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Aktuelles

Generalsynode der VELKD begann Tagung in Zwickau

Lutherisch sein ist Übersetzungs- und Bildungsarbeit im protestantischen Profil

Bild: Andacht
Dorothea Kutter aus Chemnitz mit Andacht

Zur Eröffnung der Generalsynode der Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) in Zwickau am 11. Oktober hielt die sächsische Vizepräsidentin Dorothea Kutter aus Chemnitz die Andacht. „Erträumtes und Erhofftes“ setzte sie unter das Thema der Synode „Lutherisch sein im 21. Jahrhundert“ und ging der Frage nach, was eigentlich lutherisch sei und wie man sich darunter verständigen könne. Für sie sei es in erster Linie „Übersetzungsarbeit“, um das reformatorische Anliegen aktuell einzubringen. Beispielsweise könne dies in der Bildungsarbeit mit einer verstärkten „Herzens- und Gewissensbildung“ geschehen, sowie im protestantischen Profil, die „Befreiungsgeschichte Gottes wieder neu zu erzählen“, sagte Kutter vor den 62 Synodalen. Sie hätte den Traum einer einladenden Kirche und hoffe, dass die Generalsynode in ihrer Thematik darauf eingehe.

Bild: Plenum der Synode von oben
Plenum der Synode

Die Zwickauer Oberbürgermeisterin Dr. Pia Findeiß begrüßte die Generalsynode und die zahlreichen in- und ausländischen Gäste in der Stadt, deren Ersterwähnung 1118 die Nennung einer Marienkirche in einer mittelalterlichen Quelle verdanke. Findeiß ging neben den Einblicken in die Geschichte und der wirtschaftlichen Entwicklung der Stadt auf die reformatorischen Ereignisse ein, die in die Amtszeit ihres frühen Amtsvorgängers Hermann Mühlpfordt fielen. Als sich Dr. Martin Luther Ende April 1522 in Zwickau aufhielt, predigte er vor dem Rathaus vor 14.000 bis 20.000 Menschen. Luther zudem sind Predigten in der Barfüßerkirche und im Schloss überliefert. Sein Besuch in Zwickau hätte nach Auseinandersetzungen zwischen radikaleren Reformatoren um Thomas Müntzer und Nikolaus Storch sowie den gemäßigten Vertretern stattgefunden. Luthers Besuch unterstützte ein gemäßigteres Vorgehen bei der Einführung der Reformation und die Haltung des Rates, insbesondere des Bürgermeisters Mühlpfordt.

Bild: Podium der Synode

Nach der Eröffnung und weiterer Grußworte seitens des Landrats Dr.Christioph Scheurer, der auch Mitglied der sächsischen Landessynode ist, und des Zwickauer Superintendenten Eberhard Dittrich begann das synodale Geschehen im Konzert- und Ballhaus „Neue Welt“. Hier führte Oberkirchenrätin Dr. Mareile Lasogga aus Hannover in das Thema „Lutherisch sein im 21. Jahrhundert“ ein und verwies auf Projektrepräsentanten wie die Evangelische Schule in Zwickau, die sich am Sonntag vorstellen werden. Die Generalsynode in Zwickau ist die letzte Tagung in der laufenden Legislaturperiode. Ab Mai 2009 werden die Tagungen der Generalsynode örtlich und zeitlich mit denen der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) verzahnt. Dies war im Rahmen der Strukturreform zwischen VELKD und EKD vereinbart worden. Die acht VELKD-Mitgliedskirchen mit rund zehn Millionen Mitgliedern werden dann in beiden Synoden von denselben 50 Personen vertreten.

Predigt des Landesbischofs im Dom zu Zwickau eröffnete Lutherdekade

Bild: Gottesdienst im Dom

Die Erschütterungen der gegenwärtigen Finanzkrise werden nach Einschätzung des sächsischen Landesbischofs Jochen Bohl keine Weltregion unberührt lassen, vor allem aber Auswirkungen auf die armen Länder Afrikas und Asiens haben. In seiner Predigt im Dom St. Marien anlässlich der Generalsynode der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) sagte er am 12. Oktober, die Menschen in jeden Ländern „werden unter der lasterhaften Gier der Superreichen leiden müssen“. Es sei „empörend, dass die Zeche ihrer Exzesse von vielen kleinen Leuten bezahlt“ werden wird. Gerade im Zeitalter der Globalisierung seien die Unterschiede in den Lebenswirklichkeiten der Menschen gewachsen. Der Illusion, dass unser Ergehen von dem anderer unberührt bleiben könnte und die Not der Mitmenschen in der Ferne nichts mit unserem Leben zu tun hätte, könnten und dürften wir uns nicht länger hingeben, hob Bohl hervor, der auch Stellvertreter des Leitenden Bischofs der VELKD ist.

Bild: Landesbischof predigt im Dom
Landesbischof Jochen Bohl

Die Globalisierung habe in einem gewissen Sinn mit der Ausbreitung des christlichen Glaubens begonnen. Schon die ersten Christinnen und Christen lebten in einer Zeit, in der unterschiedliche soziale Zusammensetzungen Differenzen bewirkten, von denen die Einheit bedroht wurde. Offensichtlich gebe es in einer globalisierten Welt keine Selbstverständlichkeit, beieinander zu bleiben. „Nie zuvor gab es so viele Möglichkeiten, in freier Selbstbestimmung das Leben zu gestalten, ohne auf die anderen Rücksicht nehmen zu müssen“, so der sächsische Landesbischof. Nie sei es so leicht gewesen, sich zu trennen und zu anderen Erfahrungen aufzubrechen. „Es ist eine Zeit starker Individuen und schwacher Gemeinschaften.“ Vor diesem Hintergrund gelte es, an das Bild des Apostels Paulus zu erinnern, der die christliche Gemeinde als einen Leib mit vielen Gliedern beschrieb. Paulus fordere nicht die Uniformität, denn die Kirche können nicht aus Gleichgeschalteten bestehen.

Bild: Gottesdienst im Dom

Vielmehr gehöre die Vielfalt der Gaben zum Wesen der Gemeinde. Gott habe Freude an jedem Menschen, an der unverwechselbaren Individualität eines jeden Einzelnen. Darum gehörten Menschen unterschiedlichen Alters, verschiedener Lebenserfahrungen, Berufe, Gaben, Fähigkeiten und auch unterschiedlicher Frömmigkeiten in ihr zusammen. Die Kirche sei keine Organisation, sondern ein Organismus, voller Dynamik und Verschiedenheit.
Zum Festgottesdienst, an dem auch viele Zwickauer Gemeindeglieder gekommen waren, erklang durch den Zwickauer Domchor und Musiker des Philharmonischen Orchesters Plauen/Zwickau unter Leitung von Kirchenmusikdirektor Henk Galenkamp die Kantate „Allein zu dir, Herr Jesu Christ“.
Die Kollekte, die im Abendmahlsgottesdienst gesammelt wurde, ist für die Evangelisch-Lutherische Jeypore Kirche im indischen Orissa bestimmt. Die ungefähr 30.000 Christen dieser Region sehen sich massiven Verfolgungen ausgesetzt. Zahlreiche Kirchen und christliche Einrichtungen wie Schulen und Krankenhäuser wurden angegriffen und verwüstet. Mindestens 20 Todesopfer sind zu beklagen.(12.10.08)

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