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Aktuelles

Diskurs: Frauen im ordinierten Pfarrdienst

Das Hirtenamt in Frauenhand – 50 Jahre Frauenordination in Sachsen

Bild: Gruppenbild mit Gästen der Tagung in Meißen (Foto: Dr. Kerstin Schimmel)
Teilnehmerinnen am Symposium im Klosterhof der Ev. Akademie Meißen (Foto: Dr. Kerstin Schimmel)

MEISSEN - Nach einer kurzen Begrüßung durch Dr. Kerstin Schimmel, Studienleiterin an der Evangelischen Akademie Meißen, hieß Kathrin Wallrabe, Gleichstellungsbeauftragte der sächsischen Landeskirche, die Gäste herzlich willkommen und plädierte für ein Hinterfragen gewohnter Sichtweisen. Die Gleichstellung der Frau in der Gesellschaft könne keine Frage des „Entweder-Oder“ sein, sondern erfordere ein „und“. Gleiches gelte auch für die Kirche.

Bild: Dr. Cornelia Schlarb (l.) und Pfarrerin Christiane Thiel (Foto: Ev. Akademie)
Dr. Cornelia Schlarb und Pfarrerin Christiane Thiel

Dr. Hana Tonzarová, Pastorin der Tschechoslowakischen Hussitischen Kirche, lud die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Symposiums ein, im nächsten Jahr 70 Jahre Frauenordination in Prag zu feiern.

Der Vortrag von Dr. Cornelia Schlarb, Theologin, Konvent Evangelischer Theologinnen in der Bundesrepublik Deutschland e.V., bot einen Abriss der Geschichte der Frauenordination weltweit. In einem Parforce-Ritt durch die Weltgeschichte stellte Dr. Schlarb dar, wie unterschiedlich die Entwicklungen in den einzelnen Ländern vorangetrieben wurden. War der Zugang zum Studium schon recht früh möglich, so scheiterten Frauen daran, in der Kirche „vollwertigen“ Dienst leisten zu dürfen. In den Niederlanden wurde z.B. die erste Pfarrerin 1929 ordiniert, allerdings mit der Auflage, zölibatär zu leben. Die erste verheiratete Pfarrerin gab es in den Niederlanden erst 1975.

Bild: Gruppengespräche (Foto: Ev. Akademie)

Insbesondere in Europa war die Frauenordination erst nach dem zweiten Weltkrieg möglich. Der Wandel des Rollenverständnisses zwischen Mann und Frau, der in dieser Zeit stattfand, gab einen wesentlichen Motivationsschub auch für den Vorstoß ins weibliche Pfarramt.

Dr. Auguste Zeiß-Horbach thematisierte vor allem das Spannungsfeld zwischen den Deutschen Christen und der Bekennenden Kirche in Bezug auf die Frauenordination. In der Zeit von 1926 bis 1932 brachten erste Landeskirchen Theologinnengesetze heraus, aus der Altpreußischen Union ging 1927 das „Vikarinnen-Gesetz“ hervor, das allerdings vor allem von vielen Einschränkungen geprägt war.

In Sachsen wurde 1932 versuchsweise genehmigt, „Theologinnen Pfarrern als Hilfe beizugeben“ – Frauen wurden hier also auf eine Hilfstätigkeit reduziert. Trotz schlechter Quellenlage konnte Dr. Zeiß-Horbach herausfinden, dass in Thüringen während der NS-Zeit die Gleichstellung der Theologinnen Fortschritte machte. So wurde 1942 eine Frau durch Wahl zum „Pfarrer“ berufen – es handelte sich ausdrücklich nicht um ein Notpfarramt. 1943 wurde diese Frage vom Thüringer Landeskirchenrat als entschieden betrachtet – auffällig war vor allem, dass bereits zu dieser Zeit das Wort „Gleichstellung“ Verwendung findet.

Bild: Dr. Elaine Neuenfeldt (Foto: Ev. Akademie)
Dr. Elain Neuenfeldt (Ev. Akademie)

Kennzeichnend für diese Zeit, resümierte Zeiß-Horbach, war, dass Frauen sich theologisch mit der Frage der Ordination auseinandergesetzt haben und die Diskussion forcierten. Sie haben mehr gefordert, wurden in der Diskussion vor allem durch die Bekennende Kirche gestützt, die viele Frauen im Notpfarramt eingesetzt hatte.

Dr. Elaine Neuenfeldt, Lutherischer Weltbund, stellte in ihrem Vortrag die Bibel als befreiende Kraft zur Überwindung von Geschlechterklischees in den Mittelpunkt. Zunächst stellte sie fest, dass sie den Begriff Frauenordination nicht für passend halte, da man auch nicht explizit von „Männerordination“ spreche. Sie favorisiere die Formulierung „Frauen im ordinierten Pfarrdienst“. Sie präsentierte anhand sehr konkreter Beispiele wie präsent Geschlechterklischees in unseren Köpfen sind. Diese Stereotype beeinflussen folglich auch unsere Wahrnehmung von Frauen in der Kirche.

In der Lutherischen Tradition stellt sie fest: „Wenn wir die Bibel mit unserer kulturell geprägten Brille lesen, bringen wir gewohnte Klischees mit. Wenn ich mir das eingestehe, öffnen sich Möglichkeiten, die Bibel besser zu verstehen.“ So stelle sie sich in der lutherischen Perspektive immer die Frage: Was würde Christus tun?
In ihrem Fazit betonte Neuenfeldt, dass die Ordination von Frauen nur der erste Schritt sei. Viel entscheidender sei doch die Frage, welche Möglichkeiten ordinierte Frauen innerhalb der Kirche bekämen. Hier seien international noch sehr große Unterschiede zu beobachten. „Die Gemeinschaft muss auch Differenz aushalten. Solange Solidarität die feste Basis ist“, sei dies auch möglich, so Neuenfeldt. (Ev. Akademie)

Festgottesdienst und Empfang auf der Landessynode

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