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Aktuelles

Kurrendetag 2009 in Dresden am 10. Oktober

Landesbischof: Begleitung junger Menschen, die in die Kirche hineinwachsen

Bild: Junge Sängerinnen beim Einsingen am Kurrendetag

In Dresden kam am 10. Oktober in der Eissporthalle „Freiberger Arena“ ein Musical für Kinder- und Jugendchor zur Uraufführung, das von 2.800 jungen Sängerinnen und Sängern kirchgemeindlicher Kinderchöre aus ganz Sachsen im Alter zwischen 6 und 16 Jahren gesungen wurde. Damit ist wohl der größte Kinderchor Deutschlands im Rahmen des Kurrendetags 2009 in Dresden zusammen gekommen. Das große Ereignis unter dem Motto „laufend singen“ endete am Samstagnachmittag mit einem Gottesdienst in der vollbesetzten Arena, an dem mit weiteren Besuchern weit über 3.000 Menschen teilnahmen. Der Landeskurrendetag war von langer Hand vorbereitet worden und stand in der Verantwortung des Kirchenchorwerks der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens. Ausgelassenheit und Disziplin kennzeichneten diesen bewegenden Tag, der am Vormittag mit einem offenen Singen begann.

Bild: Landesbischof Bohl begrüßt die Teilnehmer auf der Bühne mit T_Shirt
Landesbischof Bohl (r.)

„Ihr seid eine Stütze für die ganze Landeskirche“, sagte Landesbischof Jochen Bohl zur Begrüßung. Sein „Bischofsstab“, den er in der Hand hielt, war ein langer dünner Pflanzenstab. „Er gibt jungen Pflanzen Hilfe zu gutem Wachstum“, sagte er. Nach seiner Ansicht könne der Kurrendetag, wie überhaupt die segensreiche Arbeit in den vielen Kurrenden, ebenfalls Stütze und Begleitung junger Menschen sein, die in ihre Kirche hineinwüchsen.
Der Raum der Eissporthalle füllte sich schnell mit großem Klang aus vielen Kehlen. Ein Bühnenchor mit Kurrenden aus Waldheim und Weinböhla sowie verschiedenen Instrumentalisten führten unter Leitung von Kantor Jens Staude, Landesobmann des Kirchenchorwerks, durch die Probenzeit.

Bild: Kantor Jens Staude dirigiert den Massenchor
Landesobmann Staude dirigierte

Staude sagte im Vorfeld des Kurrendetages, dass dieses Ereignis ein Dankeschön und ein Erlebnis in der sechs- bis achtjährigen Kurrendezeit eines jungen Sängers sein solle. Deshalb habe man sich nach der guten Resonanz beim ersten Landeskurrendetag 2003 dazu entschlossen, etwa alle fünf bis sechs Jahre ein solches Treffen zu organisieren. Die Vorbereitungen liefen seit zwei Jahren in vier Arbeitsgruppen und es wurden ein Themenlied sowie ein Singewerk als Hauptstück für diesen Tag ausgeschrieben. Das Themenlied des Kirchenmusikers Friedemann Wutzler aus Weinböhla wurde schnell gefunden und die Wahl für das Hauptwerk fiel auf das Musical für Kinder- und Jugendchor „Singend laufen – die Heilung des Gelähmten“ von Frieder Hecker (Text) und René Michael Röder (Musik). Nach der Herausgabe eines DIN-A4 Liedheftes konnten sich die Kurrenden in den letzten Wochen schon mal mit den beiden Werken vertraut machen.

Bild: Schlittschuhläufer aus den Kirchenbezirken sorgten für noch mehr Bewegung
Schlittschuhläufer aus verschiedenen Kirchenbezirken sorgten mit ihren Fahnen für frischen Wind vom Eis

Ebenfalls wurden verschiedenfarbige T-Shirts mit Logo verteilt, so dass die Ränge im Eisstadion rot, weiß, und grün leuchteten. Die Kurrenden wurden in Regionen aus denen sie kamen zusammengefasst, um unterschiedliche Aufgaben übernehmen zu können. In Sachsen singen 7.700 Kinder in den Kurrenden. „Da wollen wir für einen Großteil der Kinder ein Gemeinschaftserlebnis setzen, das so schnell keiner vergisst“, sagte Kantor Christian Kühne aus Löbau, der die Öffentlichkeitsarbeit vorbereitete. Alleine aus dem Chemnitzer Regierungsbezirk lagen zuletzt 1.700 Anmeldungen vor. Aus ganz Sachsen reisten die Gruppen zum Teil in Bussen an und freuten sich neben dem gemeinsamen Singen auf ein buntes Konzert- und Unterhaltungsprogramm.

Bild: Gerhard Schöne mit Kinderliedern aus aller Welt
Gerhard Schöne mit Liedern aus aller Welt

So kam mittags der Liedermacher Gerhard Schöne und sang gemeinsam mit den Kurrendekindern „Lieder aus aller Welt“. Unter dem Motto „Eine Welt Musik“ wurden an unterschiedlichen Plätzen und nach Erdteilen geordnet, verschieden Angebote gemacht. So gab es in Europa, Musik aus dem Norden, ein Accordeonduo und Instrumentenbauer, in Asien-Ozeanien eine Australienshow mit dem Digeridoo-Ensemble WARU (Feuer) aus Leipzig, in Afrika Kreativangebote und Trommler, Amerika Breakdance und eine Saft-Cocktail-Bar. Außerdem wurden in einem Außenzelt Kurzfilme unter dem Thema „In zwanzig Minuten um die Welt“ gezeigt. Daneben griff Sportpfarrer Ulrich Korbel den Bewegungsdrang der Kinder auf und koordinierte ihn in verschiedenen Übungen am bunten Tuch. Vor der Halle gab es verschiedene Bastel- und Spielangebote.

Bild: Trommler erzeugte akustische Aufmerksamkeit

Um 14:00 Uhr ging das zentrale Bühnenprogramm mit Jazz, Tanz und Gesang weiter. Es traten der Jazzchor Voice It aus Dresden sowie der Chor der evangelisch-lutherischen Jesusgemeinde in Riga auf. Für die lettischen Gäste, die sich sichtlich auch am großen Gesangsprogramm beteiligten, musste dieser Tag mit den vielen Sängern ein eindrückliches Erlebnis gewesen sein. Ein Breakdance-Dua aus Potsdam sorgte bei den jungen Zuschauern für Staunen und Begeisterung.
Danach trat mit exotischen Instrumenten noch einmal die Weltmusikband WARU – Didgeridoo aus Leipzig und sorgte für Rhythmus bevor der Gottesdienst mit der Aufführung des Musicals begann und dazu alle Sängerinnen und Sänger sowie weitere Besucher in der Halle Platz nahmen.

Bild: Bewegung in den Pausen
Bewegung vor den Halle

Parallel gab es einen Empfang des Landeskirchenamtes als Dankeschön an die Organisatoren und Unterstützer des Kurrendetages. Vertreter der Stadt Dresden, von Verbänden und der Staatsregierung überbrachten Ihre Grüße. Oberlandeskirchenrat Dr. Christoph Münchow hob insbesondere die Unterstützung durch die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen, durch den Sächsischen Musikrat, durch das Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst, der Stadt Dresden sowie der Landeskirchlichen Kreditgenossenschaft Sachsen eG –LKG hervor.
Für Staatssekretär Hansjörg König, Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst, war der Besuch des Kurrendetages die erste Amtshandlung im neuen Ressort. Er dankte allen Mitwirkenden und hob die Bedeutung der musikalischen Arbeit an den Kindern in der Schule und in den Kirchgemeinden hervor. Er verwies auf die lange und besondere Kurrende-Tradition, „die 1526 von Torgau und Sachsen ausging“.

Bild: Empfang und Dank für die Unterstützer
Das große Dankeschön an alle Unterstützer, Sponsoren und die Organisatoren des Kurrendetages 2009

Für Helge Lorenz, Präsidium des Sächsischen Musikrats, sei „Sachsen mit Johann Walter das Vaterland der evangelischen Kirchenmusik“ und betonte insbesondere das gemeinsame Musizieren. Er ermutigte diese Arbeit fortzuführen.
„Musische Bildung ist Persönlichkeitsbildung“, sagte Landeskirchenmusikdirektor Markus Leidenberger, und verwies darauf, dass die Kirchenmusiker bereit seien, die zunehmenden Ganztagsangebote in Kindergärten und Schulen fachkundig zu unterstützen. „Diese Brücke wollen wir weiter pflegen“, betonte er.
Landesobmann Jens Staude sieht „an diesem Tag viel Freude vom Landeskurrendetag hinausgehen in das Land“ und dankte den Mitarbeitern bei der Vorbereitung des Tages. Am Empfang und am anschließenden Gottesdienst nahm auch der Präsident der sächsischen Landessynode, Otto Guse, teil.

Bild: Oberlandeskirchenrat Dr. Münchow während des Gottesdienstes
Oberlandeskirchenrat Dr. Münchow im Gottesdienst

Im Gottesdienst wurde mehrfach das Themenlied „Laufend Singen“ von Friedemann Wutzler, der am Keyboard saß, und der die Orchester- und Band-Einstudierung vorbereitet hatte, gesungen. Beim Musical sang der Komponist René Röder mit und der Texter Frieder Hecker war ebenfalls zur Uraufführung gekommen. Es passiert wohl auch selten, dass nach einer Neukomposition gleich 2.800 Sänger gleichzeitig das Werk umsetzen.
Im Gottesdienst wurde in einem Anspiel auf die Geschichte der Heilung des Gelähmten Bezug genommen. Als Überraschung fuhr ein Johanniter-Rettungswagen mit Baulicht aufs Eis und es ging dann schnell um den Verletzten in Wort und Musik.
Am Schluss erteilte Oberlandeskirchenrat Dr. Christoph Münchow Sendung und Segen und hob den Dank an die Eltern hervor, die ihre Kinder zur Kurrende anmelden, fahren und sie unterstützten.

Kurrende, Kurrendemantel und die Lausbuben

Bild: Kurrende mit grünen Kragen
Kurrendegruppe im sonntäglichen Einsatz

Der Begriff Kurrende  kommt vom lateinischen Wort currere und bedeutet laufen, eilen. Ursprünglich verstand man darunter einen aus bedürftigen Knaben der Lateinschule gebildeten Chor, der auf Straßen sang und Spenden entgegen nahm. Heute ist es die Bezeichnung für kirchliche Kinderchöre.
In der sächsischen Landekirche mit ihren 780 Kirchgemeinden gibt es über 7.700 Sänger im Alter von 6 bis 16 Jahren. In altersmäßig aufgeteilten Gruppen proben sie wöchentlich in kirchlichen Räumen. Sie treten in Gottesdiensten und zu Kinderchormusiken auf. Höhepunkte im Kurrendeleben sind unter anderem die Singwochen. In den Ferien treffen sich die Kinder und Jugendlichen, um gemeinsam musikalische Programme zu erarbeiten und zur Aufführung zu bringen.

Bild: Kinder mit Tuch außerhalb beim Sportplatz
Sportpfarrer Ulrich Korbel aus Chemnitz war im Außeneinsatz auf dem Freigelände

Hier kommen jeweils zwischen 200 und 300 Kinder zusammen, um gemeinsam zu singen und zu musizieren. Da viele Kurrendekinder staatliche Musikschulen besuchen, ist somit diese musische Arbeit mit Kindern ein wesentlicher Bestandteil des kulturellen Lebens. Hier werden Grundlagen für kommende Generationen gelegt, die dann Soziales und das Freizeitverhalten wesentlich prägen.

Die Kleidung der Kurrendekinder bei Auftritten besteht aus einem schwarzen Kurrendemantel mit einem weißen Kragen. Ursprünglich war dieser Mantel die übliche Straßenbekleidung. Heute werden diese Mäntel in Spezialwerkstätten gefertigt. Bei liturgischen Kragen, die mittlerweile selten anzutreffen sind, wechselt die Farbe je nach Kirchenjahreszeit zwischen weiß, rot, violett und grün.

Das Wort Lausbuben hat nichts mit Läusen zu tun. Der Wortstamm kommt ebenfalls vom lateinischen laus was Lob bzw. Ruhm bedeutet. Da die Sänger, die Gott den Herrn mit ihrem Gesang lobten, nicht immer nur brave Buben waren, hat der Begriff der Lausbuben seine heutige Bedeutung erhalten.(10.10.09)

Kirchenchorwerk der Landeskirche

Bild: Blick in einen Bereich der vielen Sänger an diesem Tag

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