäcker um Radebeul bieten beispielsweise das größere „Lutherbrot“ ebenfalls aus leichtem Striezelteig und klassischen Stollenzutaten in den Tagen vor dem Fest an.


