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Aktuelles

Orgelspiel und Orgelpflege in Sachsen

Demnächst Abschluss der Restaurierungen in Riesa und Chemnitz

Bild: Große Orgelpfeife wird nach oben gezogen (Foto: J. Stein)

In vielen abendlichen Orgelvespern in der Sommerzeit zeigten die heimischen Organisten oder Gastinterpreten an der "Königin der Instrumente" ihr Können. Dabei wurde auch die wertvolle Orgellandschaft Sachsens erlebbar, die beispielsweise mit Orgelbaumeistern wie Göthel, Hildebrandt, Kaiser, Kreutzbach, Oehme und nicht zuletzt Silbermann in Verbindung steht. Es existieren weiterhin traditionsreiche Orgelbaufirmen wie Jehmlich in Dresden und Eule in Bautzen.

Bild: Frauenkirchorganist Matthias Grünert spielt
Matthias Grünert, Dresden

Gerade ging die 4. Leubnitzer Orgelwoche zu Ende, wo die restaurierte Jehmlich-Orgel im Mittelpunkt der Konzerte stand. Neben Orgelwochen in einer Gemeinde wie in Dresden-Strehlen, gab es besondere Orgelereignisse mit der Zwickauer Orgelnacht am 21. Juni, dem 22. Reichenbacher Orgelsommer, dem 2. Orgelsommer in der Großenhainer Pflege und dem VI. Internationalen Chemnitzer Orgelfestival vom 7.-13. September. Zuletzt sorgte der Dresdner Frauenkirchorganist Matthias Grünert als „rasender Organist“ für Aufsehen, als er im Vogtland und im angrenzenden Thüringen unter dem Label „Orgelarena“ in fünf Tagen 40 Orgeln künstlerisch traktierte. In Dresden lädt die Konzertpartnerschaft der drei großen Innenstadtkirchen weiterhin zum wöchentlichen Dresdner Orgelzyklus ein.
In letzter Zeit gab es auch häufiger spezielle Orgelführungen für Kinder, die „spielerisch“ mit dem Instrument vertraut gemacht werden sollten. In Kindergärten, Christenlehregruppen oder im Religionsunterricht bleiben Treffen mit dem Kantor oder Kantorin an der Orgel in lebendiger Erinnerung.

Bild: Einbau von großen Orgelpfeifen (Foto: J. Stein)
Einbau der Riesenpfeife in Riesa, Trinitatiskirche

Bei den zurückliegenden und jetzigen Veranstaltungen weisen Benefizkonzerte auch auf anstehende Orgelreparaturen hin, die für die Kirchgemeinden eine finanzielle Kraftanstrengung bedeuten. Denn, alle 30-40 Jahre steht bei einer Orgel eine Überholung oder größere Reparatur an, obwohl der allgemeine Zustand der rund 1.500 Orgeln als gut bezeichnet werden kann.
Orgelneubauten sind selten geworden, da die meisten Orgeln unter Denkmalschutz stehen. Für die anderen Orgeln kommt ein Ersatz nur infrage, wenn sie völlig verschlissen oder durch ein Unglück zerstört sind. Über 40 Vorhaben in unterschiedlichen Größenordnungen hoffen jedes Jahr auf Zuschüsse aus öffentlicher Hand, auf Sponsoren, Spender und auf Zuschüsse der Landeskirche. Es stehen seitens der Landeskirche als Zuschüsse pro Jahr ungefähr eine halbe Million Euro zur Verfügung.

Bild: Präsentation Orgelwein in Eibenstock
Orgelweinangebot in Eibenstock

Im Augenblick sind u.a. die Kirchgemeinden in Eibenstock (Erzgebirge), Crimmitschau und Chemnitz (Schlosskirche) dabei, ihre Orgeln zu erneuern oder neu zu bauen. Die Eibenstocker sammeln derzeit Geld für ihre 140 Jahre Kreuzbach-Orgel in der Eibenstocker Stadtkirche. Die zweimanualige Orgel mit ursprünglich 36 Registern und über 2.000 Pfeifen gilt als das vorletzte und größte erhaltene Werk des Bornaer Orgelmeisters Urban Kreutzbach. Aufgrund des derzeitigen desolaten Zustandes der Orgel hat sich die Kirchgemeinde zu einer umfangreichen Reinigung, Instandsetzung und Restaurierung entschlossen, deren Kosten mit 200.000 Euro veranschlagt werden. Im Erntedankgottesdienst am 5. Oktober wird zugunsten der Orgelrestaurierung der „Eibenstocker Orgelwein“ eingeführt und verkauft.

In Crimmitschau sammelt man ebenfalls mit Fantasie für einen Orgelneubau in der St. Laurentiuskirche. Eine Orgeltour auf Fahrrädern (Sahnpark-Tour) erbrachte vor wenigen Tagen 5.000 Euro. In Chemnitz bleibt das Mammutunternehmen des Orgel-Neubaus in der Schloßkirche noch eine Herausforderung, da dem Förderverein noch 300.000 Euro für den Einbau der restlichen zweidrittel Orgelpfeifen bis zur Fertigstellung fehlen.

Bild: Plakat von Konzerten zur Wiedereinweihung der Silbermannorgel in Rötha
Orgeleinweihung in Rötha

Häufig geht es aber nicht um Generalüberholung oder gar Neubau. In Werdau wurde die große Jehmlich-Orgel in der Marienkirche mit dem Ausblasen von 2.000 Pfeiffen einer Grundreinigung unterzogen. Selbst diese große „Inspektion“ kostet rund 15.000 Euro.

Grund zur Freude und zum Feiern haben wegen der abgeschlossenen und aufwendigen Arbeiten die Kirchgemeinden in Frauenstein, Riesa und Chemnitz.
In der Stadtkirche Frauenstein wurde nach mehrmonatiger Restaurierung die 1873 gebaute Kreutzbach-Orgel wiedereingeweiht und sich bis zum 28. September eine Festwoche mit Konzerten und Vorträgen anschloss.
Mit einem Festkonzert wurde am 28: September die dreijährige Restaurierung der kostbaren Silbermannorgel in Rötha bei Leipzig beendet. Als einzige unter den 34 erhaltenen Silbermann-Instrumenten verfügt die Orgel in der Marienkirche über einen original bemalten Prospekt.

Nach siebenmonatiger Generalüberholung wird am 12. Oktober in der Trinitatiskirche Riesa die Jehmlich-Orgel wieder in Betrieb genommen. Finanziert durch Gelder der Landeskirche, der Stadt Riesa und der Trinitatiskirchgemeinde, sowie durch betriebliche und private Spenden aus Riesa und Umgebung, konnten nicht nur die notwendige Instandsetzung der Orgel, sondern auch weitergehende Umbauten realisiert werden. So wurden u.a. vier Register ergänzt, die beim Umbau 1945/46 schon geplant waren, aber nie gebaut wurden. So wird die Riesaer Orgel jetzt mit 64 Registern zur zehntgrößten Kirchenorgel in Sachsen.

Bild: Riesa - Die Orgel vor der Restaurierung im Gottesdienst
Jehmlich-Orgel in Riesa

Zur Feier dieses Tages findet um 14:00 Uhr ein Festgottesdienst zur Wiederinbetriebnahme der restaurierten Orgel statt. In diesem Gottesdienst erklingt neben festlicher Orgelmusik die Kantate "Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren" von Johann Sebastian Bach. Ausführende sind die Kantorei Riesa und der Chor der Katholischen Pfarrei St. Barbara Riesa, begleitet von der Neuen Elbland Philharmonie unter der Leitung von Kantor Stephan Seltmann. Die Solopartien singen die Dresdner Gertrud Günther (Sopran), Britta Schwarz (Alt), Gerald Hupach (Tenor) und Matthias Weichert (Bass).

Mit einem "Werkstatt"-Orgelkonzert geht der besondere Tag um 19:30 Uhr zu Ende. Orgelbaumeister Ekkehart Groß aus Waditz, dessen Firma die Generalüberholung ausgeführt hat, wird mit der Videokamera durch die Orgel führen und interessante Details erläutern. Während dieser Aufnahmen, die auch auf einer Großbildleinwand übertragen werden, erklingen Werke aus Barock, Romantik und Moderne von französischen und deutschen Komponisten. Es spielen Prof. Martin Strohhäcker, Hochschule für Kirchenmusik Dresden und Organist an der Dreikönigskirche, und der Riesaer Kantor Stephan Seltmann.

Bild: Orgelneubau Schloßkirche Chemnitz
Orgelaufbau in der Chemnitzer Schloßkirche

In der Chemnitzer Petrikirche am Theaterplatz wird am 19. Oktober mit Festgottesdienst und Konzert die Wiedereinweihung der Ladegast-Jehmlich-Orgel gefeiert. Unter dem Motto „Eine Königin für Chemnitz“ hatten sich viele Spender und Sponsoren, darunter die Ostdeutsche Sparkassenstiftung sowie persönlich die Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig, eingesetzt.
Das im Jahr 1888 von der berühmten Orgelbaufirma Friedrich Ladegast aus Weißenfels gebaute und zusammen mit der Kirche geweihte Instrument wurde im vergangenen Jahrhundert zweimal durch die Dresdner Firma Gebrüder Jehmlich umgebaut. Vor allem der sich dramatisch verschlechternde Bauzustand der Kirche setzte der Orgel mit ihren fast 4.000 Pfeifen und dem kunstvoll geschnitzten Orgelgehäuse erheblich zu. Die dreimanualige Orgel hat 57 klingende Register und ist Ausdruck hoher Baukunst im neogotischen Stil.(28.9.08)

Orgeln

 

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