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Aktuelles

Erster Sächsischer Kirchenvorstandstag am 23. August 2009

Ministerpräsident: Helfen sie weiter mit, das stabile Wertefundament zu bauen

Bild: Stand der Ehrenamtsakademie im Kulturpalast
Joachim Wilzki im Gespräch am Stand

„Wir haben wohl mit der breiten Angebotspalette zum 1. Sächsischen Kirchenvorstandstag den Nerv getroffen“, resümierte Joachim Wilzki schon zu Beginn den Ehrentag für die engagierten Freiwilligen in den sächsischen Kirchgemeinden. Die Ehrenamtsakademie, dessen Leiter er ist, war für den 23. August mit der Vorbereitung eines möglichst breiten Themen- und Programmangebots beauftragt worden. Seine Hoffnung auf Teilnahme habe sich an diesem Tage im Ergebnis „verdoppelt“, sagte er, als am sonnigen Sonntagmorgen aus allen Teilen des Landes fast 2.000 Mitglieder der Kirchenvorstände, der Kirchgemeindevertretungen und Synoden zu Podien, Foren und Werkstätten in der Landeshauptstadt eintrafen. Möglich wurde das Riesenvorhaben an verschiedenen Orten der Landeshauptstadt auch durch die vorbereitende Unterstützung der Einrichtungen, Dienste und Werke der Landeskirche, deren Vertreter die Arbeitsgruppen an diesem Tag als Moderatoren und Berater unterstützten.

Bild: Kreuzkirche

In der vollbesetzten Dresdner Kreuzkirche erschallte um 9:30 Uhr der geistliche Auftakt des Kirchenvorstandstages mit mächtigem Gemeindegesang sowie mit dem Gesang des Dresdner Kreuzchores. Kreuzkirchenpfarrer Joachim Zirkler machte in seinem geistlichen Wort zum 1. Korintherbrief den Kirchvorstehern als „Führungskräften der Landeskirche“ Mut und bestätigte die Bedeutung dieser gemeindlichen Arbeit als die eigentliche Leitung der Kirche. Er wünsche sich, wenn „Gottes Mitarbeiter“ trotz Auseinandersetzungen in Sachfragen „frisch und frei“ blieben. Synodalpräsident Otto Guse hieß seitens der Kirchenleitung die Ehrenamtlichen herzlich willkommen: Da die Arbeit der Kirchvorsteher komplexer und anspruchsvoller geworden sei, hätte die Kirchenleitung Anlass für eine solche Einladung gesehen, die nicht nur ein Dankeschön, sondern auch Angebote zur Ermutigung und Qualifizierung beinhalten sollte.

Bild: Dr. Lütz im Vortrag
Dr. Manfred Lütz

Der thematische Einstieg und Auftakt erfolgte durch den Kölner Psychiater und Theologen Manfred Lütz unter dem Titel „Von der Lust und der Last am Christsein in der Kirche“. Offenbar war dem Rheinländer seit längerem der manchmal jammerhafte Ton von Christen ein Dorn im Auge. Wenn beim Psychiater zweidrittel der Zeit über Patientenprobleme und nicht über deren Lösung gesprochen würde, ginge es nachher schlechter, so Lütz. Das Evangelium mache doch Mut, fröhlicher zu reden und die Botschaft in die Welt zu tragen. Für ihn müssten Christen ihre zweitausendjährige Geschichte nicht als Last herumschleppen, sondern sich richtig informieren und diese Heilsgeschichte als „Schatztruhe“ durch die Kirche tragen. Das „Mitleid“ sei durch sie „erfunden“ worden als auch in der Sklavenbefreiung Christen aktiv waren. Lütz sprach zudem vom Glauben, den man kenne müsse, um ihn bekennen zu können. Zudem müsse darüber verständlicher geredet werden. Für ihn seien Ehrenamtliche keine „Lückenbüßer“, im Gegenteil, „die Hauptamtlichen müssten den Ehrenamtlichen dienen“, so Lütz.

Bild: Podium 1. Landesbischof spricht
Podium "Die unentbehrlichen Unbezahlten..."

Landesbischof Jochen Bohl sprach die Sendungsworte in den Tag, die gleichzeitig eine Überleitung in das erste Podium in der Kreuzkirche waren: Ihm wurde als Pfarrer vom Kirchenvorstand mal gesagt: „Die Pfarrer kommen und gehen – wir bleiben“. Das anschließende Podium stand unter dem Titel „Die unentbehrlichen Unbezahlten“, an dem er selbst teilnahm.
Für die sächsische Staatsministerin für Soziales, Christine Claus, brauche Ehrenamt einen Rahmen von juristischer Absicherung und finanzieller Anerkennung. Die Wertschätzung müsse zudem größer werden, denn die „Humanität und Liebe“ könne nicht mit Geld bezahlt werden. Für Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, Karin Göring-Eckardt, sei Lob und Qualifikation wichtig. Von einer Vernetzung könnten andere Ehrenamtliche profitieren. Für den bisherigen Magdeburger Bischof Axel Noack sei Qualität und Qualifikation der Ehrenamtlichen genau so wichtig, wie bei Hauptamtlichen. Das Engagement nehme bei Ehrenamtlichen ab, wenn die Hauptamtlichen zu „übereifrig“ seien. Bei sehr engagierten Ehrenamtlichen, etwa bei örtlichen Bauvorhaben, müssten Hauptamtliche bei strittigen Fragen vermitteln.
Für Landesbischof Jochen Bohl sei grundsätzlich die Verkündigung des Evangeliums Aufgabe aller. Mit einer konkreten Beauftragung seien in Sachsen 150 Prädikanten im Einsatz.

Bild: Kirchvorsteher im Gespräch
Katharina Grime-Hahn und Gottfried Huth

Darunter waren Kirchvorsteher wie Gottfried Huth, der in einem staatlich geförderten Grundschulprojekt im ostsächsischen Jonsdorf einmal in der Woche im Ganztagsunterricht eine Bläserstunde erteilt. Gleichzeitig unterstützt er mit anderen die kirchenmusikalische Posaunenarbeit in Tschechien, wo die Kirchgemeinde eine Partnerschaft mit Varnsdorf in der Gemeinde der Böhmischen Brüder unterhält. Huth favorisierte daher entsprechende Angebote im Theater Wechselbad, wo es um ökumenische Partnerschaftsarbeit ging.
Kirchvorsteherin Katharina Grieme-Hahn als 2008 neu gewählte Kirchvorsteherin in Königstein besuchte das Forum „Haupt- und Ehrenamtliche. Hand in Hand“ sowie am Nachmittag „Konflikte als Chance“ in einer Situation, wo sie selbst zu vermitteln hat zwischen dem Kirchenvorstand einer Gemeinde und als Ortausschussvertreterin eines Gemeindebereichs. Den Kirchenvorstandstag empfand sie als tröstend und ermutigend.

Bild: Würdignung der Gemeindebriefe
Oberlandeskirchenrat Bauer verteilt die Preise

In der Kreuzkirche wurde mittags der Sächsische Gemeindebriefpreis 2009 an das Kirchenblatt Hinterhermsdorf-Supsdorf, Sebnitz, Lichtenhain-Ulbersdorf, Hohnstein-Ehrenberg überreicht. Ausgezeichnet wurde die sorgfältige und besonnene Gestaltung, der entschiedene und sparsame Einsatz einer Schmuckfarbe für Überschriften, Signets und Unterlegungen sowie die gute Papier- und Druckqualität. Der Preis für den besten gemeinsamen Gemeindebrief erhielt der Gemeindebrief des Kirchspiels Großenhainer Land, eine ‚Visitenkarte’ des Kirchspiels, die alle Kirchgeldzahler bekommen und die an öffentlichen Orten ausgelegt wird.
Am Wettbewerb beteiligt haben sich 47 Gemeindebriefredaktionen mit der Weihnachts- und Osterausgabe ihres Gemeindebriefes und einem ausgefüllten Fragebogen rund um Entstehung, Inhalte, Gestaltung, Druck, Finanzierung und Verteilung ihres Gemeindebriefes. Insgesamt sei die Qualität der Gemeindebriefe gestiegen. Immer mehr setzten eine Farbe ein oder lassen vierfarbig drucken. Viele Gemeinden veröffentlichen Fotos aus ihrem Gemeindeleben und vermitteln so ein authentisches Bild ihrer Gemeinde.

Bild: Glückliches Paar

Der Gemeindebrief der Evangelisch-Lutherischen St.-Michaels-Kirchgemeinde Plauen erhielt einen Preis für sein dynamisches Logo – ein gezeichnetes P, durch dessen Längsstrich ein Querbalken geht - das durch den gesamten Gemeindebrief führt und die Titelseite maßgeblich gestaltet. Prämiert wurde auch die gelungene Layout Überarbeitung des Gemeindebriefes „Laurentius“ der Ev.-Luth. Kirchgemeinde in Dresden Kaditz, Mickten, Pieschen, Trachau, Trachenberge, Übigau.

Bild: Blick zum Podium

Unter der Überschrift „Keine falsche Bescheidenheit“ fand anschließend in der Kreuzkirche ein Podium über die Rolle der Kirche in der Öffentlichkeit statt, das durch die Journalistin Alexandra Gerlach, Deutschlandfunk, moderiert wurde. Sie warf die Frage auf, ob nicht die Kirche viel zu bescheiden auftrete. Kanzleramtsminister Dr. Thomas de Maiziére war der Ansicht, dass Kirche mit großen Veranstaltungen wie dem Deutschen Evangelischen Kirchentag schon in der Öffentlichkeit präsent sei. Dennoch ermutigte er weiter den „Glauben ohne Angst nach außen zu tragen“ und ein selbstbewusstes Profil in die Öffentlichkeit zu bringen. In bestimmten Verlautbarungen und Papieren stecke das „Risiko des Abstrakten“ und sei „weil nichts Falsches drin stehe“ durchaus richtig, aber in konkreten Fachfragen nicht präzise genug. Auch die Nordhausener Oberbürgermeisterin Barbara Rinke sehe die Gefahr, zumal sie auf EKD-Ebene auch den Entstehungsprozess kenne, allerdings wünsche sie sich eher stärkere theologische Argumentation. Für Rinke sei es notwendig, dass Kirche weiterhin öffentliche Räume erschließe und sie nutze. Manchmal sei hier noch zuviel Zurückhaltung.

Bild: Blick in eine Werkstatt im Kulturpalast

Für den Intendanten des MDR, Prof. Dr. Udo Reiter gebe es ebenfalls für Kirche keinen Grund zu bescheiden aufzutreten. Die Kirchen bekämen einen angemessenen Platz beim Sender. Reiter wäre es lieber, wenn deutlicher vom Glauben, auch von Mission, gesprochen würde. Er gab aber auch zu bedenken, dass Kirche nicht alle Marketingstrategien übernehmen könne, da das Instrumentarium das eigentliche Anliegen und die Glaubwürdigkeit beschädigen könne.
Prof. Christfried Brödel, Leiter der Hochschule für Kirchenmusik, warb auch für Verständnis, dass gerade im Osten noch vielen die „Diktatur des Wortes“ von einer überholten und altmodischen Kirche im Ohr sei. Für ihn sei Kirchenmusik der wohl wichtigste Schlüssel, um kirchenferne Menschen anzusprechen und zu erreichen. Durch die musikalische Mitarbeit ohne Vorbedingungen würden viele Menschen anfangen nach dem Glauben zu fragen. Ansonsten sollte die Kirche auch eine fröhliche Gelassenheit zum Ausdruck bringen, so Brödel.

Bild: Übergabe eines Apfelbäumchens
Landespfarrerin Antje Hinze (l.) der Kirchlichen Frauenarbeit stellt Projekt Apfelbaumpflanzung vor

Zentren der Themenarbeit waren das Theater Wechselbad in der Maternistraße, der Kulturpalast, das Haus an der Kreuzkirche und die Dreikönigskirche auf Neustädter Seite. Landesbischof Jochen Bohl hielt im Forum zu Gemeindeentwicklung und geistlicher Leitung im Theater Wechselbad einen Vortrag unter der Überschrift „Führen und Leiten“. Nach dem Ende der Veranstaltungen trafen sich alle Teilnehmer am Kirchenvorstandstag um 16:30 Uhr in der Dresdner Frauenkirche.
Im Abschlussgottesdienst in der vollbesetzten Frauenkirche wurden 21 kleine Apfelbäumchen in die Kirchenbezirke als Zeichen der Hoffnung gegeben.

Bild: Landesbischof predigt in der Frauenkirche
Predigt des Landesbischofs

Jeder Kirchenbezirk kann diesen Baum dort pflanzen, wo er einen Arbeitsschwerpunkt sieht oder wo größere Herausforderungen zu bewältigen sind. So wird es für den Kirchenbezirk Dresden Nord der neue Kindergarten in Dresden-Klotzsche sein und für den Kirchenbezirk Freiberg das erfolgte Zusammengehen mit dem Kirchenbezirk Dippoldiswalde.

„Wir sind Teil der einer großen Gemeinschaft von Christen in der Welt“, sagte Landesbischof Jochen Bohl vor den Teilnehmern des zu Ende gehenden Kirchenvorstandstages in der Frauenkirche. Wir seien zwar verschieden, aber vereint in Christus. Keine Gemeinschaft könne bestehen, wenn sie nicht in der Verschiedenheit versöhnt werde, so Bohl. Dabei sprach er Veränderungen in den Gemeinden in den letzten Jahren an, aber auch „Herausforderungen, denen wir nicht ausweichen können und wollen“.

Bild: Ministerpräsident spricht mit einem Ehrenamtlichen
Ministerpräsident im Gespräch

Für den Landesbischof werde gerade in dieser Entwicklung jede und jeder gebraucht, um die Botschaft weiterzusagen, die Gemeinschaft zu stärken, dem Auftrag treu zu sein und Gottesdienst zu feiern. Er sprach auch die diakonische Verantwortung an, „den Schwachen an die Seite zu treten“.

Im Gottesdienst, der u.a. vom Projektchor der Frauenkirche unter der Leitung von Frauenkirchenkantor Matthias Grünert musikalisch begleitet wurde, sprach der sächsische Ministerpräsident Stanislaw Tillich ein Grußwort, indem er das ehrenamtliche Engagement in den Kirchgemeinden würdigte: Die freiheitliche Gesellschaft habe nur Bestand, wenn sie sich bürgerlich engagiere.
Das kirchliche Engagement sei das, was „soziale Wärme schafft“, so Tillich.

Bild: Unterschriften für Petition an die jeminitische Botschaft
Unterschriften für die Entführten im Jemen

Er rief die Besucher des Gottesdienstes auf, beim Bau eines stabilen Wertefundaments zu helfen. „Sie sind das Salz der Erde“, sagte er.
In den Fürbitten ist im Gottesdienst auch der im Jemen entführten ostsächsischen Familie gedacht worden. Vor der Frauenkirche organisierten Vertreter des Kirchenvorstandes der Kirchgemeinden Ruppertsgrün und Beiersdorf im Kirchenbezirk Zwickau eine Petition an die jemenitische Regierung, den Entführten zu helfen und sich für die Freilassung einzusetzen.

Im Anschluss an den Gottesdienst versammelten sich ein Großteil der Teilnehmer zu einem gemeinsamen Abschiedsfoto zwischen Lutherdenkmal und Frauenkirche.

Bild: Gemeinschaftsbild zum Abschluss vor der Frauenkirche

 

HINWEIS:

Ab sofort stehen Arbeitshilfen, Dokumentationen und Materialien einzelner Veranstaltungen auf den Seiten der Ehrenamtsakademie zum Download bereit.

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