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Aktuelles

12. Juni 2008 - BORNA

Mölbis erinnert an ersten Umweltgottesdienst vor 25 Jahren

„Unsere Zukunft hat schon begonnen“ - Retrospektiven in Mölbis und Borna

Bild: Gottesdienst auf der Halde Trages
Immer mal wieder Gottesdienst im Freien

BORNA – In Mölbis bei Borna wird am 15. Juni mit Gottesdienst und Podiumsdiskussion an den ersten Umweltgottesdienst erinnert, der am Pfingstfest vor 25 Jahren stattgefunden hatte. „Unsere Zukunft hat schon begonnen“ lautete damals das Motto, das auch über der jetzigen gottesdienstlichen Veranstaltung um10:30 Uhr im Freigelände der Halde Trages steht. Der seit 22 Jahren zuständige Pfarrer Karl-Heinz Dallmann freue sich besonders auf Wolfgang Opitz, der bis 1987 Superintendent im Kirchenbezirk Borna war, und der die Umweltgottesdienste organisierte.

Mölbis erlangte durch die Rauchschwaden des nahen Braunkohlekraftwerks Espenhain den zweifelhaften Ruf, der schmutzigste Ort Deutschlands zu sein. Opitz schlug Alarm und bündelte das Anliegen von besorgten Einwohnern in diesen Gottesdiensten. An ihnen hätten schließlich 400 Menschen teilgenommen, erinnert sich Dallmann, der im Mölbiser Pfarrhaus wohnt. Im November 1989 sei hier „Ausnahmezustand“ gewesen.

Südlich von Leipzig entstanden Anfang der 80-er Jahre Umweltgruppen, die damals systematische Umweltverschmutzungen dokumentiert und dagegen protestiert haben. Darunter war auch das Christliche Umweltseminar Rötha, von dem derzeit im Bornaer Stadtmuseum eine umfangreiche zeitgeschichtliche Ausstellung mit 20 Textfahnen zu sehen ist. Der heutige Leipziger Regierungspräsident Walter Christian Steinbach war damals Pfarrer in Rötha und jagte mit anderen Kollegen durch überraschende Umweltaktionen den staatlichen Stellen einen gehörigen Schrecken ein.

Vertreter des Umweltseminars wie auch der kirchliche Beauftragte für Glaube, Naturwissenschaft und Umwelt, Joachim Krause, werden um 13:00 Uhr am Podiumsgespräch in der Orangerie Mölbis teilnehmen. Der jetzige Bornaer Superintendent Matthias Weismann wird das Gespräch moderieren.
Alte Siebdruckvorlagen von damaligen Protestplakaten sollen an diesem Tag, an dem auch das Dorffest gefeiert wird, zum Einsatz kommen und der Öffentlichkeit gezeigt werden. Große öffentliche Gottesdienste auf der Halde Trages gehören bis zum heutigen Tag zur Tradition dieser Gegend und locken im Frühsommer zahlreiche Besucher an.

Bild: Photovoltaikanlage auf dem Pfarrhaus
Pfarrhaus Mölbis: Seit sieben Wochen wohl die größte Solar-Anlage seit es Pfarrhäuser gibt

Sonderausstellung im Stadtmuseum Borna über Umweltseminar

Mit der Sonderausstellung „Das Christliche Umweltseminar Rötha e.V. 1983-2008“ wird im Stadtmuseum die Arbeit einer regional äußerst wirksamen und überregional beachteten Bürgerbewegung dokumentiert, die zu DDR-Zeiten vor allem die Verschmutzung und Zerstörung der Umwelt aufhalten wollte. Originale Dokumente und Objekte aus dieser Zeit sowie detailreiche Informationen bringen dem Besucher diesen Aspekt der neueren Geschichte näher.

Nach dem ersten Umweltgottesdienst 1983 in Mölbis mit dem Leitgedanken: „Unsere Zukunft hat schon begonnen“, nahm die schon länger existierende Röthaer Umweltgruppe in überkonfessionellen Treffen und Seminaren die starken Verschmutzungen von Boden, Wasser und Luft im Südraum von Leipzig in den Blick. Kritisiert wurde auch der überdimensionale Verbrauch von Natur- und Kulturlandschaft durch den Braunkohletagebau und die in diesen Ausmaßen äußerst bedenkliche Verarbeitung des Rohstoffes.

Bild: Ausstellungsteile im Stadtmuseum
Vervielfältigungsmaschine, Publikationen, Plakate und die Geschichte des Umweltseminars in der Ausstellung

Man befasste sich mit den tatsächlichen Zusammenhängen von Industrie und Umwelt. Menschen aller Altersgruppen und Konfessionen arbeiteten zusammen und wurden aktiv. Neben den Umweltgottesdiensten, Seminaren und der (eingeschränkten) Herausgabe von Drucksachen zogen die Gottesdienste, Wallfahrten und Pflanzaktionen die Aufmerksamkeit der Bevölkerung auf sich.

Mit der spektakulären Aktion „Eine Mark für Espenhain“ wurde im Jahr 1988 ein anderer Weg eingeschlagen, nachdem in zahlreichen Gesprächen mit staatlichen Behörden klar wurde, dass sich an der Situation nichts ändern würde. 100.000 Menschen, auch aus entfernten Regionen beteiligten sich an diesem mutigen und ermutigenden Zeichen.
Das starke Engagement des Christlichen Umweltseminars Rötha e.V. für den Südraum Leipzig führte nach dem Ende der DDR dazu, dass viele Mitglieder politisch aktiv wurden. Das Kulturbüro Espenhain setzte mit dem „Bornaer Musiksommer“ und dem „Südraumjournal“ wichtige Akzente für künstlerische Ereignisse auf höchstem Niveau und die fundierte Dokumentation Wandels in der Region. Die Sonderaausstellung entstand in Zusammenarbeit des Museums mit dem CUR e.V.

Ausstellungsdauer: 18. Mai – 31. August 2008

Öffnungszeiten des Museums:

Di – Fr: 9:00 -12:00 Uhr
Di – Do: 14:00 -17:00 Uhr
Sa + So: 14:00 -17:00 Uhr

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