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Aktuelles

Halbzeit für Europäischen Stationenweg

Der Truck überfuhr in Polen die Halbzeit des Stationenwegs in Cieszyn

Bild: Blick auf den Marktplatz von Bardejov/SK mit St. Ägidienkirche und Rathaus (Foto: privat)
Aus Polen kommend, erreichte der Truck Bardejov am 10. Februar und stellte sich neben das Alte Rathaus

Nach mehr als 10.000 Kilometern und etwa 30.000 Besuchern an 34 Stationen war für den Truck auf dem Europäischen Stationenweg im südpolnischen Cieszyn am 8. Februar Halbzeit. „Auf dem Europäischen Stationenweg wird die Reformation lebendig“, erklärte Thies Gundlach, Vizepräsident des Kirchenamtes der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). „Europa feiert im Jahr 2017 an vielen Orten die Reformation. Ich bin beeindruckt, wie persönlich und modern die europäische Geschichte hier erzählt wird. Der Europäische Stationenweg ist ein starkes Zeichen für das Miteinander in Europa. Genau das, was wir in diesen Zeiten brauchen.“

Bild: Am 11. Februar präsentierte sich der Reformationstruck auf dem Marktplatz (Foto: privat)
Der blaue Truck baut sich auf dem Marktplatz in Bardejov auf und öffnet seine Reformationswunderwelt den Besuchern

Die Tour durch 19 europäische Länder veranstaltet r2017 im Auftrag der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Evangelischen Kirchenbund und der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE). Am 3. November ist der Truck in Genf gestartet, Stationen in der Schweiz, in Österreich, in Deutschlands Südwesten und Norden sowie in Italien, Slowenien, Rumänien und Ungarn liegen hinter Tourmanager Johannes Göring und den Volunteers. Besucht wurde der Truck von Regierungsmitgliedern verschiedener europäischer Staaten und Bischöfen aus allen Regionen Europas. Auch viele Oberbürgermeister und Bürgermeister der besuchten Städte begrüßten den 33 Tonnen schweren und 16 Meter langen LKW sowie das Team, das ihn begleitet.
Nach der Halbzeit im südpolnischen Cieszyn überfuhr der Truck die polnisch-slowakische Grenze und erreichte die ostslowakische Stadt Bardejov (Bartfeld) als letzten Haltepunkt in Städten des östlichen Mitteleuropa.

In der Slowakei war Bardejov Haltpunkt für Europäischen Stationenweg

Bild: Gedenktafel an der Wirkungsstätte von Stöckel in Bardejov (Foto: privat)
Gedenkplatte in Bardejov an Leonard Stöckels Wirkungsstätte

Am Sonnabend, 11. Februar, präsentierte sich der Truck auf dem historischen Markt in Bardejov. In vielen Städten im damaligen Oberungarn setzten sich früh reformatorische Glaubensüberzeugungen durch, weil viele Söhne, insbesondere der deutschen Bürgerschaft, in Breslau und Wittenberg studierten. So auch Leonard Stöckel, der 1510 in Bardejov geboren wurde und in der wirtschaftlichen Blüte der Stadt eine humanistische Bildung genoss. Ab Oktober 1530 ging er nach Breslau und Wittenberg und studierte Theologie. Er war Schüler von Martin Luther und Philipp Melanchthon, der bereits eine rege Korrespondenz zu Anhängern in den oberungarischen Städten pflegte. Nach neunjähriger Abwesenheit, in Eisleben auch als Hauslehrer tätig, wurde Stöckel in seine Heimatstadt zurück gerufen.

Mit Melanchthon befreundet und als Pädagoge wesensverwandt, widmete er sich der Erneuerung des Schulwesens.

Bild: Abbild von L. Stöckel im Fenster europäischer Reformatoren in der Schloßkirche von Wittenberg (Foto: privat)
Glasfenster in der Wittenberger Schloßkirche mit Abbild von Stöckel

Er wurde Rektor der von den Kirchgemeinden getragenen Schule in Bardejov. Stöckel entwickelte Schulgesetze und ließ im Sinne des christlichen Humanismus unter der Maxime „Frömmigkeit – Bildung – Beredsamkeit“ lehren. Aufgrund seines Wirkens in der Erneuerung des Schulwesens, wurde er auch anerkennend „Praeceptor Hungariae“ genannt. Er war zeitweise Rektor am evangelischen deutschen Lyzeum im damaligen Kesmark (Kežmarok) und kam dann nach Bardejov zurück, wo er nach segensreichem Wirken am 7. Juni 1560 starb.

Bardejov wurde nicht nur wegen der frühen Einführung der Reformation als „Wittenberg Ungarns“ genannt, sondern gerade durch das Verdienst Stöckels, der im Jahre 1549 in Anlehnung an das Augsburgische Bekenntnis die Confessio pentapolitana für die verbündeten Städte Bardejov, Prešov, Levoča, Sabinov und Košice verfasste.

Bild: Glasfenster mit Martin Luther in der evangelischen Kirche von Bardejov (Foto: privat)
Modernes Lutherfenster in der evangelischen Kirche von Bardejov

Das war Vorbild für die mittelslowakischen Bergstädte die Confessio Montana zu verabschieden und einzuführen. Die große Stadtkirche St. Ägidien in Bardejov tauschte mit evangelischen Kirchen in Deutschland Notenblätter aus und neben der Kirche befand sich seit 1578 die erste Buchdruckerei der Region von David Gutgesell, die reformatorische Schriften im Land verbreitete. Früher als in manch deutschen Städten erreichten Luthers Thesen (1517) auch über Händler der Leipziger Messe die oberungarischen Städte bereits Anfang der 1520er Jahre. Als erster evangelischer Pfarrer in Bardejov ist 1523 Elias Lang benannt, der aus Krakau kam.

Mit Beginn der Gegenreformation 1618 waren die Kirchen nacheinander, so auch in Bardejov, wieder katholisch geworden. Für die Lutheraner begann eine lange Zeit der Zurückstellung und Bedrängung. Erst das Toleranzpatent von 1781 des habsburger Kaisers Joseph II. ermöglichte die Errichtung oder die Übernahme von Steinkirchen in zweiter Reihe, ohne Turm und begrenzter Sitzzahl.

Bild: Evangelische KIrche in Bardejov (Foto: privat)
Evangelische Kirche in Bardejov

Im 19. Jahrhundert war das evangelische Pfarrhaus Keimzelle für zahlreiche Theologen, Dichter und Politiker, die über die Sprache und Kultur das nationale slowakische Selbstverständnis förderte. In Sichtweite der katholischen St. Ägienkirche steht die evangelische Kirche von Bardejov, in der am Sonntag, 12. Februar, ein feierlicher Gottesdienst zum Stationenweg stattfand. Sie ist ein typischer Bau im Stil des Klassizismus, der Anfang des 19. Jahrhunderts vor den Stadtmauern errichtet worden war.

Hier wurden im September letzten Jahres fünf neue Pfarrerinnen und Pfarrer ordiniert. Unter der Teilnahme des Generalbischofs Miloš Klátik war der Gottesdienst live im slowakischen Rundfunk- und Fernsehen übertragen worden. Generalbischof Klátik aus Bratislava nahm auch an diesem Wochenende beim Kulturprogamm am Sonnabend und am Gottesdienst am 12. Februar teil.
Im Jahre 2010 gedachte man feierlich des 500. Geburtstags des Reformators Leonard Stöckel.

Bild: In der Sporthalle hieß Bardejov die Gäste willkommen (Foto: privat)
Kulturprogramm in der städtischen Sporthalle - der Festtagschor hatte seinen großen Auftritt

Die Tage beim Stopp in Bardejov standen unter dem Motto „Erinnerung – Nachschau – Nachfolge“ nach dem neutestamentlichen Vers im Hebräerbrief (Kap. 13): „Gedenkt eurer Lehrer, die euch das Wort Gottes gesagt haben; ihr Ende schaut an und folgt dem Beispiel ihres Glaubens.“ Regionalbischof Slavomir Sabol legte die Botschaft in einem Geistlichen Wort in der der städtischen Sporthalle am Sonnabend, 11. Februar, aus. Hier war von Stadt und Kirche großes Programm angesagt: Weit über 1.000 Besucher sahen Präsentationen und Aktionen von Schülern (Gymnasium und Musikschule) sowie Vertretern der Kirchgemeinde. Es wurde szenisch an die Reformationszeit und an die Geschichte der Gemeinde in den letzten Jahrzehnten erinnert sowie Bezug genommen auf die gegenwärtigen Herausforderungen in der Nachfolge und der Bewahrung christlicher Werte in der modernen Gesellschaft.

Nun geht es nach Aufenthalten in den Städten im Osten Europas weiter

Bild: Der Stadtpfarrer verabschiedet das Truck-Team im Sonntagsgottesdienst in der Kirche (Foto: privat)
Stadtpfarrer Jan Velebir (l.) verabschiedete am Ende des Sonntagsgottesdienstes in der ev. Kirche das Truck-Team mit den Volunteers

An allen Stationen der Europatour werden Reformationsgeschichten gesammelt. Etwa 1.000 davon sind im Blog „Geschichten auf Reisen“ nachzulesen. Darüber hinaus gibt es weit über 1.000 schriftliche Einträge im Gästebuch des Trucks. Im Truck öffnet sich den Besucherinnen und Besuchern ein vielfältiges Multimediaangebot mit all den erzählten Geschichten der bisherigen Stationen auf Video, Audio oder zum Nachlesen. „Der Höhepunkt der Tour ist der Europäische Stationenweg als solcher“, weiß Tourmanager Johannes Göring. Jede einzelne Station engagiere sich für das Gelingen ihrer Veranstaltungen, in die sie den Truck einbetten. „Diese Vielfalt an Menschen, Kulturen, Ländern und Veranstaltungen zu erleben, ist einzigartig.“

Bild: In Zwickau beginnt am 18. Februar die Ausstellung "Erneuerung & Eigensinn", die auch zum Stationenweg zu sehen ist.
Die Ausstellung in Zwickau stimmt schon mal auf den Stationenweg am 16. Mai ein

Nach dem Aufenthalt des Trucks in verschiedenen Städten im Osten Europas geht es dann weiter auf die britischen Inseln und anschließend nach Skandinavien. Zum Schluss tourt der Bus durch verschiedene Städte in Mitteldeutschland, bevor er am 20. Mai in Lutherstadt Wittenberg ankommt und dort dann die Weltausstellung Reformation beginnt.

Nach Sachsen kommt die Tour am 25. April in die Renaissance-Stadt Torgau sowie am 16. Mai nach Zwickau. Der „Europäischen Stationenweg“ würdigt Zwickau, der nachweislich zweiten vollreformierten Stadt nach Wittenberg, in der der junge Thomas Müntzer und Martin Luther predigten. Unter dem Motto „Helden sind nicht Einzelne“ sammeln Zwickauer Bürger Geschichten zur Reformation, die im Truck ausgestellt werden.(12.2.2017)

Informationen über die Tour des Trucks unter: https://r2017.org/europaeischer-stationenweg/

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