1. Sächsischen Kirchenmusikertage in Colditz vom 5.-7. September 2011

Eine Nachlese von Kantor Jens Petzl, KMD Rochlitz
Fast neunzig Kirchenmusiker und Kirchenmusikerinnen können mit ihrem Urteil nicht irren: die 1. Sächsischen Kirchenmusikertage waren für alle ein Gewinn. Unter dem Thema "Singen mit Kindern" trafen sich Kantorinnen und Kantoren aus ganz Sachsen, um drei Tage lang fröhlich und konzentriert zu arbeiten. Als Referenten konnten Gijs Burger aus Mühlheim an der Ruhr und Prof. Dr. Michael Fuchs aus Leipzig gewonnen werden.
Beide sind höchst kompetent, referieren mit genauem Spürsinn für die Situation und sind dazu noch blendende Unterhalter, eine nicht zu unterschätzende Fähigkeit bei intensivem Programm. Dazu kam noch das herrliche Colditzer Schloss, in welchem die Sächsische Landesmusikakademie uns als Gäste aufnahm - eine Einrichtung, welche man für musikalische Fortbildungen, Probenaufenthalte usw. nur empfehlen kann.
Strukturiert durch die Stundengebete, bekamen die Tage ein notwendiges geistliches Gerüst. Die Möglichkeit, auch geistliche Verbundenheit zu schaffen, sich in bewährten und doch immer neu zu interpretierenden Strukturen wiederzufinden, hat vielen gut getan. Wesentlich waren ebenso die festen Zeiten gemeinsamen Singens und natürlich so manches postchorale Bier zu später Stunde.

Landeskirchenmusikdirektor Markus Leidenberger dirigiert den Kantoren-Chor
Bisher waren vom Kirchenmusikerverband, dem Kirchenchorwerk, Landeskirchenmusikdirektor und Hochschule für Kirchenmusik eintägige Kirchenmusikertreffen veranstaltet worden. Die nun mehrtägige Fortbildung erlaubte Vertiefung im Fachlichen und Austausch in vielerlei Art und Weise, nicht zuletzt über berufständische Themen.
Gijs Burger stellte die beeindruckende Kinderchorarbeit seiner Gemeinde vor. Ohne auf Einzelheiten eingehen zu wollen, haben sich trotz aller Unterschiedlichkeit der jeweiligen Situationen doch einige Grundsätze heraus geschält:
So ist Kinderchorarbeit immer Arbeit mit Kindern, nicht nur für oder an Kindern
- Kinderchorarbeit braucht den Glauben an die Fähigkeiten und das Wollen der Kinder
- Kinderchorarbeit braucht feste und verlässliche Strukturen, sie darf etwas kosten
- Kinderchorarbeit ist keine Kaderschmiede für den Erwachsenenbereich sondern hat ganz eigene Ansprüche, besonders in Stimmbildung und Repertoire
- Kinderchorarbeit muss im Gottesdienst beheimatet sein, darauf muss sich auch die Gemeinde einstellen
- Kinderchorarbeit muss sich auch in kleinen Verhältnissen an guten Vorbildern orientieren
- Kinderchorarbeit darf keine Routine sein, im Gegenteil, wir als Leiter brauchen ständig Auseinandersetzung mit unserer eigenen Arbeit
Singen mit Kindern ist eine Aufgabe für alle Bereiche kirchlicher Kinderarbeit, deshalb Zusammenarbeit und Fortbildung für Gemeindepädagogen, Katecheten usw.
Verbunden mit dem speziellen Beispiel der Kinderchorarbeit von Gijs Burger, seinen Erfahrungen (auch von Misserfolgen), seinem Suchen nach neuen Möglichkeiten, seiner fordernden Freundlichkeit, war dies für ganz viele ein neuer Ansporn, ein Aufnehmen neuer Impulse, Vergewisserung und / oder Neuorientierung. Burger machte besonders auch den Kolleginnen und Kollegen in den "kleinen" Verhältnissen Mut.
Wer einen profunden Aufriss über die Gegebenheiten der menschlichen Stimme, deren Funktionen und eventueller Störung sucht, ist bei dem Leipziger Stimmarzt Prof. Dr. Michael Fuchs bestens aufgehoben. Sein mehrstündiger Vortrag war von höchster ärztlicher Fachkenntnis und von eigenem sängerischen Fachverstand (als ehemaliger Thomaner ) geprägt. Außerdem besitzt Prof. Dr. Fuchs Entertainmentqualitäten, die mancher hoch bezahlte Fernsehunterhalter wohl sein Leben lang suchen wird. Bei seinem Vortrag wurde auch besonders deutlich, welche Verantwortung man als Kinderchorleiter, als Chorleiter überhaupt für die Stimmgesundheit seiner Choristen hat. Die Stimme als unverwechselbaren Ausdruck jedes Menschen zu sehen, sie zu hegen und zu pflegen, vor allem aber sie quasi im Singen vielen Menschen neu entdecken zu lassen, ist unser Auftrag.
Die 1. Sächsischen Kirchenmusikertage werden fortgeführt. Die Ansprüche sind durch die Colditzer Tage auf hohem Niveau. Bleibt den Planern und Dozenten zu danken und den Verantwortlichen gute Ideen für die zweite Auflage zu wünschen.


