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Aktuelles

Aktionsjahr für Demokratie - gegen Rechtsextremismus

Erklärung der Kirchenleitung im Vorfeld der Aktion veröffentlicht

Bild: Almut Klabunde predigt
Oberlandeskirchenrätin Almut Klabunde, Dresden

Für Oberlandeskirchenrätin Almut Klabunde sei die Mauer auf Angst gebaut. Sie zeigte in ihrer Predigt in der Colditzer St. Egidienkirche auf zwölf Fernsehpappkartons, die als Mauer einen verstellten Beziehungsraum darstellten. Für den Grund der Angst machte sie unter anderem Vorurteile und Verhaltensweisen aus, wie sie in den aufgeklebten Begriffen zu lesen waren.

Aufgebaut wurden diese sinnbildlichen Steine des Anstoßes aus Anlass eines Gottesdienstes am Nachmittag des 1. Februars zur Eröffnung des Aktionsjahres der Landeskirche unter dem Thema „Nächstenliebe verlangt Klarheit. Kirche in Sachsen für Demokratie – gegen Rechtsextremismus“. Nach und nach verstellte sich zu Beginn der Veranstaltungen der Blick zwischen den Besuchern und dem Altar mit Begriffen wie Rassismus, Abwertung, Hass, Gewalt, Schweigen, Gleichgültigkeit…

Bild: Pfarrerin Angela Lau vor der Gemeinde
Colditzer Pfarrerin Angela Lau begrüßt

Für Pfarrer Karl-Heinz Maischner, Vertreter der Aktionsgemeinschaft „Kirche und Rechtsextremismus“, zeige diese Mauer eine „traurige Verbindung zwischen Gegenwart und Vergangenheit“. Die Verbrechen der Nazis wären ohne die „Mauer des Schweigens“ durch die Mehrheit der Bevölkerung nicht möglich gewesen. Auch der örtliche Bürgermeister Manfred Heinz als Vertreter des Colditzer Bündnisses verband mit dem Hinstellen eines Kartons den Hinweis, dass auch damals alles „nur“ mit einem „nur“ angefangen habe und zog Vergleiche zu heutigen Geschehnissen.

Es war die Betroffenheit vor Demokratiefeindlichkeit und Rechtsextremismus, die diese Mauer durch engagierte Teilnehmer des Gottesdienstes wachsen ließ. Oberlandeskirchenrätin Klabunde brachte aber auch zu bedenken, dass auch Christen nicht vorurteilsfrei seien: So „blieben wir weit unter unseren Möglichkeiten“. Dennoch und gerade deswegen sei die Erklärung der Kirchenleitung eine klare Position, damit Grenzen gesetzt werden, ohne aber den einzelnen Menschen auszugrenzen.

Bild: Der Landesrabbiner singt
Klage vor der Mauer. Landesrabbiner Dr. Salomon Almekias-Siegl singt aus den Psalmen

Für Klabunde sei die Anwesenheit des Landesrabbiners Dr. Salomon Almekias-Siegl eine große Ehre, dass er trotz der „beschämenden Geschichte“ an diesem Tag zu Gast sei.
Der Landesrabbiner äußerte bereits vor der Predigt seinen Dank für die Aktion, da er von vielen Auslandsaufenthalten wisse, dass Deutschland in der Medienberichterstattung im Blick sei, wenn es um rechtsextreme Gewalttaten ginge.
Er sang im Gottesdienst wie anschließend am Gedenkstein auf dem Colditzer Friedhof einen Psalm.

Der Gottesdienst in Colditz am 1. Februar war Beginn des Aktionsjahres, wo zahlreiche Veranstaltungen und Aktionen stattfinden werden, so u.a. ein geplanter Werkstatttag am 1. April in der Evangelischen Akademie Meißen zu „Zivilcourage für Demokratie im Heimatort“.
Die Kirchenleitung der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsen hatte zu Beginn der Aktion in einer Erklärung zur Beteiligung der Kirchgemeinden an der Aktion aufgerufen.

Bild: Sonnenuntergang am 1. Februar durch das Kirchenfenster
Sonnenuntergang über Colditz

Sie bekräftigte erneut auf der Grundlage des biblischen Zeugnisses, dass Rechtsextremismus und christlicher Glaube unvereinbar sei. Die Demokratie böte „eine gute Grundlage, durch Beteiligung vieler das Gemeinwohl zu fördern und Konflikte demokratisch auszutragen“. So müsse gegen das unbewusste oder absichtliche Eindringen von rechtsextremem Gedankengut Grenzen gesetzt, menschenverachtenden Vorurteilen widersprochen und Solidarität mit Opfern von rechtsextremen Handlungen geübt werden.

Die Kirchenleitung verweist zudem auf die kürzlich durch das Landeskirchenamt herausgegebene Broschüre „Nächstenliebe verlangt Klarheit. Kirche in Sachsen für Demokratie – gegen Rechtsextremismus“ und ruft die Kirchgemeinden dazu auf, die dortigen Handlungsempfehlungen aufzugreifen.
Ebenfalls wird auch in diesem Jahr für Projekte für Menschenwürde und Toleranz innerhalb der Aktion „Vielfalt entdecken – Gemeinsames gestalten“ geworben, wo es darum geht, kulturelle Vielfalt in den Kirchgemeinden und des kommunalen Umfelds zu entdecken und darzustellen.

Bild: Aufbruch zum Gang mit den Kerzen nach dem Gottesdienst

Die Kirchenleitung regt ebenfalls an, mit ökumenischen Friedensgebeten am 1. September des Ausbruchs des Zweiten Weltkrieges zu erinnern, von denen Impulse zu Frieden und Versöhnung ausgehen sollen.
Gerade die Erinnerung an die friedliche Revolution und die Demonstrationen für Freiheit und Demokratie im Herbst 1989 solle in diesem Jahr eine Aufforderung zum notwendigen demokratischen Engagement sein, die freiheitliche Demokratie zu gestalten. „Um Gottes und der Menschen willen sind wir gemeinsam zum Handeln gefordert“, so die Kirchenleitung.(1.2.09)

Aktionsjahr und Erklärung der Kirchenleitung


 

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