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Aktuelles

4. November 2007

Landeskirche und Stiftung Frauenkirche gedenken und ehren Bischof Hugo Hahn

Er trat mutig gegen die Demagogie der nationalsozialistischen Ideologie auf

Bild: Landesbischof nach der Enthüllung im Treppfenhaus
Nach der Enthüllung im Aufgang

DRESDEN - Die Evangelische Landeskirche Sachsens und die Stiftung Frauenkirche Dresden ehren am 5. November 2007 den ehemaligen Landesbischof und Superintendenten Hugo Hahn (1886-1957). Anlässlich von Hahns 50. Todestages wird in der Frauenkirche Dresden im Beisein des Landesbischofs Jochen Bohl und des Präsidenten des Landeskirchenamtes Hans-Dieter Hofmann um 13:30 Uhr im Rahmen einer öffentlichen Gedenkandacht das Wirken Hahns gewürdigt. Die Andacht werden der Landesbischof und die Pfarrer der Frauenkirche halten. Im Anschluss (14:00 Uhr) wird durch den Landesbischof und den Stiftungsgeschäftsführer Christoph Frenzel eine Gedenktafel enthüllt.

Hugo Hahn war 1930 als Superintendent des Kirchbezirkes Dresden-Land an die Dresdner Frauenkirche berufen worden. Als die Nationalsozialisten durch die Unterstützung der „Deutschen Christen“ die Politik in die Kirche hineintrugen, stellte sich Hahn dem entgegen. Er war Mitbegründer des Pfarrernotbundes und Leiter der „Bekennenden Kirche“ in Sachsen.
Bereits 1934 wurde Hahn kurzzeitig verhaftet und seines Amtes enthoben; 1938 wurde er durch den Eingriff des NS-Staates aus Sachsen ausgewiesen und aus dem Dienst der sächsischen Landeskirche entlassen. Erst 1947 kehrte er nach Sachsen zurück und wurde im Dom zu Meißen in das Amt des sächsischen Landesbischofs eingeführt.

Bild: Einweihung mit dem Künstler
Christoph Frenzel, Pfarrer Holger Treutmann, Frank Dornseif

„Der von außen erzwungene Weg des Widerstandes prägte Hugo Hahn als Pfarrer, Superintendenten und Landesbischof sein Leben lang“, würdigt ihn Oberlandeskirchenrat Dr. Christoph Münchow, als Mitglied des kirchlichen Beirats der Stiftung Frauenkirche Dresden. „Das Wirken des unbeugsamen Christen Hahn, der sich selbst in seiner Bescheidenheit als „Kämpfer wider Willen“ bezeichnete, wird nunmehr den Besuchern der Frauenkirche ins Gedächtnis gerufen“, ergänzt Stiftungsgeschäftsführer Christoph Frenzel.

Münchow und Frenzel waren beide auch Mitglieder der Jury, die den Siegerentwurf für die Gedenktafel in der Frauenkirche auswählten. Selbige wird im Eingangsbereich der Betstubenempore der Frauenkirche ausgestellt sein. Sie besteht aus einem Relief, welches mittels schwarzen Eisenrundstahls die Gesichtskonturen Hahns herausarbeitet, und einer Glastafel mit den Lebensdaten des Bischofs. Geschaffen wurde sie vom brandenburgischen Künstler Frank Dornseif. Dessen Einreichung zu einem eigens ausgeschriebenen Gestaltungswettbewerb hatte die Mitglieder der siebenköpfigen Auswahljury durch ihre eigenständige Herangehensweise überzeugt.

Bild: Relief im Detail

„Die gewählte Darstellung ist mutig und stimmt damit hervorragend mit dem couragierten Denken und Handeln Hugo Hahns überein“, erläutert Jury-Mitglied Prof. Michael Schoenholtz die Wahl. Die Arbeit verlasse die übliche Vorstellung einer Gedenktafel und arbeitet mit dem Vokabular der übrigen Werke Dornseifs, so Schoenholtz weiter.

Frank Dornseif war einer von insgesamt sechs Künstlern, die zu dem Wettbewerb eingeladen worden waren. Seine Plastiken, die er vorwiegend aus poveren Materialien wie Armiereisen oder Baudraht formt, sind ausdrucksstarke Studien der menschlichen Physiognomie. Die Verbindung aus Material und Linienführung erzeugen markante Raumzeichnungen, deren Wirkung sich durch Bewegungen des Betrachters noch weiter verstärkt. Werke des mehrfach ausgezeichneten 59-jährigen Bildhauers finden sich u. a. in der Neuen Nationalgalerie, im Berliner Kupferstichkabinett und der Kunsthalle Mannheim sowie in der Deutschen Botschaft in Peking und dem Olympia Park in Seoul. Frank Dornseif lebt und arbeitet in Berlin und Brandenburg.

Landesbischof D. Hugo Hahn (1886-1957)

Bild: Porträtfoto von Landesbischof Hahn
Landesbischof Hugo Hahn

Hugo Hahn wurde 1947 der erste Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens nach dem Zweiten Weltkrieg. Seine Amtseinführung wurde jedoch erst nach schwierigen Verhandlungen mit der sowjetischen Militäradministration möglich. 1947 erhielt er die Ehrendoktorwürde der Theologischen Fakultät der Universität Leipzig. Nach Gründung der Vereinigten Ev.-Luth. Kirche Deutschlands war er Stellvertreter des Leitenden Bischofs sowie Mitglied des Rates der EKD.

Hugo Hahn, am 22. September 1886 in Reval (Tallin) als Sohn eines baltischen Pfarrers und Volksmissionars geboren, studierte Theologie an den Universitäten Dorpat, Leipzig und Berlin. Nach der Ordination in Reval war Hugo Hahn 1910 bis 1919 Gemeindepfarrer in Estland. Aufgrund der dortigen Auseinandersetzungen mit den Bolschewiken und infolge des Kirchenkampfes, dem sein Bruder zum Opfer fiel, musste Hahn das Baltikum verlassen und war dann Pfarrer in Worbis (Eichsfeld).

1927 wechselte er in den Pfarrdienst der sächsischen Landeskirche und kam an die Thomaskirche in Leipzig. 1930-1934 war Hahn Pfarrer an der Frauenkirche in Dresden und Superintendent für den Kirchenbezirk Dresden-Land. In der Zeit des Nationalsozialismus leitete Hugo Hahn den sächsischen Pfarrernotbund und die Bekennende Kirche in Sachsen und sprach in eindrucksvollen Predigten und Bibelarbeiten die Demagogie der nationalsozialistischen Ideologie an.

Daraufhin wurde er 1934 kurzfristig zweimal verhaftet und von der Kirchenleitung der Deutschen Christen des Amtes enthoben. Wegen seiner Widerstandstätigkeit wurde er durch den Eingriff des NS-Staates aus Sachsen ausgewiesen, konnte aber eine neue Tätigkeit in der Evangelischen Landeskirche in Württemberg aufnehmen. Hugo Hahn war Mitunterzeichner des Stuttgarter Bekenntnisses vom 19. Oktober 1945, in dem sich die evangelischen Christen erstmals zu ihrer Schuld in der NS-Zeit bekannten und den Weg zu einer neuen ökumenischer Gemeinschaft in Europa eröffneten.

1953 emeritiert, war ein Jahr darauf das Schlusswort auf dem Leipziger Kirchentag Hahns letzte Verkündigung des Evangeliums. Am 5. November 1957 starb der "Kämpfer wider Willen", so wie er sich selbst bezeichnet hatte, in Dresden. Nach einem Trauergottesdienst in der Dresdner Kreuzkirche wurde der Sarg in einem Trauerzug zur zerstörten Frauenkirche gebracht und dann nach Stuttgart-Hedelfingen übergeführt, wo er neben seiner Frau beigesetzt wurde.

Für Oberlandeskirchenrat Dr. Christoph Münchow sei Hahn durch die „Spannung christlicher Verantwortung in dieser Welt“ in seinem „bescheidenen und demütigen Wesen Ausdruck lutherischer Frömmigkeit“. Für die Kirche verband sich in diesem „beispielhaften Charakter“ ein Neuanfang und eine Grundlegung sowie bis heute ein „Zeuge der Wahrhaftigkeit“, so der theologische Dezernent in der Würdigung von Hahns Standhaftigkeit und Aufrichtigkeit.

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